Ich habe mir die Novelle bestellt, nachdem ich Walter Moers' "Schrecksenmeister" gelesen hatte, und ich muss sagen, die Lektüre von Gottfried Kellers Vorlage hat den Lesespass noch einmal verdoppelt.
Der Schrecksenmeister ist eine Nachdichtung, die tatsächlich fast alles von Kellers Vorlage übernimmt, allerdings, wie es sich für Novellen gehört, sehr kompakt und ohne große Abschweifungen geschrieben ist. Wer (wie ich) zunächst den Schrecksenmeister gelesen hat, ist verblüfft, wie viele Elemente des Romans schon hier zu finden sind.
Die Handlungsidee ist außerordentlich originell und dramaturgisch meisterhaft ausgeführt. Die Schlusspointe ist bei Keller sogar noch besser als bei Moers! Die Sprache ist an manchen Stellen auf charmante Weise altmodisch und führt dazu, dass man alte Wörter nicht so schnell vergisst (das gilt z.B. für das Wort "Schmer", das wir heute eigentlich nur noch vom "Schmerbauch" und vom "schmieren" her kennen).
Gut gefallen haben mir auch Druck und Aufmachung dieser Ausgabe: Gutes Papier, klarer Druck, fester Einband und zwei alte Kupferstiche als Illustrationen.