Georg Hensels Schauspielführer "Spielplan" ist immer noch das angenehmste Werk dieser Gattung, denn der Autor nimmt mit seinen Einführungen den Leser mit in das Theater und führt ihnen fast lebendige Aufführungen vor Augen. Der ehemalige Theaterkritiker der FAZ informiert nämlich nicht nur über den Inhalt der gefragten Stücke und über die Autoren, er gibt auch eine theaterhistorische Orientierung und, was noch wichtiger ist, Hinweise zur Stilgeschichte, in der die beschriebenen ihren Platz finden. Für die Theaterpraxis wird die Lektüre zum Genuss, weil Hensel nicht nur literaturgeschichtlich beschlagen ist, sondern über hervorragende Kennnisse in der Ausfführungstradition verfügt. So informiert er seinen Leser mit fast beiläufiger Leichtigkeit, über Methoden und stilistische Veränderung, denen die Stücke im Laufe der Rezeptionsgeschichte unterworfen waren. Bei aller Fülle der Information pflegt Hensel allerdings einen vitalen, theatralisch spannenden Stil, der Lust auf Theater weckt. Darum sitzt man mit seinem "Spielplan" in der ersten Reihe.