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Spiele: Roman
 
 
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Spiele: Roman [Gebundene Ausgabe]

Ulrike Draesner
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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 496 Seiten
  • Verlag: Luchterhand Literaturverlag (17. August 2005)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3630872085
  • ISBN-13: 978-3630872087
  • Größe und/oder Gewicht: 21,8 x 14,6 x 4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 3.5 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (6 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 891.523 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Ulrike Draesner
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

"Draesner entwirft ein durchaus eindrucksvolles Panorama, dargeboten in mitunter kraftvoll parataktischen Satzkaskaden. Souverän schaltet sie hin und her zwischen den Zeitebenen, Figuren und Erzählsträngen." (Frankfurter Rundschau )

"Draesners 'Spiele' ist eine imponierend souverän gelegte Roman-Patience." (Frankfurter Allgemeine Zeitung )

"Ein irres Buch. Nach 40 Seiten ist die Leselust auf den Nullpunkt gesunken. […] Wer jetzt abbricht begeht einen Fehler. Das Unerwartete trifft ein: Das Plauderrinnsal verwandelt sich in einen rasanten Erzählstrom. Man legt das Buch jetzt nicht mehr aus der Hand." (Die Zeit )

Kurzbeschreibung

Wie hängt die private Geschichte mit dem Lauf der Welt zusammen?

Katja ist eine erfolgreiche Fotojournalistin: Bilder von privaten Dramen inmitten gesellschaftlicher Umbrüche haben sie berühmt gemacht. Jetzt, nach 20 Jahren des Reisens, ist sie ihres Berufs müde, und sie bemerkt, wie sehr auch ihr eigenes Leben von der großen Geschichte bestimmt wurde: von dem Geiseldrama bei den Olympischen Spielen in München 1972. „Spiele“ entwirft ein großes, hinreißend atmosphärisches Gesellschaftspanorama. Mitten darin und von den weltgeschichtlichen Ereignissen auf verblüffende Weise mitbestimmt: die virtuos erzählte Geschichte einer zarten, verhinderten Liebe.

München 1972 – für die 13jährige Katja eine spannende Zeit: Alles ist neu, die U-Bahn, die fremden Menschen, die vielen Sportübertragungen im geliehenen Fernseher. Und über allem das strahlende Münchner Föhn-Wetter. Doch auf einmal ist alles anders – der Vater hat eine neue Frau, und Max, den sie doch eigentlich so gerne mag, hat sie vor ihren Freunden derart blamiert, dass sie sich bitterlich an ihm rächt. Währenddessen läuft im Fernseher Terror statt Sport: Die Fröhlichkeit der Olympischen Spiele wird zunichte gemacht von einem Ereignis, »das mit seiner ganzen Tragik, seiner Wirrnis und der Unreife die Probleme deutlich gemacht hat, mit denen wir heute leben müssen«. Aber wie hängt die kleine Geschichte mit der großen zusammen? Ist Katja wirklich schuld daran, dass Max sich plötzlich entschließt, zur Polizei zu gehen und in Fürstenfeldbruck beim misslungenen Versuch, die israelischen Geiseln zu befreien, verwundet wird? Und warum spricht die Familie angesichts der Ereignisse im Fernseher plötzlich so viel von der eigenen Herkunft?

Später, als angesehene Fotojournalistin, versucht Katja, die Bilder, das Getuschel und ihre Ängste von damals zu entwirren. Sie stößt auf Schrecken, Dilettantismus, Lügen und Anschuldigungen, auf Ausflüchte, Fehler, Verzweiflung und Trauer. Und ganz allmählich setzt sie aus den kleinen und großen Geheimnissen, die sich so tief in sie hineingegraben haben, das Bild ihres Lebens zusammen: Könnte dies das Gefühl von Heimat sein, das Katja die ganze Zeit über gesucht hat?




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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
9 von 11 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Winfried Stanzick HALL OF FAME REZENSENT TOP 10 REZENSENT
Format:Gebundene Ausgabe
Ich bin durch eine Anzeige auf diese Neuerscheinung aufmerksam geworden. Eine erfolgreiche Fotografin erinnert sich über 30 Jahre später an die Olympischen Spiele in München 1972. Sie spürt ihre ersten, zarten Liebe zu Max nach, der mit knapp 18 Jahren zur Polizei geht und während der Befreiung der Geiseln nach dem Attentat auf die israelische Olympiamannschaft in Fürstenfeldbruck schwer verletzt wird.

Für die erwachsene Katja ist die lange verdrängte Geschichte der Anlaß zu fragen und zu suchen, was damals wirklich geschah: mit ihr, mit ihrer Familie, und mit dem, was sie das ganze Leben nicht mehr loslassen sollte.

"Heemde", jenes Wort, das ihr Großvater immer aussprach in seinem Dialekt, dem ist sie auf der Spur. Heimat, ihre Heimat, die sie verloren hatte all die Jahre ihre beruflich erfolgreichen Lebens.

So sehr mich die Handlung dieses Buches in der Ankündigung angesprochen hat, die Verknüpfung eines historischen Geschehens ( der erste große Anschlag palästinensischer und moslemischer Terroristen auf westlichem Boden in München, der Stadt der "Bewegung", auf Juden) mit einem persönlichen Schicksal , das mit dem anderen Geschehen aber verwebt sein sollte, so sehr hat mich die Umsetzung durch Ulrike Draesner enttäuscht.

Das Buch ist schwer zu lesen, die Dialoge sind kaum als solche erkennbar, sie sind immer wieder direkt vermixt mit Gedanken und einem schnellen Wechsel der Zeitebenen. Der Leser hat große Mühe und muß sich regelrecht durch das Buch quälen.

Schade, denn aus diesem Stoff hätte man mit einer anderen, transparenteren Sprache, die ja nicht weniger anspruchsvoll sein muß, mehr machen können. Deshalb nur drei Punkte.

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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Suche nach der Wahrheit 18. Dezember 2005
Von Carl-heinrich Bock HALL OF FAME REZENSENT TOP 500 REZENSENT VINE™-PRODUKTTESTER
Format:Gebundene Ausgabe
Ulrike Draesner, 1962 in München geboren ist Lyrikerin, Romanautorin, Essayistin. Sie ist mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet worden, u. a. dem Hölderlin Förderpreis. Ihr aktueller Roman heißt „Spiele“ und gemeint sind damit, nicht ausschließlich, aber doch zentral die Olympischen Sommerspiele 1972 in München. Sie sind sicherlich als die unseligsten Spiele der Neuzeit in die Geschichte eingegangen sind, weil dort nämlich am 5. September ein Terrorkommando aus Palästina ins Olympiadorf eindrang und elf israelische Sportler als Geiseln nahm. Bei der Befreiungsaktion in den Morgenstunden des nächsten Tages kamen alle Geiseln und auch die meisten Geiselnehmer ums Leben. Ein wahres Fiasko. In diese große Geschichte bettet die Autorin ihre persönliche Geschichte mit einem atmosphärisch wirkenden Panorama der Gesellschaft ein.

Hauptfigur in dem Roman ist die damals zwölfjährige Katja. Sie erinnert sich daran, welche Veränderungen sich im Vorfeld der Olympischen Spiele in München abspielten. Vieles war neu, die U- Bahn, das Stadtbild wurde durch die Menschen aller Hautfarben bunt, die Ferien wurden verlängert, es herrschte eine Atmosphäre von Jubel, Trubel und Heiterkeit. Die Vorfreude auf die Spiele kannte keine Grenzen.

Doch eigentlich beschäftigte Katja viel mehr eine unselige, unglückliche Pubertätsgeschichte Sie war in Max verliebt, der hatte sie auf schmähliche Weise vor ihren Freunden blamiert. So war die zarte Liebe zerstört worden. Ihr Racheakt schockt Max so sehr, dass er die Schule verlässt und sich bei der Polizei meldet. Und wie es das Schicksal will, bei dem Befreiungseinsatz in Fürstenfeldbruck wird er schwer verletzte.

Die zweite Ebene des Romans spielt dreißig Jahre später. Wir schreiben das Jahr 2002. Katja ist inzwischen einen erfolgreiche Fotojournalistin geworden. Die Geschichte mit Max geht ihr einfach nicht aus dem Kopf. Sie fühlt sich irgendwie mitschuldig an Max seiner Verletzung. Sie will wissen was ist aus ihm geworden und was ist damals eigentlich wirklich passiert.

Bei ihren Ermittlungen stößt sie auf Lügen, Vertuschungen, Unterstellungen, Ängste, Geheimnisse die sich langsam lösen. Es entstehen Gerüchte und es gibt so viele sich widersprechende Aussagen. Doch aus allem setzt sie mehr und mehr ein Puzzle zusammen, erkennt das sind verschiedene Geschichten, die man erzählen kann und aus dieser Mehrdeutigkeit kommt sie auch eigentlich nicht heraus. Jetzt erst zeichnet sich ab, welch ein Drama diese Geiselbefreiung war, wie unvorbereitet Regierung und Polizei waren und wie sehr sie die Situation überforderte. Sie fragt sich immer wieder, wie können sich die große und die kleine Geschichte durchdringen? Können sie sich durchdringen, oder berühren sie sich nur? Ihr wird auch schließlich klar, dieses Attentat von 72, war der Anfang von einem globalisierten Terrorismus, dessen Auswirkungen wir in den letzten Jahren erlebt haben.

Ein fesselnder Gesellschaftsroman und eine Familiensage als Leitmotiv. Das Bauprinzip des Romans sind die sich wechselseitig in ihrem Verhalten beeinflussenden Personen und die Erkenntnis, dass die große Geschichte und Realität, die wir alle immer wieder erleben, sich auch in uns und mit uns vollzieht.

Das Buch hat viele Reflexionsebenen, es arbeitet ausgesprochen atmosphärisch und es stellt feinfühlig die Frage nach Zufall und Schicksal bei gleichzeitiger Findung der Wahrheit.

Ich kann das Buch aus vielerlei Gründen mit Nachdruck empfehlen.

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1 von 1 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Taschenbuch
Der Roman Spiele" von Ulrike Draesner gefällt mir besonders gut, weil er die jüngste deutsche Geschichte im Spiegel des Entwicklungsromans einer Frau nachzeichnet. Harte", ja mörderische historische Fakten werden mit fiktiven persönlichen Gefühlen verbunden: Die 13jährige Katja erlebt ihre erste Liebe, die sie aus freien Stücken verrät, und kurz darauf einen Terroranschlag, in dem ihr Freund verletzt wird. Sie fühlt sich schuldig, wäre er durch ihren Verrat doch gar nicht in diese Lage gekommen. Dreißig Jahre später sind die Wunden immer noch nicht verheilt, und Katja beginnt, ihrem persönlichen und dem allgemeinen deutschen Skandal von damals nachzuspüren.
Bei den Olympischen Spielen von 1972 ging es - ähnlich wie bei der Fußball-WM 2006 - ums Ganze, nämlich um das Image der Bundesrepublik Deutschland, die sich als weltoffen und demokratisch darstellen und endgültig mit der Nazivergangenheit aufräumen wollte. Das Attentat palästinensischer Terroristen auf die israelische Mannschaft beendete abrupt das bunte Fest und endete in einem Blutbad. Bis heute sind Hergang und Hintermänner nicht aufgeklärt, und so deckt Katjas Recherche die abenteuerlichen Widersprüche und brisanten politischen Verstrickungen der deutschen Regierung auf. Diese Verdrängung ist umso erstaunlicher, als das Attentat tatsächlich den Beginn des modernen, globalen Terrorismus von heute markiert, vor dem uns der Innenminister stets warnt: Die Erklärungen und Netzwerke der Täter, die mediale Inszenierung vor den Augen der ganzen Welt, die Schock- und Angstreaktionen der Öffentlichkeit gleichen dem Attentat vom 11. September 2001 in New York bis ins Detail. Offenbar haben wir in 30 Jahren nichts aus der Geschichte gelernt - und unsere Ängste sind heute genauso manipulierbar wie damals.
In Spiele" geht es jedoch angenehmerweise nicht um die Stilisierung heroischer, männlicher" Taten von Terroristen oder Rettern, wie sie in der Rede über die RAF und ihre Gegenspieler häufig auftaucht und zuletzt im Film Munich" von Stephen Spielberg zu sehen war. Ulrike Draesner erzählt von der weiblichen" Alltags- und Beziehungsgeschichte, von einem ganz normalen Mädchen, das in den 70er Jahren in Deutschland aufwächst. Sie stellt die Frage: Wie wirkt sich das historische Geschehen auf die Einzelne(n) aus, was kann er oder sie darin tun? Wo bin ich nur für mein Leben verantwortlich, und wo für das Leben eines anderen?
So gelingt es ihr, im Rückgriff auf die 70er Jahre ein anderes großes Thema aufzugreifen, das heute wieder überall diskutiert wird: Das Trauma der Vertreibung und die Suche nach Heimat. Katjas Großeltern sind im 2. Weltkrieg aus Schlesien geflohen und leben gedanklich noch in der Heemte". Ihr Vater vertritt die Heimatvertriebenen als Anwalt und versucht sich zugleich von diesen Ursprüngen zu lösen. Beim Olympia-Attentat 1972 begegnen den Deutschen in den Terroristen ebenfalls Flüchtlinge, diesmal Palästinenser, und damit die gesamte Nahost-Debatte um Heimat, die man doch so gern verdrängen wollte - erinnert sie doch stets an den Mord an den europäischen Juden.
An dieser Familiengeschichte wird im Kleinen sichtbar, wie stark Fluchten und Wanderungen nach dem Krieg Deutschland geformt und bestimmt haben. Beim Lesen erkennt man vieles wieder und stellt sich die Frage, was sie mit dem heutigen Berufsnomadentum, mit der Entwurzelung der Menschen und der Sehnsucht nach festen Identitäten zu tun haben. Katja, inzwischen über Vierzig und weitgereiste Fotografin, sieht sich in der Fremde mit demselben Problem konfrontiert: Wo, bei wem könnte sie heimisch werden? Ist Heimat mehr als Bürde und alter Schmerz?
Der Roman verbindet viele Ebenen miteinander - persönliche Schuld, staatliches Versagen, historische Fakten, private Erlebnisse. Dies gelingt ihm mit ebenso vielen sprachlichen Ebenen bis hin zu einer stark poetisch verdichteten Sprache, die in wenigen Worten die Einfühlung in die Innenperspektive der verschiedenen Figuren erlaubt. Ein spannendes Buch und eine lohnende Lektüre voller aktueller politischer und persönlicher Fragen.
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