- Unbekannter Einband
- Verlag: Frankfurt/Main, Schöffling & Co. 2004, (2004)
- ASIN: B002PQQL8C
- Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.6 von 5 Sternen Alle Rezensionen anzeigen (67 Kundenrezensionen)
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Produktinformation
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Alev, 18, polyglotter Halbägypter und Viertel-Franzose, vom ersten Moment an Schwarm aller Prinzessinnen im Ernst-Bloch und mit einer unwiderstehlichen körperlichen Ausstrahlung ausgestattet, benützt das. Auch er hat überlieferte Werte über Bord geworfen und ist damit für Ada eine attraktive Herausforderung. Alev hat ein kleines physisches Defizit, das Adas sexuellen Magnetismus daran hindert, seine Anziehungskraft auszuüben. Und genau an dieser Stelle setzt Alev an, zieht Adas unbedingte Berechenbarkeit und Zuverlässigkeit ins Kalkül (er nennt sie bezeichnenderweise „intelligent dumm"; ADA ist übrigens eine Programmiersprache, die für besonders zuverlässige und sicherheitsrelevante Software eingesetzt wird) und inszeniert ein Spiel. Denn ohne Werte bleibt nur mehr der Spieltrieb. Und dafür muss der Deutschlehrer Smutek herhalten. Alev realisiert das Gefangenendilemma aus der Spieltheorie in seiner Wirklichkeit - mit Ada und Smutek als Gefangene und sich selbst als Richter. Meint er. Es entgeht ihm dabei allerdings, dass Ada und Smutek durch Veränderungen ihrer eigenen Wirklichkeiten Alevs Strategie langsam den Boden entziehen, dass er selbst zum Gefangenen wird. Juli Zeh zeigt eine geniale Lösung für das Gefangenendilemma: durch eine neue, äußere Perspektive auf den abgeschlossenen Rahmen der Spieltheorie, aus der Richter und Gefangene über das ursprüngliche Dilemma lachen können, und durch eine übergeordnete Richterin, die ihnen schließlich genau dazu verhilft. Und so geschieht es.
Perfekt strukturiert und hinreißend geschrieben, spannend von der ersten bis zur letzten Zeile, ist dieses Buch eine hochinteressante und brandaktuelle Auseinandersetzung mit der Welt, die Jugendliche heute vorfinden. Schon mit zehn haben sie alles gesehen was es gibt an Kriegen, Sex, Liebe, Glück, Unglück, Pornographie, Gewalt, Folter, Mitleid, Heldentaten, Vergewaltigungen und vieles mehr. Desillusion ist die Folge. Wertewandel und Werteverlust sind nicht die richtigen Schlagworte dafür; Jugendliche werden seit mittlerweile mehreren Generation in eine Welt hineingeboren, der die Werte permanent davonlaufen. Amoral und kriminelles Verhalten sind nur die Hot-Spots, an denen Juli Zeh das Interesse und die Betroffenheit ihrer LeserInnen unfehlbar entzündet. Mehr noch als bei „Adler und Engel" führt sie uns hier viel näher an die Wurzeln des Übels heran, ohne Lamento, ohne Rührseligkeit, ganz nüchterne, coole Juristin. Die Fakten zählen. Hervorragend - und beängstigend.
Die Handlung ist im Grunde schnell wiedergegeben: Es geht um Ada, die zerbrechlichste aller Prinzessinnen. Seit sie „im Alter von zwölf Jahren auf den Gedanken verfallen war, dass Sinnsuche nichts als ein Abfallprodukt der menschlichen Denkfähigkeit sei, galt sie als hochbegabt und schwer erziehbar". Mit 14 schlägt sie einen älteren Mitschüler nieder, fliegt von der Schule, landet auf dem Ernst-Bloch-Gymnasium, in Bonn die Schule für die hoffnungslosen Fälle. Dort trifft sie den Halbägypter Alev, neben einem zynischen Geschichtslehrer (der später Adler oder Engel spielen wird) der einzige, der es intellektuell mit Ada aufnehmen kann. Alev begeistert sie - wobei Begeisterung bei Ada eigentlich das falsche Wort ist, Begeisterung setzt Gefühle voraus - für Spieltheorie. Indem die Beiden ihren harmlosen Klassenlehrer Smutek verführen und erpressen (Ada gibt ihren 15-jährigen Körper, Alev filmt) beginnen sie mit der Spielpraxis. Sie ruinieren Leben, um das „Gefangenendilemma" aus der Theorie am konkreten Beispiel zu erproben.
Das ist spannend und endet so, wie es Alev, impotent übrigens, möglicherweise vorhergesehen hat. Doch man muss es selbst lesen. Es ist eine schräge, sehr kluge, ungemein reiche Geschichte. Und sie hat mit uns zu tun. Wie schon die Richterin sagt: „Der blaue Himmel ist zum farbigen Pappdeckel einer Spielesammlung geworden. Wenn das alles ein Spiel ist, sind wir verloren. Wenn nicht - erst recht."
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