Die vorliegende CD von Tsunami ist bereits eine Ergänzung zum offiziellen Soundtrack und trägt den Vermerk "More Music from...". Es gilt sogleich zu betonen, daß es sich keineswegs um Füllsel oder musikalisch zweitklassiges Material handelt; vielmehr gehören einige Stücke zum absolut Besten, was die Partitur zu bieten hat.
Die "Overture" (hier in der Filmversion) führt auch diejenigen Hörer in die Musik ein, die das Originalalbum nicht kennen; die CD ist völlig autark. Der Score huldigt dem Idiom Sergej Prokoffiefs (wie auch Teile des genialischen "Dragonslayer") und weist insgesamt kaum über dessen gemäßigte Modernität hinaus. Mysteriöse Klänge eröffnen das Training von Kirk Douglas, gehen jedoch schnell in hektisches Orchestergetümmel und schrille Dissonanzen über. In diesem Stück wie auch in "The Rebellion" und weiteren betont dramatischen Sequenzen handhabt North seinen gewaltigen Orchesterapparat (mit großem Percussionensemble) mit größter Virtuosität. Demgegenüber bleibt das Liebesthema blaß - ein trefflicher unbeabsichtigter Hinweis auf die größte Schwäche des Films: eine Love Story, die überhaupt nicht funktioniert. In "General Crassus" und "Triumph at Metapontum" klingen martialische Elemente an, wie sie uns aus den Märschen Miklos Rozsas vertraut sind. Eine der wenigen ruhigen Stellen der Partitur bildet "Who is Spartacus?", doch auch diese Ruhe ist höchst beunruhigend.
Zu einer Variation des Hauptthemas wird der Zuschauer nach einem finalen 13minütigen Track aus dem Kino geleitet. Der Zuhörer sollte sich indes noch einen Moment gedulden: den Abschluß der CD bilden nämlich drei alternative Stücke aus der Partitur, von denen vor allem der finale "Gladiator Fight" von besonderem Interesse ist: Die von North für die Dreharbeiten erstellte Demo-Version des später vergleichsweise konservativ intrumentierten Stückes, besetzt nur für Schlagzeug und Keyboards, weist als einziger Cue weit über das gemäßigte Idiom der Partitur hinaus - welch Skandal, welch bravouröse Tat wäre es gewesen, große Teile des Films auf solche Weise zu untermalen. Doch auch die vorhandene Musik ist durchweg erstklassig und besticht in ihrer instrumentalen Fülle.
Tragische Anekdote am Rande: Während seiner Arbeit beging der ursprüngliche Orchestrierer Maurice de Packh Selbstmord. Henry Brant, der danach zum Stammorchestrierer Norths avancierte, führte de Packhs Arbeit fort und trug so zum Gelingen einer der besten Partituren Alex Norths bei. - Nachdrückliche Kauf-Empfehlung!