"Erben der Finsternis" habe ich als etwas weniger mitreißend als den Auftakt dieser Reihe empfunden. Zwar war ich den Charakteren schon nach wenigen Seiten wieder nah, auch neuen Gefährten wie dem faszinierenden Dracon Craig Un'Shallach, und auf Eo fand ich mich, auch Dank der Landkarte vorn im Buch, schnell wieder zurecht.
Die Protagonisten durften ihre Ecken und Kanten beibehalten, und ihr Gefühlsleben wird weiterhin anschaulich und facettenreich beschrieben, was viel zu der Lebendigkeit der Geschichte beiträgt. Und doch sind es gerade einige zwischenmenschliche Probleme, die meinen Lesefluss störten. Das emotionale "Gerangel" zwischen Goren und Sternglanz, das beide bis zum Ende weder näher zueinander bringt noch entzweit, war mir persönlich zu zäh. Da hätte ich mir einfach mehr oder eben gar keine Entwicklung gewünscht.
Gefallen hat mir, dass dieser Band fast nahtlos an den Vorgänger anschließt und Gorens scheinbar vom Schicksal vorgegebener Weg weiter verfolgt wird. Durch die zunächst freiwillige, später notwendige Trennung der Freunde und durch die Umgestaltung der Gruppendynamik, auch und besonders durch Craigs Auftauchen, ist es von Anfang an spannend. Mehrere Handlungsstränge unterstützen das und man fiebert an vielen Stellen mit.
Insgesamt tut sich aber gar nicht so viel. Zwar kann Goren einen weiteren Erfolg für sich verbuchen und auch auf dunkler Seite gibt es Fortschritte, doch man merkt deutlich, dass hier schon die Einleitung zum großen Finale gestaltet wurde, wo es um nichts anderes gehen wird als die Rettung der Welt. Dann endlich wird Goren auch wieder auf seinen verhassten Vater treffen, der in "Erben der Finsternis" zwar eine wichtige Rolle spielt, seinem Sohn aber nicht begegnet.
Nichtsdestotrotz liest sich das Buch fast von selbst und viel zu schnell ist das Ende erreicht. Wer sich gern in fantastische Welten entführen lässt, liegt mit Uschi Zietschs Geschichten absolut richtig.