Dieses Handbuch für Sicherheitskräfte ist vor allen Dingen für diese Geschrieben. Aber auch und gerade für Menschen die nicht aus dieser Branche bietet das Buch spannende Einblicke. Als Laie war das Buch war für mich auf dreierlei Weise hilfreich:
Primär bietet das Buch einen Überblick über den Bereich "Sicherheit" aus dem Blickwinkel einer Sicherheitskraft. Eine zentrale Aussage des Buches ist, dass "Frieden sichern" nicht das Gleiche ist wie "Kampf". Das kann man vermutlich nicht oft genug sagen; die Anfangskapitel wo er diese Aussage etabliert könnten für den Laien vielleicht knapper gefasst sein, man gewinnt aber den Eindruck dass man das Manchen in der Sicherheitsbranche häufiger sagen muss. Für den Laien ist es besonders interessant, zu verstehen dass "Kampfsport" eben genau das ist - ein Sport. Glorreich ist sicherlich das Zitat "Soldaten trainieren ja auch nicht "Kriegssport"!" Sicherheit als auch Selbstverteidigung spielen in einer anderen Arena und müssen dementsprechend anders trainiert werden. Der Autor bringt seine eigene Erfahrung als Sicherheitskraft an der Tür und als Kaufhausdetektiv an geeigneter Stelle ein. Die wenigen, mitreißend aber angenehm friedfertig erzählten Anekdoten runden die präzisen praktischen Informationen ab.
Dazu gibt es noch Gastkapitel sowohl eines Anwalts als auch eines Schusswaffenspezialisten. Die brachten mir unter Anderem Antworten auf Fragen wie "was passiert, wenn ich mich verteidige und den Angreifer dabei schwer verletze?" oder "was passiert bei Schusswaffe gegen Messer?".
Um die Informationen in einen größeren Kontext zu stellen fand ich die gründlich recherchierten historischen Ausführungen über das Waffenhandwerk, die Historie des Berufes der Sicherheitskraft sowie die Geschichte des Escrima spannend und fast zu wenig - darüber könnte man eigentlich ein eigenes Buch schreiben!
Als Frau fand ich besonders das Kapitel zur Frauenselbstverteidigung eine willkommene Erfrischung. Liest man in den Handbüchern anderer Autoren zur "Frauenselbstverteidigung" diverse Mutmacher, die mich immer mit dem mulmigen Gefühl in der Magengegend stehen gelassen haben, wie realistisch das Ganze denn wäre, spricht der Autor klare Worte. Als Frau ist man ebenbürtig mit einem Mann derselben körperlichen Konstitution, und da die in meinem Fall "klein und zart" ist, heißt das entsprechende Probleme in einem waffenlosen Szenario. Punkt. Dass das dann heißt, sich entweder zu bewaffnen oder risikoreichen Situationen vorzeitig umsichtig aus dem Weg zu gehen, mit allen Konsequenzen die das mit sich bringt, ist Realismus.