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Buchnotiz zu : Neue Zürcher Zeitung, 30.12.2003
Paldindrome sind Wortgebilde, die man vorwärts und rückwärts lesen kann, erklärt Martin Zingg die hohe Kunst des Dichtens, für die das Palindrom die Königsdisziplin darstellt. Für den Dichter heißt das, schlussfolgert Zingg, ständig auf der Lauer zu sein und die Sprache auf die Möglichkeit doppelter Lesbarkeit abzuklopfen. Ein Beispiel gibt Zingg auch gleich: "Betone Note B" - das klinge einfach und habe auch immer etwas höchst Rigides, Unumstößliches stellt Zingg fest, da die Spielregel ein starres Gebäude sei. Und doch, meint er, atmeten Bruhins Palindromgedichte trotz des engen Korsetts und setzten manchmal verblüffende Sinneffekte frei. Palindrome wollten nicht mehr bedeuten als sie buchstäblich sagen, freut sich Zingg, darin läge ihr ganzer Charme. Anton Bruhin belässt es nicht bei einfachen Wendegedichten, so der Rezensent erfreut, er experimentiere darüber hinaus mit anderen lyrischen Mitteln, Alliterationen, Anaphern, Reimen, ja sogar mit Metaphern, und werde gegen Ende immer vertrackter und verspielter, wo er über tausend Zeilen von "Purismus mit Sirup" zu einer Palindromsäule auftürme.
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Kurzbeschreibung
Es ist dem Verleger ein besonderes Glück, dieses Buch ankündigen zu können: Während 11 Jahren, zwischen den beiden Palindromjahren 1991 und 2002, hat Anton Bruhin Palindrome geschrieben, deren virtuose Sammlung hier vorliegt: die Palette reicht von würzigen Vierzeilern und stattlichen Vielstrophern bis hin zu seitenlangen Kaskaden und gar einem ganzen Singspiel. Ihr Witz besteht nicht allein darin, dass sie von ihrem Anfang wie von ihrem Ende her gelesen werden können: Ein Hirn, das in Palindromen denkt, dreht definitiv anders. «Anton Bruhin hat nie etwas anderes werden wollen und können als Künstler, und zwar einer, wie er im Bilderbuch steht: ein Eigenbrötler und Tausendsassa, ein Grübler und Bastler. Sein weitgefächertes Schaffen zeigt ihn auf halbem Weg zwischen den Universalisten der Renaissance und ihrem Zerrbild in Flauberts 'Pécuchet'. Bruhin ist ein Besonderling: Dichter und Musiker, Maler und Plastiker in einem, ein Erfinder und Tüftler in seinem Gehäus, verschroben gewiss, von seiner Arbeit besessen, dabei sonderbar glücklich: einer, der mit keiner Konvention und Mode geht, sondern alles selber bedenkt und in die Hand nimmt. Aus jedem Ding blickt ihm eine Idee oder ein wunderliches Gesicht entgegen. Die ganze Welt wird dem beharrlichen Träumer zur Werkstatt.» (Manfred Papst, Neue Zürcher Zeitung)