Bei meinem letzten New-York-Aufenthalt empfahl mir eine literarisch versierte Freundin voller Begeisterung einen Roman, der in den Staaten einen Riesenhype erfahren hat (ausnahmsweise mal zu Recht): "Monkeewrench" von P.J. Tracy. Der Name ist ein Pseudonym von zwei Frauen (Mutter und Tochter!), und es ist ihr Debüt. Aber was für eins! Ich habe zwei lange Abende in NY für die Lektüre geopfert (sonst ist da ja nichts los ;-) und bereue keine Sekunde davon.
Die Handlung spielt im verschneiten Minnesota. Fünf Freunde haben mit ihrer Softwarefirma Monkeewrench das Online-Spiel "Serial Killer Detective" entwickelt und als Beta-Version ins Netz gestellt. Was noch harmlos beginnt, entwickelt sich bald zu einem Alptraum, als jemand die Mordszenarien aus dem Spiel in die Wirklichkeit umsetzt. Etwa zur selben Zeit wird im Nachbarstaat Wisconsin ein bigottes altes Ehepaar, das einen privaten Kreuzzug gegen Schwule führt, in einer Kirche erschossen. Diese beiden Handlungsstränge und noch einige mehr werden so kunstvoll und glaubwürdig miteinander verflochten, daß der Spannungsbogen bis zum recht blutigen Ende anhält und man das Buch gar nicht mehr aus der Hand legen mag. Gleichzeitig gelingt den Autorinnen eine atmosphärisch dichte Schilderung des Provinzlebens im nördlichen Mittelwesten, daß ich mich selbst in Manhattan mitten in die Walachei versetzt fühlte.
Damit nicht genug: Dieser Krimi ist nicht nur nahezu perfekt konstruiert, sehr, sehr spannend und ausgezeichnet geschrieben, er führt auch eine Reihe von Protagonisten ein, denen man mit ihrer Lebendigkeit und Eigenwilligkeit gern im nächsten Werk der beiden Frauen wieder begegnen möchte. Und zu guter Letzt: "Monkeewrench" strotzt nur so vor Witz, schwarzem Humor und brillanten Dialogen, wie es Janwillem van de Wetering oder Robert Parker zu ihren besten Zeiten auch nicht besser hingekriegt haben.
Fazit: Mit Sicherheit der beste Krimi, den ich in den letzten zwei Jahren gelesen habe (und das waren einige), und ein erfrischender Non-PC-Ausgleich zu den ganzen drögen Polit-Psycho-Exkursen der hierzulande derzeit so angesagten Grübel-Skandinavier.
Es ist jetzt zwar erst einen Monat her, daß ich "Monkeewrench" gelesen habe, aber sobald sie erschienen ist, werde ich mir noch einmal die deutsche Ausgabe zu Gemüte führen. Der langweilige deutsche Titel klingt zwar etwas nach Groschenroman (was bei Rowohlt-Thrillern ja seltsamerweise eine gewisse Tradition hat), aber ich bin trotzdem gespannt, ob die Übersetzung den Witz und die Originalität des Buches transportieren kann. Zu wünschen wär's ihm, ansonsten empfehle ich vorbehaltlos den Griff zum Original.