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Spinoza: Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten
 
 
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Spinoza: Mit Selbstzeugnissen und Bilddokumenten [Sondereinband]

Theun de Vries , Elisabeth Meter-Plaut
4.3 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (3 Kundenrezensionen)
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Kurzbeschreibung

"Bei der Lektüre des Spinoza ergreift uns ein Gefühl wie beim Anblick der großen Natur in ihrer lebendigsten Ruhe. Ein Wald voll himmelhohen Gedanken, deren blühende Wipfel in wogender Bewegung sind, während die unerschütterlichen Baumstämme in der ewigen Erde wurzeln. Es ist ein gewisser Hauch in den Schriften des Spinoza, der unerklärlich. Man wird angeweht wie von den Lüften der Zukunft." (Heinrich Heine)

Über den Autor

Theun de Vries, 1907 in Veenwouden (Friesland) geboren. Mit seinen zahlreichen Erzählungen und historischen Romanen, u.a. "Rembrandt" (1931), "Das Mädchen mit dem roten Haar" (1956), "Die Kardinalsmotette" (1961), "Die drei Leben des Melchior Hintham" (1965), "Das Sonntagsbett" (1975), "Baron" (über Moliere, 1987), "Der Kopf von Haydn" (1986), "Die Premiere" (über Puccini, 1990), "Torrentius" (1998), "Die wilden Frauen von Palla" (über Euripides, 1999), zählt er zu den erfolgreichsten niederländischen Schriftstellern.

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18 von 22 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von FrizzText HALL OF FAME REZENSENT
Format:Sondereinband
Spinoza hat wie ein niederländischer Voltaire mit seinem Schreiben für die Einführung der Neuzeit gekämpft - in einem noch stärkstens von Religionen und diktatorischen Gemütern beherrschten Land. Amsterdam war zu Lebzeiten Spinozas zwar wohl die lebendigste, freieste und vielleicht erste wirklich multikulturelle Großstadt Europas - die wahrhaftige Mutter Nieuw Amsterdams / New Yorks. So frei allerdings, dass man ungestraft philosophieren konnte, wohin einen der Gedanke nur trieb - so frei war Amsterdam damals noch nicht.
Viele der notgedrungen heimlichen Unterstützer Spinozas (Verleger, Buchhändler, Schreibende) landeten im Gefängnis oder in der Verbannung. Am krassesten erging es den Brüdern Johan und Cornelis de Witt, die am stabilsten für Spinozas materielle und juristische Unterstützung gesorgt hatten: ein aufgebrachter Pöbel aus Monarchisten und Calvinisten holte sie aus dem Gefängnis und vollzog ein Lynch-Gericht im damaligen Stil: Man zerfleischte die Körper und hielt voller Triumph ein herausgerissenes Herz in die Höhe. Eine basisdemokratische Abart aztekischer Sitten. Die Aristokratie sah in Kutschen sitzend genüsslich zu.
Nur mit Mühe konnte Spinoza von seinen Betreuern davon abgehalten werden, anderntags am Tatort ein Schreiben aufzuhängen mit der Überschrift "Ultimi barbarorum" (allerletzte Barbaren, ihr!).

Spinozas Familie, jüdisch, war der Zwangskatholisierung in Spanien entflohen - Richtung Stadtstaat Amsterdam. Spinozas erste Denkergebnisse, welche die Bibel als historische Schriftensammlung verschiedener Menschen ansah (also keineswegs als von Gott verfasst), - diese 300 Jahre später die Theologie Bultmanns noch sehr inspirierenden Einsichten, - sie brachten ihm den unerbittlichen Bannspruch seiner eigenen jüdischen Gemeinde ein:

"Nach dem Urteil der Engel und der Aussage der Heiligen verbannen, verfluchen, verwünschen und verdammen wir Baruch de Spinoza. Hütet euch: dass niemand mündlich noch schriftlich mit ihm verkehre, niemand ihm die geringste Gunst erweise, niemand eine von ihm gemachte oder geschriebene Schrift lese..."

Wie eine frühe Vorstufe der Amsterdamerin Anne Frank versteckte sich Spinoza fortan zumeist in kleinen Grabkammern von Zimmern, verlor den Reichtum seines Familiengeschäftes, wurde von Freunden heimlich unterstützt, verdiente sich sein Zubrot durch Schleifen optischer Gläser [frühe Todesursache: Glas-Staub in der Lunge]- und schrieb beharrlich und lästig weiter, von der Richtigkeit seines Denkens überzeugt, - allerdings anonym.
Wie ein Giordano Bruno in Rom wollte er nicht enden. Spinoza war vom Pantheismus Giordano Brunos fasziniert und definierte, seine Thesen ausbauend, Gott als in aller Natur (und in jedem Menschen) waltende Kraft. Weder die damaligen Juden noch die Christen waren bereit, solcherlei gedankliche Änderungen in ihr Weltbild aufzunehmen oder dergleichen wenigstens zu tolerieren.

Eine Großstadt ist - heute wie damals - gekennzeichnet durch die Ungleichzeitigkeit der auf verschiedenen Entwicklungsstufen stehenden soziologischen Teilstücke. Das aristokratische, bürgerliche, intellektuelle, belesene Lager, welches mit Spinoza sympathisierte, war schon auf einem anderen Entwicklungsstand als die dogmatischen Konfessionsapparate jüdischer oder calvinistischer Prägung.
Da Spinoza sich, von Hobbes inspiriert, auch an die Formulierung demokratischer Staatsideen heranwagte, geriet er unverzüglich auch in Konflikt mit der die Niederlande beherrschenden Oranier-Sippschaft. Der ungebildete Pöbel, von Predigern wie von Prinzen zu Marionetten gemacht, war durch die sensiblen Überlegungen Spinozas, man möge sich doch von allzu großer Affekt-Stärke tunlichst fernhalten, nicht sehr abbremsbar.

Für Spinozas Beharrlichkeit müssten wir uns, wenn wir es denn könnten, zutiefst bei ihm bedanken. Durch ihn geschult, könnte unser Verstand zügiger die restlichen Wurmfortsätze seines Jahrhunderts auch in unserem gegenwärtigen Zeitalter schneller identifizieren: New York, das legale Kind Amsterdams, wurde am 11. September 2001, scheinbar fern von jedem Religionskrieg, zum Zielpunkt islamistischer Indoktrination, welche genau weiß, wie auch heute noch Marionetten mit ultimativem Barbarismus in Gang zu bringen sind - nur technologisch ist man erheblich besser ausgerüstet als die marodierenden Horden des Mittelalters...

Trotz all seiner Beharrlichkeit ist Spinoza jedoch schon fast in Vergessenheit geraten - über die Grenzen Hollands wurde sein Denkgebäude kaum hinaustransportiert. In islamische Länder scheinbar überhaupt nicht. Wer überhaupt von den westeuropäischen Philosophen? Die Macht der Religionsversprechungen auf ein ruhmvolles Jenseits als Belohnung für Kamikaze-Heroismus hat alle Jahrhunderte allerdings unangekratzt überstanden und - sie expandiert…

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Von alukano
Format:Sondereinband|Von Amazon bestätigter Kauf
Spinoza: Mit Selbstzeugnissen und BilddokumentenTheun de Vries,
Rowohlt Taschenbuch Verlag 1970, 191 Seiten

Wer aufgrund des Titels "Spinoza" eine reine Biografie des Philosophen erwartet, wird schnell enttäuscht; sein Lebenslauf hat hier Platz auf 2 Seiten einer Zeittafel am Ende des Buches; vielmehr liefert es einen ganz passablen politisch historischen Hintergrund der Krisenjahre der Niederlande des 17. Jhd., in die das Leben und Wirken des Freigeistes Baruch de Spinoza und seiner Wegbegleiter eingebettet ist. Der Leser wird Zeuge einer "Neugeburt", des Spinozismus.

Sehr hilfreich: die Anmerkungen und Erklärungen zu Namen und Ereignissen sowie die Bibliografie, die eine vollständige Übersicht der Werke von und über Spinoza liefert.

Die zitierten (leider zu wenige) Selbstzeugnisse Spinozas geben einen ersten Vorgeschmack auf seine Philosophie und reichen schon aus, um dem suchenden Leser am Ende klar zu machen , ob er von Spinozas Geist "entfacht" wurde oder nicht.
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6 von 13 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Uwe Dorn
Format:Sondereinband
Ist eh ein Starker, dieser Theun de Vries. Aber mit der Biographie von BDS ist ihm ein informatives Werk gelungen. So versteht man Spinoza viel besser! Für mich ein Einstieg in das Werk von Spinoza; ich bin sehr gespannt!
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