Nach mehr als 50 gelesenen Markenbüchern dachte ich eigentlich, dass in „Soziologie der Marke" eigentlich nicht mehr viel Neues stehen kann. Denkste! Mit seiner Habil.-Schrift ist es Kai-Uwe Hellmann gelungen, einen neuen Blickwinkel auf Marken freizulegen, der bislang von Markenwissenschaftlern übersehen wurde und den es lohnt, kennen zu lernen.
Ausgangspunkt bilden 160 Seiten zur „Ökonomie der Marke", auf denen u.a. die Marke als Technik, Persönlichkeit und Kommunikation vorgestellt und anschließend „Die Entdeckung des Verbrauchers" erfolgt. Auf diese Weise legt Hellmann die die Grundlage für den zweiten Teil, den soziologischen Kern des Buches.
Auf den sich anschließenden knapp 300 Seiten seziert Hellmann als Erster umfassend die „Soziologie der Marke". Methodisch greift er auf zentrale Dualismen zurück, wobei ausgehend von „Marktwirtschaft und Marke" anschließend die Relation der Marke zur „Werbung", zum „Produkt", zum „Konsum" und zum „Milieu" im Fokus seiner gut formulierten Ausführungen und meist leicht nachvollziehbaren Gedankengänge steht.
Viele gut ausgewählte Zitate bekannter und auch weniger bekannter, weil vergessener Markenvordenker und ausgewählte Schwarz-Weiß-Abbildungen verdeutlichen das von ihm freigelegte soziologische Muster der Marke. Besonders hervorzuheben sind auch die Exkurse zur Systemtheorie von Luhmann, die man in anderen Markenfachbüchern genauso vergebens sucht wie zum Teil von Hellmann wiederentdeckte bzw. aus anderen Fachbereichen einfließende Erkenntnisse, die bisher vom „Markenradar" der meisten Markenwissenschaftler nicht erfasst wurden.
Das kleinformatige 530-Seiten Werk (davon 80 Seiten Literaturangaben) zum günstigen Preis eignet sich für interessierte Markeneinsteiger und versierte Markenkenner gleichermaßen. Es gibt Sie noch, die Neuentdeckungen im Meer des Markenwissens. Hellmanns „Soziologie der Marke" ist eine davon. Bem(a)rkenswert!