"Es siegte die Stärke, und krönet zum Lohn die Schönheit und Weisheit mit ewiger Kron'."
(Schlussworte in der Oper "Die Zauberflöte")
Der pathetische Buchtitel "Der Sonnenkreis" bringt den mythisch-mystischen Inhalt der Oper "Die Zauberflöte" auf den Punkt und ist daher passender als derjenige der ersten Veröffentlichung "Mozartzauber" (2001). Gelungen ist auch das "kopflose" Buchcover, auch wenn sich seine Bedeutung erst am Ende des Romans offenbart..........
Die erfolgreiche Sopranistin Pamela Morton soll im Wien der Gegenwart bei einer Inszenierung der Oper "Die Zauberflöte" die Pamina geben. Nachdem sie bei einer Probe das Bewusstsein verloren hat, wacht sie als die Putzmacherin Luise Heusler im Wien des Jahres 1791 auf und wird gleich Zeugin eines Mordes. Zur Therapie ihrer "Verwirrung" begibt sie sich in die Behandlung von Dr. Anton Mesmer. Der von ihm begründete Mesmerismus, geht von einem "animalischen Magnetismus" aus, wonach ein universelles Fluidum das All und alle Organismen durchflutet und jede Krankheit die Folge der Disharmonie im Fluss jenes Fluidums sei. Nachdem sie im Volkspark Prater dem ersten professionellen Ballonfahrer Jean-Pierre Blanchard mit seiner "Charlière" zusehen konnte, macht sie Bekanntschaft mit den Schöpfern "Der Zauberflöte", dem Multitalent (Schauspieler, Sänger, Regisseur, Dichter Theaterdirektor) Emanuel Schickender und dessen Logenbruder, den genialen Komponisten Wolfgang Amadeus Mozart. Dann geschieht ein weiterer Mord.... und die Uraufführung des Singspiels "Die Zauberflöte" am 30.09.1971 im Freihaustheater Schickeneder's, an dem sich eine uralte Prophezeiung erfüllen soll, rückt näher.........
Jörg Kastner ist mit seinem Roman eine Synthese aus historischem Roman, Krimi und phantastischem Zeitreise- /Mystikthriller gelungen. Neben altpersischem Dualismus vom ewigen Kampf der Mächte des Lichts gegen jene der Finsternis und fernöstlichem Yin und Yang, ist auch der Roman vom ägyptischen Isis-Osiris-Mythos durchdrungen. Dort finden auch die Gestalten der Oper ihr jeweiliges Äquivalent. Die Trinitätssymbolik des "Singspiels" fand jedoch leider keinen Eingang in den Roman. Dafür gibt es interessante Namensallegorien, z. B. "Angelo Soliman". Beim Kampf der Mächte um Sarastro's (Zarathustra's) Sonnenkreis, der seinem Besitzer Macht über die 4. Dimension (die Zeit) verleiht, ist die Musik das Medium, das der Synästhetikerin "Pamela/Pamina" die Schlüsselrolle verleiht ....
Zur zeitgenossischen Kritik an Jean Jaques Rousseau im Roman ist anzumerken, dass sie in dieser Form ein halbes Jahrhundert zu früh kommt, da sich Clubs und Zirkel der Frauenrechtsbewegung erst um 1848 konstituieren sollten. Am Ende der Handlung um das freimaurerische Vermächtnis (Humanität, Läuterung des Menschen, Wohltätigkeit zugunsten aller Menschen und gleiche Erziehung ohne Unterschiede) Mozart's und Schickeneder's, schliesst sich der Kreis auf vielfache Weise. Eine, an den mit vielen historischen Hinweisen gespickten Roman angehängte Zeittafel der Ereignisse des Jahres 1791 (z. B. Französische Revolution, Reformen Kaiser Joseph's II. etc.) rundet das Bild ab. Der spannende und interessante Roman kann nicht nur Mozart- und Kastnerfans empfohlen werden und ist mit 4 Amazonsternen zu bewerten.