Bei einem Besuch in der Benediktinerabtei in Ottobeuren 1976 hat sich Keith Jarrett offenbar so sehr in die dortige monumentale barocke Kirchenorgel verguckt, dass er beschlossen hat, auf diesem Instrument die Kunst der freien Improvisation zu versuchen, die er auf dem Flügel so fabelhaft beherrscht. Entstanden ist dabei die 1979 erschienene Doppel-LP "Hymns/Spheres". Als CD ist unter dem Titel "Spheres" lediglich ein Ausschnitt veröffentlicht worden mit vier Stücken von ursprünglich elf auf der LP.
Aber diese Stücke überzeugen nicht. Es sind in der Tat sphärische Klänge, die Jarrett der Orgel entlockt, und man kann sich sicherlich in eine Situation hineindenken, in der solche Musik passen mag (Dunkelheit, Kerzenschimmer, Rotwein...), aber letztlich geht, mir zumindest, die Musik über längere Zeit etwas auf die Nerven.
Jarrett und die Kirchenorgel, das passt einfach nicht zusammen. Vielleicht ist das Instrument zu sperrig für Jarretts oft impulsives und expressives, dann wieder filigranes und sanftes Spiel, das er am Klavier so unnachahmlich beherrscht. Hier scheint es eher so zu sein, dass die Kirchenorgel ihrerseits Jarrett die Grenzen aufzeigt und ihn in ein enges musikalisches Korsett zwingt. Das wohl beste Stück der LP-Veröffentlichung, "Hymn of Remembrance", ist zumindest auf dem "rarum"-Sampler enthalten; die "Spheres"-Stücke sind dagegen wohl nur etwas für ganz unkritische Jarrett-Jünger oder Fans experimenteller Musik.