Hallo,
ich bin heute aus den Pyrenäen zurück. Im Vorfeld habe ich mir das komplette Buch durchgelesen, aber sicherheitshalber auch den englischen Guide "Through the Spabisch Pyrenees: GR11" (Paul Lucia) gekauft und mitgenommen.
Hartmut Stahns Buch ist meiner Meinung nach nicht empfehlenswert. Vom Kauf würde ich leider abraten:
- Der Aufbau lieblos und unstrukturiert,
- die Angaben unpräzise,
- die Empfehlungen z.T. desolat.
Bsp.:
Als Reisezeit nennt Herr Stahn ab Ende Mai. Ich war ein Tag (am 5.Juni) in den Pyrenäen und bin nur eine Etappe gewandert - und das, obwohl mir Einwohner aufgrund der Schneeverhältnisse abgeraten haben. Diese ging bis auf 2200m -- ab 1700m musste ich die ersten Schneefelder queren (an Abhängen...), ab 1900m hat man den Weg nicht mehr sehen können, da verschneit. Der GR11 geht bis auf knapp 2800m hoch - wie kann Herr Stahn also Ende Mai nennen?
Vergleich zum oben genannten englischen Wanderführer: Dieser empfiehlt "frühestens" eine West -> Ost - Querung ab dem 7.Juni. D.h., nach 10 Tagen erreicht man erstmals die 2000m-Höhenmarke. Korrekterweise gibt der englischsprachige Reiseführer den klaren Hinweis, dass auch Mitte Juni einige Pässe unpassierbar sein können - wie dieses Jahr der Fall ist.
Streckenbeschreibung:
Die Streckenbeschreibung von Herrn Stahn empfinde ich als unpräzise und unstrukturiert. Häufig findet man die Formulierung "Kurz nachdem Sie ... passiert haben". Was bitte schön ist "kurz nachdem"? 100m? 1km? 5min? 20min?
Der oben genannte engl. Reiseführer hat einen strukturierten Aufbau: jeder Paragraph beginnt zunächst mit der bisher zurückgelegten Gehzeit plus Standortbezeichnung plus Höhenangabe. Diese kleine Mühe hat sich Herr Stahn nicht gemacht.
Außerdem ist im engl. Reiseführer für jede einzelne Tagesetappe der entsprechende Kartenauszug abgedruckt. Diese war für mich ausreichend, so dass ich ohne zusätzliches Kartenmaterial ausgekommen bin. Ein Kartenauszug für jede einzelne Tagesetappe hat der Reiseführer von Herr Stahn ebenfalls nicht.
Zusatzinformationen:
Herr Stahn schreibt desöfteren, wo das Essen besonders toll schmeckt, welcher Wirt besonders nett ist, u.a.. Das sind meiner Meinung nach Informationen, die
a) nicht unbedingt wichtig sind, weil subjektiv (dann schon lieber eine präzisere Wegbeschreibung)
b) nach wenigen Jahren veraltet sind (weil bspw Hostal xy nicht mehr existiert...)
Auch hier fand ich den engl. Reiseführer hilfreicher, da dort relevante Informationen wie z.B. eine Übersicht über alle Refugios und Campingplätze kompakt auf vier Seiten tabellarisch zusammengefasst sind.
Natürlich kann man die Lektüre kaufen und mitnehmen, aber wenn dann meiner Meinung nach allerhöchstens als Zweitlektüre! Das englischsprachige Pendant hingegen ist meiner Meinung nach sehr empfehlenswert.