Wie nähert man sich einem Album, dass man in Vinyl und CD hunderte Male gehört hat, wenn es als SACD-Remaster vor einem liegt? Kommt das "alte" Feeling wieder auf? Oder wird die liebgewonnene, mit vielen Errinnerunen verbundene Tonsoftware duch die neue Abmischung entstellt?
In diesem Fall kann ich - für meinen Eindruck - sagen:
Alles das, positiv wie negativ.
Der 5.1-SACD-Mix beginnt - zumindest für meinen Geschmack - mit einer völlig entstellten Fassung von New Life. Ich hab's mir inzwischen immer wieder angetan, ohne eintretende Linderung. Das Stück ist, wie die meisten auf der "A-Seite" des Albums, mit unpassenden und verspielten Ping-Pong-Effekten überladen. Einzige Außnahme ist Puppets. Das ist o.k. - aber auch nicht unbedingt brilliant, gemessen an den Möglichkeiten.
Dann - eigentlich bin ich schon enttäuscht - der wahrscheinlich raffinierteste Snythpop-Track der 80er Jahre: Photographic.
Und zwar in einer unglaublich packenden, perfekten Kinofassung, eigentlich sollte man schreiben: "director's cut". Gänsehaut.
Wer das Original genial fand oder noch findet, und eine ordentliche Sourround-Anlage hat: A-Seite abhaken, SACD kaufen!
Die 5.1-Fassung des Albums wirkt für mich am Beginn (A-Seite) wie eine Erstlingsüberung , dann (B-Seite) wie ein Meisterwerk. Die Qualität des Sourroundmixes bleibt für den Rest des Albums sehr hoch: tora!tora!tora!, big muff, und vor allem JCGE sind definitiv eindrucksvoller als die Stereofassung, JCGE hat wesentlich mehr drive. Sehr gut aus meiner Sicht auch die strikte Trennung der Vocalparts (lead vorne, backing hinten), die Raffinesse der Gesangsaufnahmen kam im Original nie sooo deutlich heraus.
Um es bildlich zu sagen: Auf der A-Seite wirkt es, als hingen die einzelnen Layer der Kompositionen an unterschiedlichen Wänden, es entsteht kein Bild mehr.
Bei den Songs ab Photographic entsteht ein neues, dem "alten" Stereomix zwar sehr ähnliches, aber eben viel plastischeres Bild. So hätte ich mir auch den ersten Teil des Albums gewünscht.
Und was war nun mit dem "alten Feeling"?
Mit der SACD-Stereo-Fassung ist mir das passiert, was schon viele high-ender über vinyl und SACD behauptet haben: Die SACD "fühlt" sich - bei mir - an wie Vinyl.
Ich könnte nicht sagen, was den Unterschied ausmacht, aber diese Stereofassung hat mich deutlich an das errinnert, was ich mit 15 beim Hören dieses Albums gedacht oder gefühlt habe, die CD nie.
Vielleicht sollte ich mir doch mal wieder einen ordentlichen Vinyldreher besorgen ....