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Speed: Eine Gesellschaft auf Droge
 
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Speed: Eine Gesellschaft auf Droge [Broschiert]

Hans-Christian Dany
4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)

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Produktinformation

  • Broschiert: 192 Seiten
  • Verlag: Edition Nautilus; Auflage: 2., Aufl. (29. August 2012)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3894015691
  • ISBN-13: 978-3894015695
  • Größe und/oder Gewicht: 20,6 x 12,4 x 1,8 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 4.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (4 Kundenrezensionen)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 331.675 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Hans-Christian Dany
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Produktbeschreibungen

Pressestimmen

»Höher war die gesellschaftliche Akzeptanz eines Rauschmittels wohl noch nie. Misstrauisch beobachtet Hans-Christian Dany den Aufstieg der Droge Speed zum Breitband-Dopingmittel der Leistungsgesellschaft und empfiehlt Abstinenz: Es gibt Gründe, schreibt er, nüchtern zu bleiben . Darauf kann man sich nach der Lektüre einigen. (Kolja Mensing, Deutschlandradio Kultur)

»Hans-Christian Danys Buch Speed ist eine eigenwillige und faszinierende Kulturgeschichte des Aufputschmittels Amphetamin. (...). Speed ist keine Ansammlung verpeilter Drogen-Stories, sondern eine Annäherung an den Fetisch Geschwindigkeit, den Dany als großes Glücksversprechen des zwanzigsten Jahrhunderts ausmacht. Leistung, Disziplin und Effizienz sind die Schlüssel-Sehnsüchte, welche die neurochemische Optimierung stillen soll. Mit einer Flucht aus der Wirklichkeit oder gar künstlichen Paradiesen hat der Kult der Beschleunigung nicht viel gemein. Es geht meist recht freudlos um die Verbesserung der Arbeitskraft.« (Felix Denk, Süddeutsche Zeitung)

»Das 190 Seiten schlanke und gleichwohl informationsgesättigte Buch weist Amphetamin als kulturellen Faktor ersten Ranges aus. Die Droge als apokrypher Verständnisschlüssel zu einer Gesellschaft der ständig beschleunigten Objekte ein Schmiermittel für Autobahn und Daten-Highway, für Leistungssex und Blitzkrieg.« (Ronald Düker, Literaturen)

Kurzbeschreibung

Keine Droge ist in so kurzer Zeit von der Pharmaindustrie so massenhaft verbreitet worden wie Amphetamin. Diese Geschichte eines Pharmamittels zeigt, mit großer Sachkenntnis und einer Fülle von Beispielen, warum eine Gesellschaft, die auf Konsum, Leistungssteigerung und Krieg beruht, nur unter Drogen funktionieren kann. Aus zahlreichen Nahaufnahmen setzt sich dabei auch eine Geheimgeschichte des zwanzigsten Jahrhunderts zusammen.

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Die hilfreichsten Kundenrezensionen
14 von 15 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Format:Broschiert
Die mittlerweile tiefe Verwurzelung der Droge Amphetamin in der Kultur der westlichen Zivilisation wird in diesem Buch auf in vielfacher Hinsicht überraschende Weise herausgearbeitet. Anhand von Beispielen aus Kunst, Literatur, Popkultur, Militär- und Medizingeschichte wird dargelegt, dass die moderne Gesellschaft zwei unverzichtbare Verfahren des Selbstmanagements hervorgebracht hat: Hirndoping und Controlling. Beide existieren nicht unabhängig voneinander. Dabei ist es dem Autor gelungen, jenseits von akademischer Trockenheit und zeitgeistiger Drögheit eine Form zu finden, die sowohl Insidern wie neu am Thema Interessierten einiges an Information und Enthüllung bietet und zudem noch mittels präzise eingesetzter Ironie hohen Unterhaltungswert besitzt. Nesonders gelungen sind die Zwischentitel, z.B. "Ritalin macht Kinder froh", "Parasiten ihrer selbst" oder "Aufgeklärter Ameisenhaufen". Über exemplarische Beispiele einiger kultiger Speed-User gelingt dem Buch eine Kultur- und Gesellschaftsbeschreibung unserer Zeit: "Das Recht auf Rausch scheint mittlerweile ein ungeschriebenes Gesetz und die regelmäßige Entgrenzung zu einer Pflichtübung der neu geordneten Arbeitswelt geworden zu sein. Die Verwaltungsinstanzen der Lohnarbeit haben längst erkannt, dass nicht nur die beruhigenden Wirkungen, sondern auch die Intensitäten von Rauschmitteln produktiv gemacht werden können." Und so werden wir weiter "optimiert", die entsprechenden "Verbesserungsdrogen" sind längst auf dem MArkt, zu dem es keine Alternativen mehr gibt.
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7 von 8 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Speed für die Society 12. August 2008
Format:Broschiert
Drogen gab es schon immer. Vermutlich sind sie so alt wie die Menschheit. Entsprechend des Leidens des Menschen an seinem Leben, könnte man existentialistisch feststellen, hat er versucht, sich zu betäuben, eine Hilfe gesucht einzuschlafen ' oder aufzuwachen. Je nach dem.

Das sogenannte Speed, ein Amphetamin, ist eine chemische Verbindung, die nach ihrem Eintritt in den menschlichen Stoffwechsel auf das zentrale Nervensystem einwirkt. Die Auswirkungen können sehr unterschiedlich ausfallen, wie Hans-Christian Dany in seinem Buch »Speed. Eine Gesellschaft auf Droge« in äußerst anschaulicher und lesenwerter Weise darstellt. Sein Buch spiegelt das Faktum wider, dass die Vielfalt der Wirkungsmöglichkeiten von Amphetamin letztlich dessen Vielfalt an Gebrauchsmöglichkeiten ist.

Sein Buch, das aus vielen kurzen Stücken besteht, die teilweise ineinander übergehen, ist nichts weniger als eine kleine Kulturgeschichte dieser Droge. Zwangsläufig erinnert ist man an den Klassiker in diesem Feld, Ernst Jüngers »Annäherungen. Drogen und Rausch«. Die Annäherungen sind aber entgegen ihres Titels darüber hinaus ein philosophischer Großessay, der auch Themen anspricht wie die Struktur von Zeit. In dem Zitat, das Dany von Jünger bringt, zeigt dieser sich wieder einmal ganz als Dandy: »Auch Drogen folgen der Mode; sie bilden substantielle Entsprechungen zu geistigen Wendungen, die vielleicht nur kleine Marken in der Stilgeschichte hinterlassen und sich doch einzeichnen.« Anstatt sich von moralischen Wertungen anstecken zu lassen, geht es Jünger um die Perzeption der Rolle, die Drogen in der Geschichte des Ästhetischen gespielt haben.

Dany schreibt nicht zuletzt interessant, weil wir vieles erfahren, das wir zuvor so genau nicht wussten. Man hatte von allem mal ein bischen gehört, aber wer wusste schon so genau vom Drogenkonsum des Führers oder Elvis Presleys? Der in Hamburg lebende Autor zitiert die Aufzeichnungen von Hitlers Leibarzt, Dr. Theo Morell, im damaligen Berlin ein bekannter Prominentenarzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten, der seine Praxis am Kurfürstendamm hatte. Hitler hatte sich hier passend eingefunden, verkehrte doch auch die Berliner Halbwelt bei »Dr. Morell«.

Nach der Niederlage der Wehrmacht bei der Schlacht um Stalingrad geht es mit Hitler schnell abwärts. Da müssen immer größere Mengen an Drogen her, um sich eine eigene Realität zu zimmern. Dany berichtet: »Nach außen wird ein linksseitiges Zittern des Oberkörpers sichtbar, und seine Handschrift immer unkontrollierter. Den chemiegesteuerten Körper des Führers durchzucken Tics, als sei er ein Autist. Ein ausgreifender Gedächtnisschwund führt zu Wiederholungen gerade erst ausgesprochener Befehle.« Morell und Hitler begeben sich in einen Teufelskreis aus stetig wachsenden Nervenstörungen des Nationalsozialisten, der der Berliner Arzt versucht, mit höheren Dosen beruhigender Drogen Herr zu werden. Eine weitere Folge der massiven Drogenabhängigkeit Hitlers ist eine zunehmende Lichtempfindlichkeit, die ihn sich zurückziehen lässt. Bereits im Herbst 1944 ist der politische Führer der Deutschen ein derartiges Wrack, dass seine Lippen zucken und nur noch Wutausbrüche Reste von Kraft zeigen.

Diese kleine Kulturgeschichte des Amphetamins ist allen zu empfehlen, die Lust auf eine unterhaltsame und dennoch informative Urlaubslektüre haben. Es ist, wenn man so will, Unterhaltung der intelligenten Art. Dabei ist Dany durchaus nicht unkritisch. Im letzten Kapitel geht er ein auf die Bedeutung der Drogen in der heutigen Gesellschaft, die von ihren Arbeitnehmern teilweise sklavisches Funktionieren fordert. Hierzu sind Aufputschmittel wichtig. Zwar wird für die Öffentlichkeit die Tour de France angeblich rigoros überwacht. Mit welchen Blutwerten die Menschen am Arbeitsplatz erscheinen, ist jedoch noch ein Tabuthema.
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4 von 5 Kunden fanden die folgende Rezension hilfreich
Von Violett
Format:Broschiert
'Speed - Eine Gesellschaft auf Droge' - von Hans-Christian Dany

Die Welt des 21. Jahrhunderts befindet sich im Zeitalter der Globalisierung, dem Resultat der rasanten Entwicklung neuer Kommunikationstechnologien. Aus der weltweiten Verflechtung jeglicher Lebensbereiche ergeben sich zwar vollkommen neue Möglichkeiten der individuellen Entfaltung, jedoch rücken die Bedürfnisse des einzelnen verstärkt in den Hintergrund, weil die Verwirklichung globaler Ziele fokussiert wird. Durch die Ungewissheit über Ausmaß der jüngsten Wirtschaftskrise, Klimawandel und möglichen Terroranschlägen, fühlt sich die Welt bedroht.

Drogen sind seit frühster Menschheitsgeschichte fester Bestandteil der Gesellschaft. Abhängig vom Zeitgeist der Epoche ist Thematisierung oder auch Tabuisierung, sowie Genre und Einfluss des Rauschmittelkonsums auf die Gesellschaft. Die Droge Amphetamin entspricht dem gegenwärtigen Lebensgefühl der modernen Neuzeit, welche von enormer Geschwindigkeit durch den technologischen Fortschritt, Reizüberflutung, Verwirrung und Ungewissheit über die Zukunft gekennzeichnet ist. Um in der Gemeinschaft bestehen zu bleiben, wird die Erbringung von Leistung im Sinne des Gemeinwohls, verlangt. Persönliche Bedürfnisse werden zunehmend unbedeutend. Um nicht in der Masse unter zu gehen, lässt man Handlungen entsprechend der Wirksamkeit wenig Raum für Makel, Fehltritte und Emotionen. Um den Leistungsdruck des Alltags gewachsen zu sein und 'negative' Gedanken und Empfindungen zu unterdrücken, andererseits die Flucht aus der Realität und die als angenehm empfundenen Gefühle zu wecken, sind hauptsächlich Gründe für steigende Anzahl der Speedkonsumenten.

Das Buch 'Speed - Eine Gesellschaft auf Drogen' von Hans-Christian-Dany aus dem Jahre 2008, beschreibt nicht nur die Wirkung von Amphetamin und nimmt Bezug auf gesellschaftliche Entwicklung, sondern erzählt die Geschichte des Wirkstoffs und zeigt die Wechselwirkung zu bedeutenden politischen, ökonomischen und kulturellen Ereignisse. Diese hierbei angewandte Erzählweise der modernen Montagetechnik, grenzt die einzelnen Abschnitte, mit teilweise sarkastischen oder provokanten Titeln, inhaltlich voneinander ab. Meine Neugier wurde insbesondere durch die Teilüberschriften 'Paranoia und Produktivität' (Zitat: S. 93) und 'Getanzte Normalität' (Zitat: S. 158) geweckt. In chronologischer Abfolge der Geschichte über Amphetaminnutzung wird das gesamte Wirkungsspektrum aufgezeigt und mit Ereignissen, wie beispielsweise 1.- und 2. Weltkrieg, Weltwirtschaftskrise, wie auch Fall des 'Eisernen Vorhangs' verknüpft. Außerdem wird auf populäre Persönlichkeiten, die bei Betrachtung einzelner Teilaspekte eine Rolle spielen, zum Beispiel Hitler, Präsident Nixon, Elvis Presley und den berühmten Buchautor James Dick, eingegangen und mitunter hinsichtlich des Einflusses von Drogen auf ihr Schaffen untersucht. Die vielschichtige, informative und unterhaltsame Darstellung ergibt ein stichhaltiges Argumentationsgefüge. Der hypotaktische Satzbau weckt die Aufmerksamkeit des Lesers, bei dem, unter anderem durch Ironie, die sich vor allem in der kreativen Sprachgestaltung wieder findet, ein Erkenntnisprozess in Gang gesetzt wird. Die sprachlichen Bilder und Vergleiche, wie bei der Beschreibung des Kontrasts zwischen Rausch als 'orgiastische Selbstverschwendung' und Rückkehr in den vorherigen Bewusstseinszustand mit vom 'erlebten Rausch bleiben [letztlich nur] Trichter der Leere zurück' (Zitat: S 163 Z. 5/6), dienen der Verstärken der Anschaulichkeit.

Durch Bezugnahme auf andere Themenbereichen kann eine breite Zielgruppe Zugang erlangen. Auch für die bereits sehr gut informierten, bietet das Buch einen eher untypischen Überblick zum Problem, der dem Leser trotz vielfach angewandter unterschwelliger Kritik zureichend Freiraum für eigene Meinungsbildung bietet. Beweggründe für den Konsum von Rauschmitteln sind weitreichend und unterschiedlich. Die 'Nutzung von Drogen [ist] meist kein moralisches oder strafrechtliches Problem mehr' (Zitat S. 179 Z.2/3). 'Viele Schwarzmärkte für Drogen [sind] in Ordnung Ihrer Umgebung integriert' (Zitat S. 179 Z. 19 ff.) 'Fast jeder kennt Menschen in seinem Umfeld, die unzulässige Drogen nutzen, oder tun es selbst'(Zitat S.179 Z. 23 ff.)
Wohingegen die konventionelle Erläuterung zum Thema einen unmoralischen, heimtückisch verheerenden Beigeschmack hinterlässt, sodass man sich in der Sichtweise sehr eingeschränkt fühlt, werden hierbei durch komplexe Darbietung einer genialen, schlüssigen und überzeugenden Beweisführung, bisher unbekannte erstaunliche Zusammenhänge in originellem Sprachstils erläutert und die Entwicklung eines persönlichen Standpunktes fördert. Deshalb halte ich das Buch für besonders lesenswert. Überzeugt euch selbst!
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