Bevor die beiden Autoren ins Geschäft der Unternehmensberater einstiegen, waren sie bei Procter und Gamble als Führungskräfte in der Verantwortung. Nun sagen sie dem Kader von IBM, T-Mobile, Postbank, Tschibo, TUI, Danone, Pfizer, Sanofi-Aventis, Bayer, American Express und Allianz, was zu tun ist. Im Buch jedoch sprechen sie vor allem über Apple, Bratz-Puppen, Cirque de Solei, Fielmann, Flying Horse, Ikea, Red Bull, Ryanair, Starbucks und Swatch. Also über Unternehmen, die auch sie nicht von innen kennen. Das erinnert an Best-Practice-Bücher und macht mich skeptisch. Denn Momentaufnahmen von Erfolgsunternehmen dienen meist dazu, eigene Theorien zu beweisen. Das Wort "Zufall" findet sich in solchen Büchern ebenso wenig wie in diesem. Das heisst zwar nicht, dass Erfolg allein auf Zufall basiert, aber sieht man genauer hin, steckt hinter Erfolgstorys weniger Strategie und Planung, als jeweils behauptet wird.
Ist die angekündigte Spielstrategie nun wirklich so neu? Im Nachwort heisst es dazu: "Spielstrategie bedeutet, die Regeln eines Spiels zu verändern, in dem ich selbst als Mitspieler teilnehme." Diese Definition zwingt denn auch zu einer Abgrenzung gegenüber den Spieltheoretiker mit Nobelpreisen. Und liest man schliesslich die vier Strategien des Autorenduos aufmerksam durch, so ist man mehr oder weniger auf der Schiene, anders zu sein als andere. Das klingt vielleicht allzu negativ, soll aber signalisieren, dass dieses Buches bei mir nicht in den Kategorien Originalität und Neuigkeitswert punktete.
Was mich dazu veranlasst, vier Bewertungssterne zu vergeben, hat andere Gründe. Mir gefällt, wie Buchholz und Wördemann traditionelle Denkschemata in Frage stellen, Aussenseitern eine Bühne geben und rational vorgehenden MBA-Absolventen die Grenzen ihrer Modelle aufzeigen. Da macht es auch wenig, wenn die Autoren selber der Versuchung erliegen, Systeme zu propagieren und der Vernunft zu huldigen. Im Nachhinein basteln sich alle ihre Erfolgsgeschichten zusammen, um den Lorbeerkranz nicht anderen überlassen zu müssen.
Und? Wie lauten nun die vier Spielstrategien? "Neue Massstäbe setzen" - "Strukturen verändern" - "Die Rollen neu verteilen" - "Das Spiel neu erfinden." Solche Ratschläge haben andere auch schon geliefert. Aber nicht so gut verpackt und verkauft wie Andreas Buchholz und Wolfram Wördemann. Dass sie viel von Selbstmarketing und Design von Inhalten verstehen, bewiesen sie schon in früheren Büchern. Die radikale Art, über Wachstum nachzudenken, wie es die Überschrift des ersten Kapitels suggeriert, ist meiner Ansicht nach nicht die Stärke der Autoren. Aber gute Beobachter zu sein, ist auch eine Leistung, die es zu würdigen gilt.
Mein Fazit: Wie man aus Denkblockaden ausbrechen kann, ist bereits in vielen Büchern festgehalten. Auch in diesem. Aber für die Umsetzung einer neuen Strategie muss man eben auch seine Verhaltenmuster ändern. Und wie das zu bewerkstelligen ist, beantworten Buchholz und Wördermann allenfalls in Ansätzen zwischen den Zeilen. Hätten sie sich mit den Spieltheorien auseinandergesetzt, statt sich von ihnen abzugrenzen, wäre Verhalten unweigerlich mehr ins Zentrum gerückt.