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Spieltrieb
 
 
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Spieltrieb [Gebundene Ausgabe]

Juli Zeh
3.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (67 Kundenrezensionen)
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 565 Seiten
  • Verlag: Schöffling; Auflage: 1. Aufl. (1. September 2004)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3895610569
  • ISBN-13: 978-3895610561
  • Größe und/oder Gewicht: 21 x 13,8 x 4,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.6 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (67 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 308.871 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Produktbeschreibungen

Aus der Amazon.de-Redaktion

Ada ist mit 12 Jahren auf erschreckende Weise erwachsen geworden. Vor zwei Jahren nämlich hat die hochintelligente Schülerin, neu am Bonner Ernst-Bloch-Gymnasium und im Unterricht gern in die Rolle der Lehrerin schlüpfend, beschlossen, alles als „gleich gültig“ anzusehen. Nur der Sport- und Deutschlehrer Smutek und Höfi, der Geschichtslehrer, können ihr Paroli bieten. Aber dann kommt der ebenso attraktive wie kluge Halbägypter Alev ins Spiel, dem alle „Prinzessinnen“ der Schule zu Füßen liegen. Ada und Alev scheinen wie geschaffen für ein Experiment jenseits moralischer Konventionen, bei dem es vor allem um die gleichberechtigten Startanlagen der Teilnehmer geht. Das intellektuelle Kräftemessen beginnt -- und weitet sich bald zu einer Obsession. Aber wer hält die Fäden in der Hand? Wie kann man Realität und Fiktion auseinanderhalten? Und: Gibt es eine Möglichkeit auszusteigen?

Ada, so hieß schon einmal die (12-jährige) Heldin eines Buchs, in dem es um Spieltriebe in Internatsumgebung ging: um erotische Spiele, aber auch um solche mit Form und Inhalt. Ada oder Das Verlangen heißt dieses Buch, und der Meister adoleszenter Erotik, Vladmir Nabokov, hat es Ende der sechziger Jahre geschrieben. Ada erscheint darin als „anmutiger Computer“, dem der „Wortzirkus“ das größte Vergnügen bereitet. Und tatsächlich ist ADA ja auch der Name einer raffinierten, zur Strukturprüfung anderer Programme verwendeten Programmiersprache: unbewusst durchschauend und „intelligent dumm“ wie die Protagonistin von Zehs Spieltrieb eben. Auf beide Traditionen spielt Zehs Roman mehr als deutlich an: auch dies Teil einer intertextuellen Strategie, die das Buch um eine weitere Nuance bereichert.

All diese Ebenen hat Zeh auf eine faszinierend konsequente, atmosphärisch überaus dichte Weise zu einer philosophischen Pubertätsgeschichte mit Liebes- und Krimielementen miteinander verwoben. Und sie hat dies so spielerisch leicht getan, das ihr faszinierender Roman auf hohem Niveau bestens, teils sogar vergnüglich lesbar geblieben ist. --Thomas Köster

Kurzbeschreibung

Tief im Westen der Republik in unseren Tagen, an einem Bonner Gymnasium, entwickelt sich die atemberaubende Geschichte einer obsessiven Abhängigkeit zwischen einer Schülerin und einem Schüler, Ada und Alev, aus der sich erst die Bereitschaft, dann der Zwang zu Taten ergibt, die alle Grenzen der Moral, des menschlichen Mitgefühls und des vorhersehbaren Verhaltens überschreiten. Die beiden jungen Menschen wählen sich ihren Lehrer Smutek als Ziel einer ausgeklügelten Erpressung. Es beginnt ein perfides Spiel.
Ganz ruhig fängt das an: Ada, überaus selbstbewußte Schülerin, vierzehn Jahre alt, kommt neu an ein Gymnasium namens Ernst-Bloch, wo der Alltag sie nicht fordert und die Lehrer meist schwache Gegner beim intellektuellen Kräftemessen sind. Anfangs erregt Ada auf Ernst-Bloch wenig Aufmerksamkeit. Das soll sich ändern im Fortgang dieses Romans.

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86 von 96 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Gebundene Ausgabe
Im Bonner Ernst-Bloch-Gymnasium, einem Ort für wirklich kluge, wirklich kaputte und wirklich kategorische Menschen, der diesen die letzte Chance zur Hochschulreife gewährt, gibt es eine Neue. Ada, 14, gehört seit Sommer 2002 dazu und fällt erstmals auf, als sie den Historiker Höfi, genannt Bluthund, mit ihrem kategorischen Stil in die Schranken weist. Ada ist mit 12 auf den Gedanken gekommen, Sinnsuche sei nur ein Abfallprodukt menschlicher Denkfähigkeit, und hat seither einen Ruf als hochintelligent und schwer erziehbar etabliert. Seither ist ihr alles „gleich gültig" und sie übt sich und ihre Intelligenz erfolgreich darin, ihr Leben durch diese Brille zu sehen. Sehr aufregend ist das Leben nicht mit dieser Einstellung und Ada schwankt unschlüssig zwischen Gleich-Gültigkeit und gelegentlichen Regungen, doch das eine etwas mehr zu wollen als das andere, sich auch einmal auf etwas zu freuen. Das Fehlen von Werten erzeugt ein spürbares Vakuum, das eine fatale Tendenz dazu hat, sich füllen zu wollen.

Alev, 18, polyglotter Halbägypter und Viertel-Franzose, vom ersten Moment an Schwarm aller Prinzessinnen im Ernst-Bloch und mit einer unwiderstehlichen körperlichen Ausstrahlung ausgestattet, benützt das. Auch er hat überlieferte Werte über Bord geworfen und ist damit für Ada eine attraktive Herausforderung. Alev hat ein kleines physisches Defizit, das Adas sexuellen Magnetismus daran hindert, seine Anziehungskraft auszuüben. Und genau an dieser Stelle setzt Alev an, zieht Adas unbedingte Berechenbarkeit und Zuverlässigkeit ins Kalkül (er nennt sie bezeichnenderweise „intelligent dumm"; ADA ist übrigens eine Programmiersprache, die für besonders zuverlässige und sicherheitsrelevante Software eingesetzt wird) und inszeniert ein Spiel. Denn ohne Werte bleibt nur mehr der Spieltrieb. Und dafür muss der Deutschlehrer Smutek herhalten. Alev realisiert das Gefangenendilemma aus der Spieltheorie in seiner Wirklichkeit - mit Ada und Smutek als Gefangene und sich selbst als Richter. Meint er. Es entgeht ihm dabei allerdings, dass Ada und Smutek durch Veränderungen ihrer eigenen Wirklichkeiten Alevs Strategie langsam den Boden entziehen, dass er selbst zum Gefangenen wird. Juli Zeh zeigt eine geniale Lösung für das Gefangenendilemma: durch eine neue, äußere Perspektive auf den abgeschlossenen Rahmen der Spieltheorie, aus der Richter und Gefangene über das ursprüngliche Dilemma lachen können, und durch eine übergeordnete Richterin, die ihnen schließlich genau dazu verhilft. Und so geschieht es.

Perfekt strukturiert und hinreißend geschrieben, spannend von der ersten bis zur letzten Zeile, ist dieses Buch eine hochinteressante und brandaktuelle Auseinandersetzung mit der Welt, die Jugendliche heute vorfinden. Schon mit zehn haben sie alles gesehen was es gibt an Kriegen, Sex, Liebe, Glück, Unglück, Pornographie, Gewalt, Folter, Mitleid, Heldentaten, Vergewaltigungen und vieles mehr. Desillusion ist die Folge. Wertewandel und Werteverlust sind nicht die richtigen Schlagworte dafür; Jugendliche werden seit mittlerweile mehreren Generation in eine Welt hineingeboren, der die Werte permanent davonlaufen. Amoral und kriminelles Verhalten sind nur die Hot-Spots, an denen Juli Zeh das Interesse und die Betroffenheit ihrer LeserInnen unfehlbar entzündet. Mehr noch als bei „Adler und Engel" führt sie uns hier viel näher an die Wurzeln des Übels heran, ohne Lamento, ohne Rührseligkeit, ganz nüchterne, coole Juristin. Die Fakten zählen. Hervorragend - und beängstigend.

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53 von 62 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Ein Kunde
Format:Gebundene Ausgabe
Große Worte stehen als Motto vor der Erzählung: „Summum ius, summa iniura" - das höchste Recht ist das höchste Unrecht. Sie stammen von dem römischen Staatsmann und Philosophen Cicero. Sie passen wunderbar zu einem Roman, der von einer Welt handelt, die keine verbindlichen Werte mehr kennt. Wenn aber postmoderne Beliebigkeit herrscht, alles erlaubt ist, was funktioniert und sich auszahlt, dann ist jeder Rechtsprechung das Fundament entzogen. Verurteilt werden nicht mehr Verbrecher, sondern Verlierer. Davon handelt „Spieltrieb" der diplomierten Schriftstellerin (Literaturinstitut Leipzig) und auf Europa- und Völkerrecht spezialisierten Juristin Juli Zeh. Doch keine Angst, der knapp 570 Seiten lange Roman handelt nichts trocken ab. Er liest sich wie ein Verschwörungsthriller. Erzählt wird er von einer Richterin, die gleich zu Beginn über die Rechtsprechung philosophiert, und über ihr umstrittenes Urteil, das die Würde des Menschen in Frage stelle und wohl ein Fall für Karlsruhe werden wird, fürs höchste Gericht unterhalb des Himmels. Diesen Fall erzählt sie.

Die Handlung ist im Grunde schnell wiedergegeben: Es geht um Ada, die zerbrechlichste aller Prinzessinnen. Seit sie „im Alter von zwölf Jahren auf den Gedanken verfallen war, dass Sinnsuche nichts als ein Abfallprodukt der menschlichen Denkfähigkeit sei, galt sie als hochbegabt und schwer erziehbar". Mit 14 schlägt sie einen älteren Mitschüler nieder, fliegt von der Schule, landet auf dem Ernst-Bloch-Gymnasium, in Bonn die Schule für die hoffnungslosen Fälle. Dort trifft sie den Halbägypter Alev, neben einem zynischen Geschichtslehrer (der später Adler oder Engel spielen wird) der einzige, der es intellektuell mit Ada aufnehmen kann. Alev begeistert sie - wobei Begeisterung bei Ada eigentlich das falsche Wort ist, Begeisterung setzt Gefühle voraus - für Spieltheorie. Indem die Beiden ihren harmlosen Klassenlehrer Smutek verführen und erpressen (Ada gibt ihren 15-jährigen Körper, Alev filmt) beginnen sie mit der Spielpraxis. Sie ruinieren Leben, um das „Gefangenendilemma" aus der Theorie am konkreten Beispiel zu erproben.

Das ist spannend und endet so, wie es Alev, impotent übrigens, möglicherweise vorhergesehen hat. Doch man muss es selbst lesen. Es ist eine schräge, sehr kluge, ungemein reiche Geschichte. Und sie hat mit uns zu tun. Wie schon die Richterin sagt: „Der blaue Himmel ist zum farbigen Pappdeckel einer Spielesammlung geworden. Wenn das alles ein Spiel ist, sind wir verloren. Wenn nicht - erst recht."

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64 von 76 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Shiraz
Format:Taschenbuch
Spieltrieb war mein erster Roman von Juli Zeh, und anfangs war ich wirklich beeindruckt. Es gibt sicher nur wenige Autoren, die solche Sätze schreiben können. Leider nahm das Vergnügen dann von Seite zu Seite ab, bis ich in der Mitte ganz stecken blieb. Mehreren Bekannten von mir ging es übrigens ähnlich.

Was an Spieltrieb am meisten nervt, ist die wirklich permanente intellektuelle Angeberei von Zeh. Jeder Satz hat eigentlich nur eine Botschaft: Seht her, wie intelligent ich bin, wie viele Fremdwörter ich kenne, wie brillant meine Konstruktionen sind...

Leider ist dann einfach alles zuviel - zum Beispiel die schier unglaubliche Ansammlung von Genies in diesem Roman. Da gibt es:

- Ada, die geniale, nihilistische, alle Bücher gelesen habende, 14-jährige, die ihre Umgebung nur mit blasierter Überheblichkeit betrachtet. Sie ist noch dazu unansehnlich und sehr passiv, was dazu führt, dass sie mir völlig egal blieb. Noch nie habe ich mich mit einer Hauptfigur weniger identifiziert.

- Alev, den 17-jährigen, satanische Spiele liebenden Ägypter, der zufällig auch im Internat herumhängt. Natürlich muss er auch noch impotent! sein.

Halt, Juli, halt! möchte man jetzt rufen. Zwei ausgefallene Figuren reichen locker für einen Roman. Doch leider geht es weiter, mit:

- Höfi, dem oberschlauen, seine Umwelt ironisch von oben betrachtenden Geschichtslehrer. Er spricht meist Sätze wie: "Smutek, mein naiver Freund!", oder "Armes Kind. Du komische, kombustible, verloren Seele. Wäre ich dein Vater, hätte ich dich in der Badewanne ertränkt"

Wie das nervt! Aber weiter, da gibt es noch:

- Smutek, den polnischen Lehrer, der natürlich ausgerechnet deutsch unterrichtet und ein Fan des (welches Buch ist Juli Zeh würdig? erraten:) Mannes ohne Eigenschaften ist (kleiner geht es leider nicht). Er glänzt gerne durch polnische Zitate (seht her: Polnisch kann Juli Zeh auch)

- seine Frau. Sie sagt Sätze: "Es ist mir Wunsch und Bedürfnis, das Mädchen zum Essen einzuladen". (Hm, fragt man sich, wie oft habe ich diesen Satz schon im realen Leben gehört?)

All diese Figuren machen eigentlich wenig (wenigstens bis zur Buchmitte) als gestelztes Zeug zu labern und auf die anderen herabzublicken. Das erinnert ein wenig an den Zauberberg, nur dass es ein ein paar Klassen schlechter ist. Spannung, Glaubwürdigkeit, Fluss? Sind dabei leider verloren gegangen. Die für ein Buch entscheidende Identifikation mit den Figuren sowieso.

So funktionieren Romane nicht. Ein schönes Thema - leider völlig verschenkt.
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Veröffentlicht am 10. Dezember 2009 von Fernossi
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