1979 erschien Steve Hacketts drittes Album: "Spectral Mornings".
Damals gab es noch keine CDs, und ich weiß noch, wie ich überrascht war, als ich im ersten Track Gesang hörte. Keine Gastsänger wie auf den ersten beiden Alben, sondern der Gitarrenmeister persönlich. Naja, verstärkt im Chor durch Pete Hicks und Dik Cadburry, die man nur kennt, wenn man die kürzlich aufgetauchte DVD des Liveauftritts im Rockpalast gesehen hat, und eine Menge Elektronik. Das klingt weniger persönlich als noch Randy Crawford oder Richie Havens, die Gastsänger vom Vorgängeralbum, aber sehr harmonisch und melodisch fügt es sich in das Klangbild ein.
Mit von der Partie: Nick Magnus, der alles spielt, was Tasten hat (und zum Glück nicht mehr im albernen Polizei-Hemd auftritt), Bruder John Hackett (u.A. Flöte) und John Shearer, der das unvergessliche Drum-Solo von "Clocks" einspielte (und bei der Aufnahme für den Rockpalast mit dem legendären "argh!" beendete). Hackett hatte jetzt endlich eine hervorragende Band zum Touren beisammen!
Die Musik? Schon der erste Track, überraschenderweise mit der Gesangseinlage beginnend, geht zu einem genialen Instrumentalteil über.
Clocks - sehr rhytmisch mit "dem" Drumsolo. Kaum zu glauben, das Uhrengeticke kam nicht aus dem Tape, sondern Hackett entlockt das Ticken einer Gitarre! Habe ich selber gesehen - keine Ahnung, wie er das macht.
Hackett goes Asia: "The Red Flower of Tachai Blooms everywhere" klingt fernöstlich. So sehr, dass es die Chinesen im CD-Laden in Taipeh spielten - und ich dort mir sofort zu der Platte, die ich 79 gekauft hatte, die CD dazukaufte.
"Tigermoth" ist über die britischen Bomberpiloten im zweiten Weltkrieg: "The boy that should never have flown", heißt es im Text. Wenn man weiß, dass viele Piloten der viermotorigen Lancasters so jung waren, dass sie noch keinen Auto-Fürerschein machen durften weiß man, was er meint. Sehr melodisch und doch teilweise abgedreht, es erinnert mich teilweise an "A Tower struck down" vom ersten Album.
Ja, jetzt endlich zu "Spectral Mornings": ein göttliches Instrumental. Als ich mal in einem Tal bei den Ausläufern der Alpen stand dachte ich, jetzt sollte "Spectral Mornings" aus riesigen Lautsprechern aus diesen Bergen herabschallen. Einfach wunderschön, zum Abheben.
Natürlich ist noch mehr auf dem Album - ein akustisches (Lost Time in Cordoba), eine schöne Ballade und (am Ende der A-Seite der LP) ein "Schmankerl" mit karibischen Steeldrums.
Die neueste CD-Version hat mehrere Bonustracks (dann werden 15 Tracks aufgelistet), das ist eine Menge. Dabei ein akustisches Medley mit dem Gitarrenintro von "Blood on the Rooftops", dem einzigen Song, den Steve Hackett und Phil Collins noch bei Genesis zu zweit geschrieben haben.
Hattrick sagt man, wenn einer drei Tore nacheinander schießt. Hackett veröffentlichte nacheinander drei Alben, denen ich bei der Rezension fünf Sterne gebe. Wenn man dann noch den fairen Preis sieht gibt es nur eins: "Haben muss"!
Fast hätte ich es vergessen: durch einen "technischen Fehler" kam noch ein Bonustrack mehr drauf: man hört Hackett nach einem Konzert allein backstage, wie er mies gelaunt über das Leben als Musiker philosophiert... (schmunzel)