Ich höre dieses Album bereits seit 10 Tagen, da es im Ausland früher erhältlich war. Im Gegensatz zu seinen beiden Vorgängern 'Under The Surface' und 'The Chase' erscheint es etwas bemüht. Als ich Marit im März 2010 in Saarbrücken traf, erzählte sie mir, dass Sie für die Songs ihrer ersten beiden Alben viele Jahre Zeit hatte und nie genau wusste, ob diese Lieder je veröffentlicht werden sollten.
Für die Songs auf Spark hatte sie dagegen nur 8 Monate. Zudem wurde für drei Lieder ein professioneller Co-Autor bemüht, der auch schon für Celine Dion und Jennifer Lopez tätig war. Diese Umstände erklären vielleicht, warum Marits Kompositionen nun nicht mehr so unverwechselbar klingen wie zuvor.
Hier die Songs in Kürze:
1. "Keeper Of The Keys"
Ein ruhiger Opener, geflüstert zu Gitarre und Klavier, im Stil der früheren Alben. Vielleicht ein etwas manieriertes Selbstzitat, jedoch im Ganzen recht schön.
2. "Don't Move"
Einer der Glanzpunkte des Albums, wenn auch, ebenso wie "Have You Ever", mit fremder Hilfe verfasst. Besonders die aufwändige und gekonnte Umsetzung durch Ihre Band ist großartig (man beachte das Schlagwerk ab dem 2. Refrain). Eine sehr schöne Melodie, die Marit-typisch irgendwo zwischen Kinderlied und Edvard Grieg liegt. Dies ist eine ihrer großen Stärken; mir ist keine andere zeitgenössische Künstlerin bekannt, die einen solchen fast überirdisch reichen Klang erschafft!
3. "What If"
Für Marit ein unüblicher Songbeginn. Wir hören zunächst eine eher triste Melodie mit alltäglicher Harmoniefolge. Dann jedoch, im Refrain, entfaltet sich ihre gewohnt anmutige Melodieführung. Ein schöner Moment. Das Streicherarrangement ist schlicht ein Traum, der Hörer sollte sich die Freude gönnen, seine Entwicklung aufmerksam von der ersten bis zur letzten Sekunde zu verfolgen.
4. "I Can't Love You Anymore"
Der Versuch eines Liebeskummerliedes. Etwas beliebig, aus der Rubrik: 'Wir brauchen noch einen Song!'
5. "Coming Home"
Für mich der Tiefpunkt des Albums: Sie versucht, sich selbst zu zitieren und klingt dabei mehr nach den Corrs als nach Marit Larsen. Dies ist gängiger, uninspirierter Radiopop, der Versuch einer neuen Single.
6. "Me And The Highway"
Ein Tournee Song, so wie ihre Helden sie auch schon vor ihr geschrieben haben. Ein netter
Anfang, allerdings dann ein Refrain ohne zündende Idee.
7. "Last Night"
Ein weiteres Liebeskummerlied, leider weniger ansprechend, als von Marit gewohnt.
8. "Have You Ever"
Hier wandert die Künstlerin offensichtlich auf den Pfaden der Band, die sie selbst bei Ihren Einflüssen niemals erwähnt: ABBA. Ein schöner Refrain, mehr instrumental als gesungen. Nicht geklaut, nur ein wenig Inspiration geborgt. Sehr hörenswert!
9. "Fine Line"
Bei diesem Song sehe ich Marit am Klavier Harmonien hoch und runter schieben und dazu summen: 'Hmm, etwas muss doch noch drin sein'.' Schade, aber keine Schande.
10. "That Day"
Passend zum ersten Song wird der Bogen leise, teils flüsternd, geschlossen. Schön, aber der Zauber fehlt (man vergleiche 'Fences' vom Album 'The Chase').
In der Summe:
1 x richtig gut (track2),
2 x sehr hörenswert (3, 8)
3 x okay (1,6,10)
4 x naja... (4,5,7,9)
Fazit: Das leider eher mittelmäßige dritte Album einer hervorragenden Künstlerin, jedoch mit kleinen Glanzpunkten. Produktion und musikalische Darbietungen aller Beteiligten sind hervorragend. Zudem ist mir persönlich von Marit Larsen Mittelmäßiges lieber als von manch anderem Künstler das Beste. Hoffentlich nimmt sie sich für das vierte Album wieder Zeit und schenkt uns erneut so wunderschön natürliche, unbemühte und phantasievolle Songs wie auf ihren beiden ersten Soloalben.
-------------------------
Über dieses Album hinaus kann man Marit Larsen nicht genug Anerkennung dafür zollen, dass sie der falschen, posenhaften Depression, die einige Musiker/Selbstinszenierer zelebrieren, etwas Gutes, Schönes entgegensetzt.