Plötzlich taucht ein alter Jugendfreund wieder auf. Was heißt, EIN guter Freund, DER Jugendfreund schlechthin, den Frank seit über 20 Jahren nicht gesehen hat. Aus gutem Grund. Und sicher taucht er nicht nur deshalb auf, weil er ein gescheiterter Künstler ist und Arbeit braucht, zumal unter so seltsamen Umständen. Frank versucht Gideon aus seiner geordneten bürgerlichen Existenz fern zu halten, aber der Eindringling aus der Vergangenheit schleicht sich nicht nur zielsicher in sein Familien- und Berufsleben ein, sondern auch in Franks Innenleben. Allmählich kommt die Erinnerungsmaschine in Gang, und schon gibt es kein Zurück mehr. Spannend von der ersten Seite, vielschichtig und symbolisch in den Motiven und raffiniert gebaut ist Dirk Dobbrows Roman ein Thriller um ein altes Geheimnis zwischen Freunden, der mehr im Inneren der Figuren abläuft. Die Realitätsebenen verschmelzen: Traum, Erinnerung, Kunst... Eine schöne Mischung aus Handlungsroman und Bewussteinsstrom, in der man die vorwärtsdrängende, mit Rhythmus und Wiederholungen arbeitende Sprache aus Dobbrows dramatischem Werk wiederfindet. Hinter der Fassade des bürgerlichen Lebens baut sich allmählich das Thema der individuellen Schuld auf, wie in einem Film von Claude Chabrol. Das alles zusammen hat eine große Kraft.