"Ich bin kein sehr guter Maler, ich bin ein Dilettant", sagte Hermann Hesse über sich selbst. Der Schriftsteller sah sein nebenberufliches Schaffen durchaus kritisch. Genauso übrigens wie die Feuilletons der damaligen Zeit. "Aber so etwas machen wir schon lange selber", schrieb die Presse im Jahre 1920 über die Bilder einer Hesse-Ausstellung, "oder unsere Sekundärschüler machen es ebenfalls dutzendweise wie dieser Dichtermaler." - Nein, unter Kunstkritikern war Hermann Hesse nicht gerade anerkannt. Aber das wollte er mit seinen Aquarellen und Federzeichnungen auch gar nicht erreichen. Vielmehr diente ihm das Malen als innere Stütze in Zeiten der Not und als Ausgleich zu seinen literarischen Arbeiten. In dem großformatigen Bildband "Hermann Hesse - Spiel mit Farben" hat Hesse-Spezialist und Herausgeber Volker Michels nun eine einmalige Werkschau des Malers und Dichters veröffentlicht.
Die über 200 farbenfrohen Abbildungen des opulenten Bildbandes führen dem Betrachter lebhaft vor Augen, welche Mühe es dem Autodidakten Hermann Hesse gekostet hat, das Malerhandwerk zu erlernen. Obwohl er in regem Austausch mit zahlreichen expressionistischen Künstlern seiner Zeit stand, entwickelte er doch seine ganz eigene Handschrift. Die ersten Anläufe erscheinen noch naiv, doch von Mal zu Mal werden die Bilder sicherer, sprechen dem selbst attestierten Dilettantismus Hohn.
Zahlreiche Gedichte, Zitate aus Briefen und Erzählungen von Hermann Hesse sind immer wieder zwischen die einzelnen Abbildungen eingestreut und legen Zeugnis vom künstlerischen Werdegang des Dichters ab. Informativ und anschaulich ist zudem der Essay, den Herausgeber Volker Michels dem Bildteil vorangestellt hat. Kenntnisreich kommentiert er darin alle Etappen des bildnerischen Schaffens von den Anfängen 1916 bis zum Tod des Schriftstellers.
Der wunderschöne Bildband "Hermann Hesse - Spiel mit Farben" ist ein einzigartiges Lese- und Sehvergnügen, nicht nur für Hesse-Fans!