Dückers hat sich mit diesem Buch viel vorgenommen: Leben im Berlin der 90er zwischen Ost und West aus der Sicht nicht eines Protagonisten, sondern gleich aus der Perspektive elf erzählender oder doch erlebender Figuren - ein anspruchsvolles Unterfangen, das sicher Respekt verdient, zumal ja alles auf Berlin-Romane, die die Problematik des "Zusammenwachsens" dieser Stadt als Indikator für die geistige Verfassung der Republik thematisieren, wartet. Leider springt die Autorin zu kurz. Das Ziel der Vielstimmigkeit wird allenthalben verfehlt, es bleibt, den wechselnden Kulissen zum Trotz, doch immer bei der nach spätestens 50 Seiten sattsam bekannten Tonart der jungen Autorin: ein Sprachmix aus Flapsigkeit, staffageartigen Dialogen und dekorativen Einsprenkseln, die das Outfit oder die Wohnungen der Protagonisten beschreiben, selten dagegen einen Charakter wirklich zu fassen kriegen. Nach Lektüre des Buches mag dem Leser Berlin wie ein bunter Spielplatz für mehr oder weniger originell vor sich hin Flippende erscheinen, mit den Realitäten der Stadt und ihrer - zumeist weder sonderlich jungen noch hippen Bewohner - hat das alles wenig zu tun. Das wäre auch nicht weiter schlimm, wenn die Story wenigstens Utopien anzubieten hätte. Darauf hofft man vergebens. Die Moral der Geschicht' entspricht beinahe eins zu eins dem kürzlich im Spiegel veröffentlichten Berlin-Artikel aus Dückers' Feder: in Berlin ist alles unglaublich locker und cool, junge (Wahl)Berliner politisch und historisch völlig indifferent, was es zu attackieren gilt, sind "BVG-Ärsche" und andere "Spielverderber". Schöne neue Spaßwelt also, und ein Griesgram, wer das Papier-Panoptikum der "Spielzone" nicht für Literatur, sondern allenfalls für einen hirnschonenden Pausenfüller nimmt.Junges Buch fürjunge Leser? Zweifel sind erlaubt. Ganz sicher aber eine Lektüre für alle, die bereit sind, eine feuchte Wunderkerze schon für ein Feuerwerk zu halten und denen die besten Vertreter junger deutscher Literatur bislang entgangen sind: Helmut Krausser zum Beispiel, oder auch Brussig mit seinem herrlich witzig-bissigen Roman "Helden wie wir". Es ist möglich, Unterhaltungswert mit literarischer Qualität in Einklang zu bringen. Bei Dückers' blieb beides auf der Strecke.