Der Durkheimsche Text ist ein Klassiker, auf den ich deshalb hier nicht weiter eingehen will. An diesem Band ist jedoch auch das lange Vowort von Adorno bemerkenswert. Es bezieht sicht nicht nur auf den vorliegenden Text, sondern insgesamt auf den Durkheimschen sozialphilosophischen Ansatz. Adornos Kritik ist scharfsinnig und ätzend zugleich. Er wirft Durkheim vor, besonders durch die Reifizierung des gesellschaftlichen Kollektivs als selbständigem Subjekt einer Mystifizierung des Gesellschaftlichen Vorschub zu leisten statt die Erkenntnis über die tatsächlichen gesellschaftlichen Strutkuren zu fördern. Das mag der Sache nach stimmen. Adornos eigenwilliger, eitler Stil sagt aber auch viel über ihn selbst. Aus seiner Kritik spricht arrogantes Oberlehrertum und eine Aggression, die seine Kritik teilweise entwertet. Adorno verfällt selbst dem Angriff, den er gerne gegen andere führte: Er ist ein subtiler Demagoge, der seine Selbstgerechtigkeit und Unfairness mit brillanter Argumentation überspielt. Fragt sich nur, wieso eine solche vernichtende Kritik an einem Autor als Vowort gerade seinem wichtigsten Text vorangestellt wird. Dem hätte ein lebender Autor nie zugestimmt. Ich vermute, dass Adorno, zu Lebzeiten selbst Autor des Suhrkamp Verlages, sich persönlich vorgedrängelt hat, um seine Ansicht über Durkheim unterzubringen. Anders ist diese äußerst unsensible Merkwürdigkeit nicht zu verstehen.