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Mit ihrem ambitionierten, mehrfach preisgekrönten Debüt hat Mary Doria Russell schon in den USA für gehöriges Aufsehen gesorgt. Auch hier werden viele dieses Buch lieben, manche werden es verabscheuen, aber kaum jemand wird diese tour de force durch die Seele eines Menschen ungerührt beiseite legen.
Vieles erscheint seltsam naiv -- die Reise in einem Meteoriten nach Alpha Centauri in naher Zukunft; die Forschungsmission der zusammengewürfelten Truppe, die eher an einen Sonntagsspaziergang in einem neuentdeckten Paradies erinnert; die menschenähnlichen Aliens -- ganz offensichtlich sind es allein die Menschen, die Russell interessieren. Die allerdings sind so echt wie gute Bekannte, und erzählen durch die eingestreuten Einblicke aus ihrem Leben so viel von unserer Welt, der Bandbreite des menschlichen Miteinanders und der Suche nach einem höheren Sinn, dass die Geschichte von der Fahrt zu den Aliens allein deswegen lesenswert ist.
Aber Russell bietet noch mehr. Während des immer wieder von Anfällen unterbrochenen Berichtes des Paters Sandoz baut sich eine schier unerträgliche Spannung auf: Wie konnten diese durch und durch liebenswerten und intelligenten Menschen voll guter Absichten am Ende ein solches Desaster erleiden? Worin bestand das grundlegende Missverständnis zwischen Mensch und Alien? Russell erzählt von Menschen, die unterschiedlicher nicht sein könnten, die sich aber trotzdem kennen und lieben lernen. Und die am Ende doch an ihrer Unfähigkeit scheitern, das Unvorstellbare zu erwarten. --Birgit Will
Stilistisch gesehen forderte das Buch auf den ersten 200 Seiten von mir einiges an Konzentration, denn es handelt - meist kapitelweise abwechselnd - in der Gegenwart nach der Expedition, erklärt aber in einem zweiten Handlungsstrang auch das Zusammenkommen der Expeditionsgruppe und deren Reise. Die vielen Namen, außerdem die mir bisher unbekannte Struktur innerhalb eines Jesuitenordens trugen dazu bei, dass mir zunächst ein wenig der Überblick fehlte. Nach und nach legte sich meine Verwirrung und ich konnte restlos eintauchen in eine spannende, teilweise fröhliche, aber auch bedrückende Geschichte.
Bedrückend vor allem, weil von Anfang an klar ist, dass nur ein einziger von der Expedition zu der außerirdischen Zivilisation zurück kehrt. Und weil Russell wirklich viel Zeit dafür aufbringt, die meisten der teilnehmenden Personen genau vorzustellen und sie mir äußerst sympathisch erscheinen zu lassen. Glücklicherweise tut sie dies auf unterhaltsame Art, die stets vom intelligenten Humor der Protagonisten dominiert wurde, so dass keine Langeweile aufkam.
Am Ende des Buches angekommen, ließen mich einige Dinge verwirrt (mir erschließt sich zum Beispiel die Titelgebung nicht vollständig) und nachdenklich (Thema geistige Prostitution oder die Gesellschaft auf Rakhat) zurück. Auch das großzügig behandelte Thema der Linguistik und Spracherlernung hat mir in seiner schlüssigen Aufbereitung gut gefallen. Abschließend kann ich sagen, dass ich "Sperling" jedem nur empfehlen kann, der auch mit Büchern ohne große "Action" etwas anfangen kann, sich für Geschichten, die vor allem von ihren Charakteren leben, interessiert und nebenbei auch noch offen ist für ungewöhnliche Ideen und Konzeptionen.
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