Die letzten Stücke für Klavier solo von Johannes Brahms sind trotz all Ihrer Melancholie, die die Endlichkeit der Dinge suggerieren, auch Werke, die einen fast unendlichen Lebenswillen ungetrübt zum Ausdruck bringen. Die zwanzig Stücke formen mit ihren 20 individuellen Gestalten und Charakteren einen lebendigen Mikrokosmos an Emotionen. Diesen in seiner Gesamtheit darzustellen, ist eine große Herausforderung, die Anna Gourari souverän und doch anrührend meistert.
Umwerfend gelingen Anna Gourari die virtuosen, kraftvollen Stücke dieser Klavierzyklen. Atemberaubend die Darstellung der nur so vor Energie und (Lebens-)Freude strotzenden und virtuos-unbändigen Rhapsodie, die den lebensbejahenden Abschluss dieser in der Musikgeschichte in ihrer Gesamtheit unvergleichlichen Klavierzyklen darstellt. Hier scheint die explosive Geste dieser Musik plötzlich alles Lebensversagende unmissverständlich von sich zu weisen.
Ebenso grandios, und vielleicht sogar noch ein wenig überzeugender, sind auch Anna Gouraris Deutungen der leiseren, introvertierteren und unendlich poetischen Miniaturen von Brahms. Das mystische Klavierspiel", von dem die Jury des von Anna Gourari gewonnenen Clara-Schumann-Wettbewerbs (Joachim Kaiser, Martha Argerich, Alexis Weissenberg, Nelson Freire, Vladimir Ashkenazy u.a.) spricht, wird hier hörbar fasslich und nachvollziehbar.
Die klangliche Farbpalette ihres Klavierspiels scheint so unendlich vielfältig zu sein wie das Leben selbst. Es sind diese wunderbaren klanglichen Nuancen, die diese Musik so großartig zum Blühen bringen - berührende Momente tiefster Versunkenheit, denen man beim Hören teilhaftig wird!
All der Emotionalität zum Trotz verliert Anna Gourari ,den großen Bogen' dennoch niemals aus dem Blick. In ihrer Interpretation liegt eine Stringenz, die der Musik von Brahms ausnahmslos gerecht wird. Die Verbindung ihres großartigen Klangempfindens und ihrer pianistischen Überlegenheit zusammen mit der höchstseriösen Realisierung und hochmusikalischen Umsetzung des Notentextes lassen diese Aufnahme zum musikalischen Erlebnis werden. Allen Klavierfans uneingeschränkt empfehlenswert!!!
Der Textbeitrag des renommierten Dirigenten und Muikwissenschaftlers Peter Gülke ist anspruchsvoll und sehr lesenswert.