Ist das jetzt Album oder Mixtape? B-A-N-J-O meldet sich überraschend nur neun Monate nach dem Release seines letzten, erstaunlich erfolgreichen Albums "Schizogenie" zurück, wieder einmal mit einem Kollabo-Album und folglich auch mit Sparring 2 betitelt. Und gleich der Opener "Königsklasse" gibt die Richtung vor: Irre Ansagen im Sekundentakt, düstere, wabbernde Beats, ein angriffslustiger Banjo hält nicht nur dem deutschen HipHop, sondern ganz Deutschland demonstrativ den Spiegel vor: "Dieser Rap ist Opa Großmacht/ Stalin, Cosa Nostra/ Castro, Adenauer, das ist großes Pokern, frohe Ostern/das hier ist größer als die Beatles und kein Fall für Bauern/das ist Pearl Harbor, mehr Relevanz als der Fall der Mauer." Da gerät es schon fast zur Nebensache, dass sido auf der Album-Version des Tracks nichts Nennenswertes mehr hinzuzufügen hat.
Da geraten wir schon zur Krux des Albums: Banjo hat oftmals Rapper geladen, die anscheinend einen schlechten Tag hatten (Afrob) oder einfach nicht mit ihm mithalten können (Ercandize, Franky Kubrick). Da wird der Album-Titel leider oftmals Realität. Viele Rapper sind nunmal nicht mehr als ein Sparringspartner für Banjo. Großes Kino ist aber unbestritten, wie er mit Curse oder Samy Deluxe über Rapdeutschland abkotzt oder mit dem Schweizer EKR in seiner ureigenen Art einen Bordellbesuch auf Beat bannt.
Am Stärksten ist Olli Banjo jedoch immer noch im Duett mit sich selbst. So sind die Solotracks auch klar die Besten auf "Sparring 2". So etwa "10 Kilometer und mein Walkman", eine unbeschreibliche Liebeserklärung an HipHop, nein, an Musik, die mir mit jeder Zeile aus der Seele spricht: "Ich atme den riesigen Bäumen die Kristalle von den Blättern/ und mein Walkman schickt große Lieder durch das kalte Wetter / Musik ist wie ein heißer Kopfstein, wenn es regnet/ sie sortiert und ordnet, löst und befreit den Struggle in meinem Leben/ Das Drama trifft nicht mehr, sieht keine blinden Sorgen/ Heut morgen geht's nur um mich, zehn Kilometer und mein Walkman." Heraus sticht auch "Wer isses?" mit einem überraschend organischem Piano-Beat von Roe Beardie, der dessen verbesserten Produktionen im Vergleich zu "Schizogenie" ein dickes Ausrufezeichen verpasst. Auch hier wieder ein Banjo in Bestform, der ankündigt, mit sido und Moses Pelham eine Boyband gründen zu wollen.
Olli Banjo macht hier nicht weniger als alles richtig und kickt, leider im Gegensatz zu manchem Featurepartner, den bislang mit Abstand heißesten Rapshit 2006. Oder um es mit Banjo selbst zu sagen: "Fresh aus Prinzip."
8/10