Pressestimmen
"Sie kennen Sergej Lukianenko nicht? Dann sollten Sie ihn kennenlernen! Er ist einer der populärsten russischen Autoren der Gegenwart. Und einer der besten!" New York Times
Kurzbeschreibung
Als die Menschen eines Tages ein von Außerirdischen installiertes Teleportationssystem entdecken, beginnt für Privatdetektiv Martin Dugin das Abenteuer seines Lebens: Denn dieses System ermöglicht es, in Sekunden die Abgründe zwischen den Planeten der Galaxis zu überwinden. Eine perfekte Möglichkeit also für jene, die den Zuständen auf der Erde entfliehen wollen - aus welchen Gründen auch immer ...
Klappentext
"Sie kennen Sergej Lukianenko nicht? Dann sollten Sie ihn kennenlernen! Er ist einer der populärsten russischen Autoren der Gegenwart. Und einer der besten!"
New York Times
New York Times
"Düster und kraftvoll - der Russe Sergej Lukianenko ist der neue Star der phantastischen Literatur!"
Frankfurter Rundschau
Über den Autor
Sergej Lukianenko, 1968 in Kasachstan geboren, studierte in Alma-Ata Medizin, war als Psychiater tätig und lebt nun als freier Schriftsteller in Moskau. Er ist der populärste russische Fantasy- und Science Fiction-Autor der Gegenwart, seine Romane und Erzählungen wurden mehrfach preisgekrönt. Gemeinsam mit Regisseur Timur Bekmambetov schrieb Lukianenko auch das Drehbuch für die Verfilmung von "Wächter der Nacht".
Leseprobe. Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Rechteinhaber. Alle Rechte vorbehalten.
Prolog
Jeder empfindet seit den Tagen Alexander Sergejewitsch Puschkins den Besuch bei seinen alten Verwandten nicht nur als eine unerlässliche Pflicht, sondern sieht darin auch ein Gebot für einen wohlerzogenen Menschen, und Martin hegte nicht die Absicht, selbiges zu ignorieren. Indes bewegte ihn nicht allein Höflichkeit, nein, er freute sich aufrichtig darauf, seinen Onkel wiederzusehen, mit ihm in der Küche bei einer Tasse Kaffee zusammenzusitzen und über ein belangloses, unwichtiges Thema zu plaudern oder – ganz im Gegenteil – mit ihm jene philosophischen Probleme zu erörtern, deren Lösung die Menschheit bislang noch nicht zu finden vermocht hatte. Zudem bestachen diese regelmäßigen Besuche durch eine weitere kleine menschliche Freude: Inzwischen sprach man Martin bei manch geselligem Beisammensein mit dem Vatersnamen an, was ihm gründlich zuwider war. Wie sollte sich ein Russe aber auch für eine dermaßen unglückliche Kombination wie Martin Igorjewitsch erwärmen können? Sein Onkel hingegen nannte ihn nie beim Vatersnamen und beabsichtigte dies gewiss auch in Zukunft nicht zu tun. In gehobener Stimmung nannte er Martin liebevoll Mart, in schlechter – die bei ihm freilich nur selten anzutreffen war – griff er gallig zu Eden. Vor gut dreißig Jahren musste es zwischen dem Onkel und dem Vater Martins einen erbitterten Familienzwist um den Vornamen gegeben haben. Der Onkel selbst, obzwar ein eingefleischter Junggeselle, der auf alle Fragen nach Kindern barsch »Da versteh ich nichts von« antwortete, hielt es für geboten, allumfassend am Leben seines Lieblingsneffen teilzuhaben. Auf diesem Schlachtfeld hatte er letzten Endes nur einen Kampf verloren, nämlich den um den Namen. In allen übrigen Fragen vermochte er sich durchzusetzen. Mitunter fühlte Martin sich ihm deswegen von ganzem Herzen zu Dank verpflichtet, zum Beispiel, wenn er daran dachte, wie der Onkel sämtliche Pläne durchkreuzt hatte, ihn von klein auf Klavierstunden nehmen zu lassen, oder wie er für ihn eine Lanze gebrochen hatte, damit seine Eltern einem mehrtägigen Ausflug oder einem Trip per Anhalter mit Freunden nach Petersburg zustimmten. Alle Versuche seitens seiner Eltern, einen Disput vom Zaun zu brechen, hatte der Onkel mit einem finsteren Blick und der Frage quittiert: »Wollt ihr einen Mann oder einen Schlagersänger aus ihm machen?« Schlager verachtete sein Onkel abgrundtief, von allen Sängern ließ er einzig Kobson und Leontjew gelten, und auch die nur mit dem entschuldigenden Zusatz: »Wegen der Stimme und des Charakters.«
Bei aller Strenge des Charakters ließ der Onkel jedoch auch kleine menschliche Schwächen erkennen, welche insbesondere in den letzten zehn Jahren, da auf der gesamten Erde das Leben Kapriolen schlug, ins Auge sprangen. In ihm erwachten bislang schlummernde kulinarische Neigungen, und während er zuvor eine ganze Woche von Rührei und billigem Bier leben konnte, brachte er nunmehr halbe Tage am Herd zu, und abends lud er sich Freunde ein oder ging selbst zu Freunden. Martin genoss diese Schwäche, aufgrund derer sich die Besuche noch angenehmer gestalteten. Für den heutigen Abend suchte Martin, nachdem er seinen Onkel angerufen und in Erfahrung gebracht hatte, dass dieser zum Abendessen eine Ente Vajdahunyad auftische, ein Geschäft nahe der Metro auf, um dort kritisch den Wein auszuwählen. Selbstverständlich musste zu diesem Mahl ungarischer Rebensaft kredenzt werden. Mochten Ästheten und Patrioten spöttisch lächeln, sobald sie etwas von »ungarischem Wein« hörten, mochten die einen auf den süßlichen Sauternes und den herben Wein aus Tavel schwören, die anderen darüber streiten, wie viele Puttonyos aus Tokaj im Wein aus Massandra oder im ungarischen Tokajer verarbeitet waren. Martin hingegen vertrat seit geraumer Zeit die Überzeugung, jedes Essen verlange nach einem speziellen, der Geographie und Geschichte geschuldetem Akkompagnement. Zu Kartoffeln und leicht gesalzenen Heringen kann man sich nichts Besseres als russischen Wodka einfallen lassen, zu Basturma, diesen pikanten Fleischspießen, passt vollmundiger armenischer Kognak (obgleich die großherzige kaukasische Seele auch Wodka dazu gestattet), zarte Austern komplementiert leichter, gekühlter Weißwein aus Frankreich, zu fettigen und schwer im Magen liegenden Würstchen gehört tschechisches oder bayerisches Bier.
Insofern schwankte Martin bei der Wahl des Weins nicht. Er stellte sich in der kleinen Schlange an – vor ihm palaverten nur zwei nörgelige Rentnerinnen, die umständlich ein Stückchen spanischen Jamóns auswählten, »möglichst kräftigen«, und es geschnitten haben wollten, und zwar recht dünn – und wandte sich dann an die junge, müde Verkäuferin. Er kaufte je eine Flasche Weißwein vom Balaton und Rotwein aus Eger und plauderte, da hinter ihm niemand drängte, ein Weilchen mit der Frau. Sie machte einen netten und klugen Eindruck, studierte und jobbte abends in diesem Geschäft, damit sie im Sommer eine Reise durch Europa machen konnte. Binnen einer Minute erfasste Martin mit untrüglichem Instinkt, dass die junge Frau sich zwar angeregt mit ihm unterhielt, auch an einer Fortsetzung des Gesprächs Gefallen fände, an einer weiteren Bekanntschaft jedoch nicht interessiert war, da sie bereits einen trefflichen und treuen Freund hatte. Somit blieb ihm nichts anderes übrig, als ihr einen Gruß zu entbieten und zu gehen, leise mit den Flaschen klirrend, die in Wellpappe eingeschlagen waren und in einer soliden Plastiktüte steckten.
Draußen war es angenehm. Über Moskau hatte sich der Abend gelegt, der erste richtige laue Sommerabend nach einem langen kühlen Winter. Dass es sich obendrein um einen Freitagabend handelte, steigerte sein Wohlbefinden zusätzlich. Der Strom der Autos, in denen die der Datscha entgegenfiebernden Stadtbewohner saßen, war verebbt. Stille senkte sich herab. Einige Jugendliche, übers Wochenende in der Stadt geblieben, sausten mit ihren Rollern über die Gehsteige, im Park an der Metro baute gerade eine kleine Jazzband ihre Instrumente auf, während die ersten Rentner bereits auf den Bänken Platz nahmen, um der Musik zu lauschen, einen kleinen Schwatz zu halten und zu tanzen. Das alte achtstöckige Haus, in dem Martins Onkel wohnte, lag in der Nähe, weshalb Martin nicht den Fußweg zu nehmen brauchte, sondern quer durch den alten verwilderten Garten schlendern konnte. Beinah hätte er dabei ein verliebtes Pärchen aufgeschreckt, das sich auf einer Bank umarmte. Zum Glück hörte er das heiße Flüstern jedoch noch rechtzeitig, um sodann mucksmäuschenstill an ihnen vorbei zu schleichen, die Tüte mit den Flaschen an sich gepresst, damit sie nicht schepperten.
Punktgenau zur vereinbarten Zeit traf Martin ein. Sein Onkel öffnete ihm die Tür mit wenigen brummigen Lauten, die als Begrüßung herhalten mussten, und stürzte wieder in die Küche, um die Ente aus dem Ofen zu nehmen. In treuer Gewohnheit schlüpfte Martin in die Gästepantoffeln in Einheitsgröße und ging ins Wohnzimmer. Sein Onkel lebte in aller Bescheidenheit in einer winzigen Zweizimmerwohnung, trug sich jedoch nicht mit Umzugsplänen, was er damit begründete, dass es mit seinen siebenundsechzig Jahren noch zu früh sei, um an den Friedhof zu denken, aber schon zu spät, um ein neues Heim zu suchen. Im Schlafzimmer, das auch als Arbeitszimmer diente, reihten sich entlang der Wände uralte Bücherregale, in denen sich nicht minder alte Bücher fanden, wohingegen das Wohnzimmer modern daherkam, stellenweise sogar mit einem modischen High-Tech-Stil aufwartete, mit zahlreichen Regalen aus vernickelten Röhren und Panzerglas, einer raffinierten Apparatur, die Bilder und Töne produzierte, sowie den Effektheischenden französischen Waterfall-Standlautsprechern aus Glas, die Experten wegen des Fehlens von Nebengeräuschen im Gehäuse schätzten. Während Martin auf seinen Onkel wartete, stöberte er in den CDs, wählte Beethoven in der Interpretation von Emil Gilels, legte das Jackett ab und machte es sich am Tisch bequem.
Sein Onkel ließ...
Jeder empfindet seit den Tagen Alexander Sergejewitsch Puschkins den Besuch bei seinen alten Verwandten nicht nur als eine unerlässliche Pflicht, sondern sieht darin auch ein Gebot für einen wohlerzogenen Menschen, und Martin hegte nicht die Absicht, selbiges zu ignorieren. Indes bewegte ihn nicht allein Höflichkeit, nein, er freute sich aufrichtig darauf, seinen Onkel wiederzusehen, mit ihm in der Küche bei einer Tasse Kaffee zusammenzusitzen und über ein belangloses, unwichtiges Thema zu plaudern oder – ganz im Gegenteil – mit ihm jene philosophischen Probleme zu erörtern, deren Lösung die Menschheit bislang noch nicht zu finden vermocht hatte. Zudem bestachen diese regelmäßigen Besuche durch eine weitere kleine menschliche Freude: Inzwischen sprach man Martin bei manch geselligem Beisammensein mit dem Vatersnamen an, was ihm gründlich zuwider war. Wie sollte sich ein Russe aber auch für eine dermaßen unglückliche Kombination wie Martin Igorjewitsch erwärmen können? Sein Onkel hingegen nannte ihn nie beim Vatersnamen und beabsichtigte dies gewiss auch in Zukunft nicht zu tun. In gehobener Stimmung nannte er Martin liebevoll Mart, in schlechter – die bei ihm freilich nur selten anzutreffen war – griff er gallig zu Eden. Vor gut dreißig Jahren musste es zwischen dem Onkel und dem Vater Martins einen erbitterten Familienzwist um den Vornamen gegeben haben. Der Onkel selbst, obzwar ein eingefleischter Junggeselle, der auf alle Fragen nach Kindern barsch »Da versteh ich nichts von« antwortete, hielt es für geboten, allumfassend am Leben seines Lieblingsneffen teilzuhaben. Auf diesem Schlachtfeld hatte er letzten Endes nur einen Kampf verloren, nämlich den um den Namen. In allen übrigen Fragen vermochte er sich durchzusetzen. Mitunter fühlte Martin sich ihm deswegen von ganzem Herzen zu Dank verpflichtet, zum Beispiel, wenn er daran dachte, wie der Onkel sämtliche Pläne durchkreuzt hatte, ihn von klein auf Klavierstunden nehmen zu lassen, oder wie er für ihn eine Lanze gebrochen hatte, damit seine Eltern einem mehrtägigen Ausflug oder einem Trip per Anhalter mit Freunden nach Petersburg zustimmten. Alle Versuche seitens seiner Eltern, einen Disput vom Zaun zu brechen, hatte der Onkel mit einem finsteren Blick und der Frage quittiert: »Wollt ihr einen Mann oder einen Schlagersänger aus ihm machen?« Schlager verachtete sein Onkel abgrundtief, von allen Sängern ließ er einzig Kobson und Leontjew gelten, und auch die nur mit dem entschuldigenden Zusatz: »Wegen der Stimme und des Charakters.«
Bei aller Strenge des Charakters ließ der Onkel jedoch auch kleine menschliche Schwächen erkennen, welche insbesondere in den letzten zehn Jahren, da auf der gesamten Erde das Leben Kapriolen schlug, ins Auge sprangen. In ihm erwachten bislang schlummernde kulinarische Neigungen, und während er zuvor eine ganze Woche von Rührei und billigem Bier leben konnte, brachte er nunmehr halbe Tage am Herd zu, und abends lud er sich Freunde ein oder ging selbst zu Freunden. Martin genoss diese Schwäche, aufgrund derer sich die Besuche noch angenehmer gestalteten. Für den heutigen Abend suchte Martin, nachdem er seinen Onkel angerufen und in Erfahrung gebracht hatte, dass dieser zum Abendessen eine Ente Vajdahunyad auftische, ein Geschäft nahe der Metro auf, um dort kritisch den Wein auszuwählen. Selbstverständlich musste zu diesem Mahl ungarischer Rebensaft kredenzt werden. Mochten Ästheten und Patrioten spöttisch lächeln, sobald sie etwas von »ungarischem Wein« hörten, mochten die einen auf den süßlichen Sauternes und den herben Wein aus Tavel schwören, die anderen darüber streiten, wie viele Puttonyos aus Tokaj im Wein aus Massandra oder im ungarischen Tokajer verarbeitet waren. Martin hingegen vertrat seit geraumer Zeit die Überzeugung, jedes Essen verlange nach einem speziellen, der Geographie und Geschichte geschuldetem Akkompagnement. Zu Kartoffeln und leicht gesalzenen Heringen kann man sich nichts Besseres als russischen Wodka einfallen lassen, zu Basturma, diesen pikanten Fleischspießen, passt vollmundiger armenischer Kognak (obgleich die großherzige kaukasische Seele auch Wodka dazu gestattet), zarte Austern komplementiert leichter, gekühlter Weißwein aus Frankreich, zu fettigen und schwer im Magen liegenden Würstchen gehört tschechisches oder bayerisches Bier.
Insofern schwankte Martin bei der Wahl des Weins nicht. Er stellte sich in der kleinen Schlange an – vor ihm palaverten nur zwei nörgelige Rentnerinnen, die umständlich ein Stückchen spanischen Jamóns auswählten, »möglichst kräftigen«, und es geschnitten haben wollten, und zwar recht dünn – und wandte sich dann an die junge, müde Verkäuferin. Er kaufte je eine Flasche Weißwein vom Balaton und Rotwein aus Eger und plauderte, da hinter ihm niemand drängte, ein Weilchen mit der Frau. Sie machte einen netten und klugen Eindruck, studierte und jobbte abends in diesem Geschäft, damit sie im Sommer eine Reise durch Europa machen konnte. Binnen einer Minute erfasste Martin mit untrüglichem Instinkt, dass die junge Frau sich zwar angeregt mit ihm unterhielt, auch an einer Fortsetzung des Gesprächs Gefallen fände, an einer weiteren Bekanntschaft jedoch nicht interessiert war, da sie bereits einen trefflichen und treuen Freund hatte. Somit blieb ihm nichts anderes übrig, als ihr einen Gruß zu entbieten und zu gehen, leise mit den Flaschen klirrend, die in Wellpappe eingeschlagen waren und in einer soliden Plastiktüte steckten.
Draußen war es angenehm. Über Moskau hatte sich der Abend gelegt, der erste richtige laue Sommerabend nach einem langen kühlen Winter. Dass es sich obendrein um einen Freitagabend handelte, steigerte sein Wohlbefinden zusätzlich. Der Strom der Autos, in denen die der Datscha entgegenfiebernden Stadtbewohner saßen, war verebbt. Stille senkte sich herab. Einige Jugendliche, übers Wochenende in der Stadt geblieben, sausten mit ihren Rollern über die Gehsteige, im Park an der Metro baute gerade eine kleine Jazzband ihre Instrumente auf, während die ersten Rentner bereits auf den Bänken Platz nahmen, um der Musik zu lauschen, einen kleinen Schwatz zu halten und zu tanzen. Das alte achtstöckige Haus, in dem Martins Onkel wohnte, lag in der Nähe, weshalb Martin nicht den Fußweg zu nehmen brauchte, sondern quer durch den alten verwilderten Garten schlendern konnte. Beinah hätte er dabei ein verliebtes Pärchen aufgeschreckt, das sich auf einer Bank umarmte. Zum Glück hörte er das heiße Flüstern jedoch noch rechtzeitig, um sodann mucksmäuschenstill an ihnen vorbei zu schleichen, die Tüte mit den Flaschen an sich gepresst, damit sie nicht schepperten.
Punktgenau zur vereinbarten Zeit traf Martin ein. Sein Onkel öffnete ihm die Tür mit wenigen brummigen Lauten, die als Begrüßung herhalten mussten, und stürzte wieder in die Küche, um die Ente aus dem Ofen zu nehmen. In treuer Gewohnheit schlüpfte Martin in die Gästepantoffeln in Einheitsgröße und ging ins Wohnzimmer. Sein Onkel lebte in aller Bescheidenheit in einer winzigen Zweizimmerwohnung, trug sich jedoch nicht mit Umzugsplänen, was er damit begründete, dass es mit seinen siebenundsechzig Jahren noch zu früh sei, um an den Friedhof zu denken, aber schon zu spät, um ein neues Heim zu suchen. Im Schlafzimmer, das auch als Arbeitszimmer diente, reihten sich entlang der Wände uralte Bücherregale, in denen sich nicht minder alte Bücher fanden, wohingegen das Wohnzimmer modern daherkam, stellenweise sogar mit einem modischen High-Tech-Stil aufwartete, mit zahlreichen Regalen aus vernickelten Röhren und Panzerglas, einer raffinierten Apparatur, die Bilder und Töne produzierte, sowie den Effektheischenden französischen Waterfall-Standlautsprechern aus Glas, die Experten wegen des Fehlens von Nebengeräuschen im Gehäuse schätzten. Während Martin auf seinen Onkel wartete, stöberte er in den CDs, wählte Beethoven in der Interpretation von Emil Gilels, legte das Jackett ab und machte es sich am Tisch bequem.
Sein Onkel ließ...