*Seit drei Wochen hatte es nicht mehr geregnet. Margarete Gmeiner lief seit drei Wochen täglich am späten Nachmittag zum Friedhof, die Blumen auf dem Grab ihres vor drei Jahren verstorbenen Mannes zu gießen. Sie hatte Salvien gepflanzt, Geranien und Zinnien; jeden Herbst riss sie die abgeblühten Blumen aus und setzte das Grab voll mit bunten Astern. Obwohl ihr niemand die siebzig Jahre ansah, sie wirkte wie fünfzig, fraulich und resolut zugleich, litt sie unter der Hitze. Sie verschnaufte mehrmals auf dem zwei Kilometer langen Weg von ihrer Wohnung in der Neubausiedlung am Rande der Altstadt bis zum Friedhof, sie wischte sich verstohlen, als schäme sie sich dessen, den Schweiß von Gesicht und Nacken und sah sich dabei um, ob sie von jemandem beobachtet würde. An diesem Spätnachmittag im Juni ruhte sich die Gmeiner lange aus auf einer Bank vor der Hauptwasserstelle des Friedhofes, unter einer weitausladenden Blutbuche, und atmete schwer. Sie war noch erbost über ihre Freundin Hildegard, mit der sie sich wieder einmal gestritten hatte. Hildegard mischte sich in letzter Zeit in alles ein. Immer aufdringlicher beredete sie Margaretes Angelegenheiten, wollte alles und genau wissen, spielte sich auf, als sei sie zu Margaretes Vormund bestellt. Hildegard war rechthaberisch geworden und unleidlich dazu. Seufzend erhob sich die Gmeiner und tauchte ihre große Plastikgießkanne in den Wasserbottich. Während sie sich mehrmals vergeblich mühte, die randvoll gefüllte Gießkanne aus dem Wasser zu heben, griffen zwei Hände neben ihr zu, hoben die Gießkanne heraus und stellten sie vor den Füßen der Gmeiner ab. Erstaunt sah sie auf ...*
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Zum Inhalt: "Jetzt fangen wir an zu leben. Wir können nicht mehr alles nachholen, aber das wollen wir ja auch nicht." Mit stolzen siebzig Jahren blicken der ehemalige Schneidermeister Wolfgang Burger und die Witwe Margarete Gmeiner bereits auf ein bewegtes Leben zurück - beide mit Besonderheiten nicht verschont. Doch Wolfgang Burger ist überzeugt, die Liebe auch im fortgeschrittenen Lebensalter noch finden zu können. Zwischen ihm und Margarete entwickelt sich dann auch eine innige Freundschaft, die beiden ein scheinbar neues Lebensglück verheißt, doch zunächst müssen sie ihr spätes Glück gegen viele Widerstände durchsetzen.
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Fazit und Anmerkungen: "Späte Liebe" ist der Band 6 der 'Max von der Grün' - 10-bändigen Werkausgabe im Pendragon Verlag.
Diese Erzählung Max von der Grüns (1982) beweist, dass Liebe und Glück keine Frage des Alters ist. Eine Erzählung gegen den Jugendwahn der Leistungsgesellschaft (heutzutage aktueller denn je ...): "Immer ist Jugend Trumpf; es wird so getan, als gebe es weder Alter noch Tod."
Band 6 wird ergänzt durch die Texte "Masken", "Der Bettler", und "Alt werden - eine Strafe?". Zudem ein Interview sowie ein ungewöhnliches, beeindruckendes Nachwort von Klaus-Peter Wolf.
Liebe Leser: Bitte entdeckt Max von der Grün neu - es lohnt sich! - Wirklich!
[Reinhard Busse]