Chris de Burgh ist der Idealkandidat für einen Unplugged-Auftritt, denn in seinen Anfangstagen war er das, was man auf Deutsch als "Liedermacher" bezeichnet - und das meine ich im besten Sinne des Wortes. Schon mit seinem zweiten Album "Spanish Train" hatte der kleine Ire, der heute leider ob seiner Tochter bekannter ist denn ob seiner Musik, sein bis heute unübertroffenes Meisterwerk abgeliefert. Dem Titel des Albums wird de Burgh allemal gerecht, denn in der Tat erzählt er zehn kleine Geschichten: Vom Soldaten, der im Ersten Weltkrieg ein Liebeslied an seine Frau schreibt (This Song For You) über die Stripperin Patricia, die in den 20er Jahren vor Gericht freigesprochen wird, weil sie "in ihrer Arbeitskleidung" (sprich: nackt!) war, bis hin zur romantischen Fantasystory mit ökologisch korrekter Botschaft (The Tower) bietet de Burgh das breite erzählerische Spektrum, welches man auf seinen neueren Platten so schmerzlich vermißt. Die textlich und musikalisch anspruchsvollen Songs, angereichert mit Folk- Jazz- und Swingelementen werden auch nach dem x-ten Anhören nicht langweilig und sind meilenweit entfernt von dem seichten Pop-Gedudel, mit dem de Burgh seit Ende der 80er Jahre zwar kommerzielle Erfolge feiert, seine "Altfans" aber regelmäßig zur Verzweiflung treibt. Meine erste Chris-de-Burgh-LP war 1982 "The Getaway", und seitdem hat sich kein anderes Album von ihm so oft auf dem Plattenteller oder im CD-Spieler gedreht wie "Spanish Train".
Ein ewiges Geheimnis der Plattenfirma wird wohl bleiben, warum diese Ausgabe der CD mit dem sogenannten "Südafrika"-Cover veröffentlicht wurde - das rote Originalcover ist weitaus ansprechender.