Nicht nur den ersten Band einer neuen Trilogie stellt der russischstämmige Autor und Anglist Timothy McNeal mit "LakeLand" vor, sondern dazu gleich noch ein ganz neues Genre: Science Fantasy.
So sehr man sich zunächst fragt, was das sein mag, so sinnig wirkt die eigenwillige Klassifizierung nach der Lektüre des Bandes. Hier werden modernste Inhalte und Ausdrucksmittel, beide üblicherweise eher der SF vorbehalten, mit Storyelementen verwoben, die mit Weltraumgeschichten alter Schule herzlich wenig gemein haben, sich dafür genüsslich aus den Regalen und Mitteln der phantastischen Literatur bedienen. Wie schon in seinen früheren Bänden scheut McNeal auch diesmal nicht vor Cut-up-Techniken, Zitaten, Abkürzungen, eigenwilligen Wortkreationen, fremdsprachigen Termini und einem stellenweise radikal verdichteten Stil zurück; wie üblich erwählt er sich mit aktuellen Forschungsergebnissen aus dem Bereich der Astrophysik (Phasensprünge) eine herrlich intellektuelle, zugleich höchst spannungsförderliche Spielwiese; und wie üblich dreht sich unterm Strich wieder alles um die eine, die große Frage des Menschseins: Wo kommen wir her, wo gehen wir hin?
Natürlich beantwortet "LakeLand" diese Frage nicht wirklich - wie auch, es handelt sich ja um den ersten Band einer Trilogie! Und so ist es gerade, wenn's am schönsten ist, wenn man sich auf Stil und Humor des Autors eingelassen hat und wissen will, wie's weitergeht, auch schon viel zu schnell alles wieder vorbei (zumindest vorläufig; der zweite Band ist glücklicherweise schon angekündigt).
Ein Werk, das mich von Machart und intellektuellem Anspruch stellenweise an die legendäre "Illuminatus"-Trilogie des Autorenduos Wilson/Shea erinnert, das in SF-Kreisen (zumindest solchen, wo nicht andauernd mit Warp 7 geflogen und mit Phasern geballert wird) seit Jahrzehnten Kultstatus genießt. Ich jedenfalls würde es McNeal von Herzen gönnen, wenn er in den kommenden Jahren einen ähnlichen Stellenwert einnähme - zumindest innerhalb der deutschsprachigen Literatur, wo es etwas Vergleichbares ganz sicher noch nicht gegeben hat.
Fünf Sterne für ein Buch, das nicht dafür sorgt, dass man sein Hirn für einige Stunden aus-, sondern dass man es einschaltet. Ich war selten so gespannt auf eine Fortsetzung!
PS: Zum ersten Mal gibt es ein Buch dieses Autors auch als Hörbuch zum Download! Einfach mal googeln ...