Möchte man den Versuch machen, die Musik von Kettcar zu kategorisieren, sollte man einen Bericht über die Band in den Tagesthemen(!!!)zitieren: Kein Teenie-Pop, sondern Musik von Männern mit Vergangenheit. Dabei weicht die auf dem Debüt sogenannte Befindlichkeitsfixiertheit offeneren und positiveren Texten, der Kopf ist nicht mehr so tief in graue Wolken versunken. Allerdings liegt genau da das Problem dieses Albums: Selbst in einer Trennungsphase steckend konnte der Hörer von "Du Und Wieviele Von Deinen Freunden" sich selbst wiederfinden, oder jemanden an seiner Seite endecken, der ihm die Situation ungeschminkt erklärt und dann mit den Worten "...und am Ende einsehen muss, das man weitermachen muss" einen Funken Hoffnung schenkt. Die Frage von Nick Hornby, ob es einem so mies geht, weil man Popmusik hört, oder Popmusik hört, weil es einem so mies geht, wurde mit diesem Album klar beantwortet: Beides ist der Fall. Mit "Spatzen, Tauben, Dächern und Händen" ist Ihnen trotzdem ein gutes Album gelungen, sympathietechnisch müsste man 4 1/2 Sterne geben, beim Debut hätten es wegen Klassikerverdacht 6 sein müssen. Von diesem Vergleich einmal abgesehen muss man konstatieren, das mit "Deiche" ein veritabler Underground- Clubhit und mit "Balu" die tollste Liebeserklärung in deutsch ever am Start sind, auch "Einer" und der zweite Teil von "Im Taxi Weinen" nämlich die erste Single "48 Stunden" überzeugen auf der ganzen Linie. Nur gegen Ende geht den Hamburgern ein wenig die Puste aus, "Nacht" z.B. kann das Niveau nicht halten. Aber Schluss mit Meckern, Kettcar sind real, ungeschminkt, authentisch und ehrlich. Weit entfernt vom üblichen deutschen Output und was die Texte angeht gaaanz weit draussen. Und da möchte man eben auch gerne hin. Liga gehalten, wenn auch nicht Platz eins; und trotzdem: Danke Jungs!!!