Nach fast zehn Jahren Wartezeit gibt es jetzt endlich eine Version des großartigen Filmes von Pierre Carles über den französischen Kultursoziologen Pierre Bourdieu mit deutschen Untertiteln.
Gezeigt wird fast ausschließlich Bourdieu in seiner Berufsrolle als professioneller Soziologe, der an Kongressen teilnimmt, Vorlesungen hält, jüngere Wissenschaftler berät, im Fernsehen auftritt und rastlos von Ort zu Ort reist. Dagegen bleibt die Privatperson Bourdieu fast völlig außen vor, von kurzen Rekursen auf den Briefe austragenden Vater, seine Zeit in Algerien, gelegentlichen Tennismatches sowie Badefreuden im Urlaub einmal abgesehen, die er auch in seiner Vorlesung "Ein soziologischer Selbstversuch" erwähnt. Statt dessen konzentriert sich der Film auf Bourdieus Medienpräsenz, die nicht zuletzt vom Zeitdruck bestimmt war, der vom Lehrstuhlinhaber am Collège de France selbst aufs heftigste kritisiert worden war. Immer wieder versucht Bourdieu in der Öffentlichkeit, seine anspruchsvollen Theorien in einer verständlichen Form darzustellen, was ihm aber nicht immer gelingt. Die komplexen Theorieangebote Bourdieus sind im Grunde genommen gar nicht für mündliche Kommunikation oder das Massenmedium Fernsehen geeignet, und es gelingt Carles in überzeugender Weise zu demonstrieren, dass sich Bourdieu dessen auch voll bewusst war. Dass er trotzdem diese Herausforderung angenommen hat, ist ihm hoch anzurechnen.
Besonders beeindruckend ist der Auftritt im Kulturzentrum des Problemviertels Val Fourré am Ende des Streifens. Hier schlägt dem weltbekannten Superstar der französischen Soziologie als Vertreter des wissenschaftlichen Establishments eine Welle der Empörung entgegen, die sich aus der Wut der Straße speist und ihn trotz seines Engagements für die Unterprivilegierten als bloß schöngeistig schwatzenden Soziologen abtun möchte. Mit viel Fingerspitzengefühl, aber auch mit großer Direktheit wehrt sich Bourdieu gegen diese Anfeindungen und versucht, den teils ziemlich aufgebrachten Diskutanten zu zeigen, dass sie sich mit ihrem klassentypischen Antiintellektualismus selbst das Wasser abgraben. Gleichzeitig weist er darauf hin, dass der Streit unbewusste Herrschaftsstrukturen enthüllt habe. Bourdieus Körpersprache zeigt indessen, welch Schweiß treibendes Geschäft diese Form kämpferischer Soziologie war. Der Titel, den Carles für seinen beeindruckenden Film gewählt hat, ist daher gut gewählt.
Jedem an Bourdieus Werk Interessierten sei diese mit einem schönen Begleitheft einherkommende DVD wärmstens empfohlen.