Da mein Mann , ein ehemaliger Hermann- Lietz- Schüler, mir immer wieder euphorisch von seinem Internatsaufenthalt auf Spiekeroog berichtet und sich demnächst eine Gelegenheit bietet, diese von ihm so geschätzte Insel gemeinsam aufzusuchen, habe ich im Vorfeld dieses informative, reich bebilderte Reisehandbuch gelesen.
Spiekeroog diente in früherer Zeit als Beute-Depot illustrer Piraten. Der Seeräuber Klaus Störtebeker, der nach seinem Ableben kopflos einige seiner " Vitalienbrüder " rettete, hat im Harlinger Land, zu dem diese Insel gehört, einst sein Unwesen getrieben. Das geschah in der so genannten " Häuptlingszeit", in der diverse Lokalfürsten mit dem Hab und Gut ihrer Untertanen auch nicht besonders zimperlich umgegangen sind. Jan Schröter schreibt ausführlich über die Inselhistorie, die seit dem vorvergangenen Jahrhundert auch ein Stück weit Badegeschichte ist. Über die Erfindung des Strandkorbs wird berichtet und über Damen- und Herrenbadestrände in puritanischen Tagen, wo einst die Damen in hochrädrigen Badekarren ins Meer geschoben wurden, um sich auf diese Weise unbeobachtet umziehen zu können, bevor sie - erschöpft durch dieses beschwerliche Prozedere- ins Meer sanken !
Wie gut hat es doch der von steifer Kleiderordnung befreite Tourist heutiger Zeit! Zahlreiche Möglichkeiten bieten sich dem aufgeschlossenen Gast seinen Aufenthalt auf der Insel interessant zu gestalten. Vom Strandlaufen und von Wattwanderungen ist die Rede und von der Wunderwelt, die man im Wattenmeer bestaunen kann. Aufgeklärt wird man hinsichtlich der Gezeiten und lernt Begriffe, wie " Nipptide " und " Tidenhub " inhaltlich kennen. Auch weist der Autor auf meteorologisch wissenwertes hin, erklärt alle Windstärken und zeigt in diesem Zusammenhang, wie lebensnotwenig der Deichbau ist. Da auf der Insel viele Vogelarten brüten, informiert Schröter auch über ornithologische Besonderheiten auf Spiekeroog.
Sonnenbaden, schwimmen, segeln, windsurfen und boßeln ( der ostfriesische Nationalsport, bei dem auf glatter Straße eine Hartholzkugel geworfen wird ) sorgen für die nötige Kurzweil auf dem autofreien Eiland. Zur Enspannung trinkt man immer wieder ein " Koppke" Tee, der mit " Kluntje" und einem " Wulkje" geschmacklich abgerundet wird. Was man unter " Friesenfeuer" und " Bohntjesopp" zu verstehen hat und welche kulinarisch alkoholfreien Spezialitäten auf Spiekeroog angeboten werden, weiß man nach der Lektüre des Buches ebenfalls. Weiterhin erfährt man genaueres über die Insel-Sehenswürdigkeiten, wie der " Alten Inselkirche", dem " Alten Inselhaus " , dem " Muschelmuseum" und der " Museumspferdebahn" . Zu guter Letzt gibt der Autor erhellende Hinweise für mögliche Landgänge. Aurich, Emden, Esens und Greetsiel sollte man besuchen und natürlich Marienhafe. Dorthin hat Störtebeker sich mitunter zurückgezogen, um mehrmals am Tag einen 6- Liter Bierkrug- ohne abzusetzen- zu leeren und von seiner auf Spiekeroog verbuddelten Beute zu träumen...! Wer weiß, vielleicht wird dieser Schatz ja irgendwann von einem sandburgenbauenden Touristen gehoben..!
Empfehlenswert!