Dem spanischen Bürgerkrieg wird, gemessen an seiner Bedeutung für die europäische Geschichte, deutlich zu wenig Aufmerksamkeit zuteil. Um das Wissen über die jüngere spanische Geschichte, seit dem Krieg, steht es auch nicht viel besser. Letzteres liegt natürlich unter Anderem auch darin begründet, dass Spanien bis zum Jahr 1975 von einem autoritären Regime geführt wurde, wodurch es teilweise unmöglich war, Fakten über die Gesellschaft, die Politik und die Wirtschaft des Landes in Erfahrung zu bringen.
Seitdem in Spanien der Wechsel von einer Diktatur zu einem demokratischen System vollzogen wurde, ist es endlich möglich, die Staatsarchive und Unterlagen einzusehen, und mit diesen ein Bild der jüngeren spanischen Geschichte zu zeichnen.
Walther L. Bernecker ist Professor für Neuere Allgemeine Geschichte, zudem ist er Autor einiger Bücher zur spanischen Geschichte. Die erste Auflage des hier besprochenen Werkes "Spaniens Geschichte seit dem Bürgerkrieg" erschien schon 1984. Seitdem wurde es erweitert und aktualisiert, so dass die aktuelle, dritte Auflage, nun bis zum Jahr 1996 reicht.
Insgesamt ist das Buch in 12 Großkapitel gegliedert. Die ersten beiden beschäftigen sich mit der Zeit vor dem Bürgerkrieg, und mit dem Krieg selbst. Bei der Vorkriegsgeschichte wird in erster Linie auf die Probleme eingegangen, die bis in die Achtzigerjahre hinein die großen Probleme des Landes blieben: Die Agrarfrage, das Ungleichgewicht zwischen Land- und Stadtbevölkerung, sowie die Verhältnis des Staates zum Militär und zur Kirche. Auch die Beschreibung des Krieges bleibt auf die wichtigsten Daten beschränkt, die Involvierung anderer Staaten, sowie die innere Entwicklung in beiden Kriegszonen. In den Kapiteln Drei bis 10 wird anschließend die Entwicklung des franquistischen Spaniens bis zu Francos Tot im Jahre 1975 beschrieben. Dabei geht der Autor chronologisch vor, stellt die einzelnen Großkapitel jedoch zusätzlich unter ein Themengebiet, wie die Struktur des neuen Staates, die Hungerjahre, die außenpolitische Konsolidierung, die Jahre des Aufschwungs, und die Krise des Regimes. Im elften Kapitel wird schließlich die Umwandlung der Diktatur in eine Demokratie näher beleuchtet, und im zwölften und letzen Kapitel die gesamte Geschichte einer kurzen Schlussbetrachtung unterzogen.
Insgesamt besticht das Buch in erster Linie durch die sehr gute Gliederung, die es dem Leser leicht macht, der Geschichte zu folgen. Der sachlichen und politisch neutralen Geschichtsbetrachtung steht ein guter Schreibstil gegenüber, der das Buch interessant und leicht lesbar macht. Walther Bernecker gelingt es, die Probleme Spaniens, und vor allem auch deren Wurzeln darzustellen. So entsteht eine sehr gute Darstellung der jüngeren spanischen Geschichte.