Spartacus: Blood and Sand ist eine US-amerikanische Fernsehserie des Kabelsenders Starz und ist - nicht nur für amerikanische Verhältnisse - starker Tobak. Die dreizehnteilige erste Staffel dieser Serie lehnt sich ziemlich frei an das Schicksal des Gladiators Spartacus an, dessen legendärer Sklavenaufstand historisch gut belegt ist und bereits prominent verfilmt wurde. Der hier gezeigte Spartacus hat allerdings wenig mit der von Kirk Douglas gespielten Figur zu tun, in dem 1960 gedrehten Monumentalschinken ging es doch eher moralinsauer zu.
In dieser rüden und brutalen Serie sind die Menschen des ersten vorchristlichen Jahrhunderts hingegen ganz Fleisch, von Leidenschaften und Begierden getriebene Kreaturen, die hemmungslos rauben, töten und kopulieren. Die eigentlichen Barbaren dieses Serie sind nicht die versklavten Gladiatoren, sondern die sklavenhaltenden Römer, durchweg skrupellose Intriganten, denen jedes Mittel recht ist, persönlichen Gewinn zu erzielen.
Der thrakische Krieger Spartacus, eigentlich ein Verbündeter Roms im Kampf gegen dakische Invasoren, wird nach einer Intrige des schmierigen Tribuns Claudius Claber versklavt, seine Frau verschleppt und er nach Italien verschifft, um in der Arena Capuas zu sterben. Durch einen verwegenen Kampf entgeht er der Hinrichtung und landet in der Gladiatorenschule des Lentulus Batiatus, wo er Freunde und Feinde findet, bis er seiner historischen Bestimmung entgegentritt.
Dieses wechselvolle Schicksal wird unwahrscheinlich blutrünstig und für amerikanische TV-Standards sexuell recht deftig geschildert, die Kampfszenen sind wie MTV-Videos inszeniert, Korpersäfte spritzen, Körperteile fliegen, gerne in Zeitlupe und im Detail. Die häufigen Erotikszenen sind ungewohnt freizügig, ohnehin ist der nackte Körper omnipräsent, in den um historische Authentizität bemühten Folgen werden die Protagonisten ständig unbekleidet gezeigt, wahrscheinlich wurden noch nie so viele männliche Geschlechtsteile im amerikanischen Fernsehen präsentiert wie in dieser Serie. Der menschliche Körper ist hier das zentrale Darstellungsmittel, und in den 13 Folgen wird mit diesen - meist nackten und schönen - Körpern so ziemlich alles angestellt, was man sich vorstellen kann, von der völligen Zerstörung bis zur Liebkosung. Auch die Sprache folgt der gleichen Interpretation, das F***-Wort wurde wohl zuletzt in der Westernserie Deadwood so häufig verwendet, hier in der Originalfassung kann man auch bewundernd lernen, welch vielfältige Vulgärbegriffe die amerikanische Sprache für den männlichen Penis hat.
Dementsprechend werden die Figuren als hauptsächlich triebgesteuerte, erotisierte und brutalisierte Wesen gezeigt, der Verstand wird nur eingeschaltet, um Gegner zu beseitigen. Die Römer und die römische Kultur werden so negativ dargestellt, dass man sich beim Betrachten dieser Folgen fragen muss, wie es Rom überhaupt zur Weltmacht schaffen konnte. Die Ausstattung und die Kulissen wirken recht authentisch, viele liebevolle Details lassen Zeitkolorit aufkommen, wie z.B. der Besuch einer öffentlichen Toilette in der ersten Folge, eine durchaus humoristische Szene. Die historische Genauigkeit ist, wie in nahezu allen Sandalenfilme, einer spektakulären und zugkräftigen Effekthascherei untergeordnet, dennoch wirkt der Zeitbezug in den einzelnen Folgen selten unglaubwürdig, die Gassen Capuas werden als düsteres, heruntergekommenes Labyrinth gekonnt inszeniert, die Gladiatorenschule ist ein in Erdtönen gehaltener Glutofen und Folterkeller. Die Plots der einzelnen Folgen sind zwar nicht immer logisch und gelegentlich auch ausgesprochen flach, aber die temperamentvolle , schnelle Inszenierung kaschiert diese inhaltlichen Schwachstellen und die mitunter simplen Dialoge erstaunlich gut.
Trotz aller fragwürdigen Brutalo-Ästhetik und teilweise oberflächlichen Dramaturgie weiß die Serie dennoch gut zu unterhalten, Langeweile kommt kaum auf. Und wenn auch die meisten Charaktere eindimensional und stereotyp erscheinen, kann man doch in einigen Rollen hervorragende Schauspielleistungen bewundern, als Beispiele seien John Hannah als cholerischer Lentulus Batiatus, Lucy Lawless als seine hinterlistige Frau Lucretia, der neuseeländische Schauspieler Manu Bennett als gallischer Kämpfer Crixus und - besonders gut - Nick Tarabay als physisch und psychisch verkrüppelter Ex-Gladiator Ashur genannt. Der Titelheld bleibt allerdings eher blass, das Charisma der historischen Figur wird dadurch nicht erklärt.
Bis auf die offensive Darstellung des nackten menschlichen Körpers ist diese Serie sicherlich kein Meilenstein der Fernsehgeschichte, aber ein unterhaltsamer - und äußerst fiktiver - Einblick in die römische Welt. Ein sechsteiliges Prequel wurde bereits ausgestrahlt, die zweite Staffel ist für 2012 angekündigt. Für Fans blutiger Historiengemälde ist diese Serie ein Muss, wer 300 gut fand, wird hier auf seine Kosten kommen. Freunde feingeistiger Charakterzeichnungen werden gequält abwinken - zu Recht!
Die Originalfassung ist sprachlich die interessantere Variante,die deutsche Synchronisation ist wesentlich glatter und weniger vulgär, ich würde jedem, dessen Englisch ausreichend ist, zum Originalton raten.