Für mich war es die erste literarische Begegnung mit Steam-Punk überhaupt. Und, um gleich etwas vorweg zu nehmen: es hat sich gelohnt!
"Von Feuer und Dampf" ist nicht einfach eine Anthologie verschiedener Autoren zu einem Thema. Man kommt sich beim Lesen in einen dieser Episodenfilme versetzt vor, bei denen am Ende des einen Filmes jemand auftaucht, der dann plötzlich die Hauptperson im nächsten Film ist. Den Autoren ist es gelungen, eine komplette Alternativ-Welt zu schaffen, beherrscht von der Dampfmaschine, die einem überall begegnet: im Automobil, im Zeppelin, in der Würstchenbude, in der Dampfstrahl-Pistole ... einfach überall. Und das zieht sich durch alle Geschichten. Schon an dieser Stelle merkt man: die Autoren haben eine Menge Arbeit investiert, um sich über die Steam-Welt des Jahres 1899 abzustimmen. Und dann wurden vier Handlungsorte geschaffen: Berlin, Wien, Hamburg und München. In jedem dieser Orte spielen drei bis vier Kurzgeschichten. Jede Handlung ist unabhängig von den anderen Geschichten, aber auch hier treten jeweils wieder Rand-Charaktere auf, die dann in anderen Geschichten zu einem eigenständigen Leben erwachen. Auch das zeugt von einer engen Abstimmung der Autoren untereinander. Und das lief nicht nur über die Schiene "He, ich habe da diese Gräfin von Paapen, willst du die auch verwenden?" Nein, die Geschichten zeigen, dass hier ein gerüttelt Maß an Zusammenarbeit, Ideenaustausch und gemeinsam ausgelebter Fantasie vorhanden ist.
Jede einzelne Geschichte liest sich hervorragend und es fiel mir schwer, das Buch aus der Hand zu legen, solange ich die Geschichte nicht zu ende gelesen hatte. Und wenn ich nicht aufgepasst habe, hatte ich bereits die ersten Zeilen der nächsten Geschichte gelesen ... und wie sollte ich dann das Buch weglegen?
Das Buch ist gut verarbeitet und das Cover sehr ansprechend.
Zehmsches Testurteil: uneingeschränkt empfehlenswert!