Science Fiction?
Unendliche Weiten...?
Raumschiffe?
...
Mitnichten! Herbert W. Franke vermeidet in „Sphinx_2" geschickt die Darstellung irgendwelcher SF-Klischees. Im Gegenteil: Er stellt unsere Welt so dar, wie sie in wahrscheinlich nicht mehr allzu ferner Zeit aussehen könnte, wenn die momentane Entwicklung bei uns so weitergeht. Und genau dies ist das erschreckende an seinem Roman. Die gesamte Entwicklung der Welt und die Trennung zwischen Arm und Reich ist detailliert dargestellt und absolut glaubwürdig.
Es wird die Geschichte eines Wissenschaftlers und seines Klons erzählt - dies jeweils beinahe abwechselnd aus der jeweiligen Sicht der Person. Hinzu kommen die Probleme zwischen den reichen Menschen in ihren Kuppelstädten und den Armen, die außerhalb der abgeschlossenen Bereiche leben. Diese Probleme mit dazugehörigen Kriegsgefahren und dem Terrorismus weisen sehr viele Parallelen zu unserer heutigen Zeit auf und machen diesen Thriller somit umso erschreckender.
Herbert W. Franke baut beinahe gemütlich eine Spannung auf, die sehr stark wird und zum Weiterlesen zwingt. Alles ist sehr interessant und nachvollziehbar dargestellt und lässt durch die dezenten SF-Einflüsse auch des öfteren vergessen, das man sich eigentlich in der Zukunft befindet - Ich könnte mir vorstellen, daß sich einige Entwicklungen bereits in der Herstellung befinden (man denke nur an das Klonen...). Dadurch stellt man sich bei dieser Geschichte natürlich auch die Frage, ob man diese Entwicklungen positiv findet, bzw. noch erleben möchte.
Die philosophischen Einflüsse des Autors werden sehr stark wahrgenommen und hinterlassen einen sehr nachdenklichen Eindruck, was bei einer Geschichte dieser Art sicherlich auch Absicht des Schriftstellers sein sollte und wohl auch ist.
„Sphinx_2" ist somit ein nachdenklich stimmender, spannender Thriller, der jedoch durch die Schublade „Science Fiction" viele potenzielle Leser abschrecken wird - obwohl er mit Sicherheit mehr Klientel verdient hätte und nicht als SF-Roman wahrgenommen wird.
Ich persönlich habe schon lange nicht mehr so schnell einen Roman abgeschlossen und danke dem Autor sehr herzlich für diese schlaflose Nacht meines Lebens - und kann dieses Buch jedem ohne Gewissensbisse ans Herz legen...