Ein Buch, bei dessen Gegenstand nicht unbedingt auf fesselnde Lektüre spekuliert werden sollte, ist dies doch eher ein Arbeitsbuch, welches in Problemfällen herangezogen werden kann. Das Buch ist in 16 Kapitel aufgeteilt, wobei der ökonomische Hintergrund besonders zutage tritt, speziell in den ersten drei Kapiteln, die die Entstehung der Industrie- und Klassengesellschaft nachzeichnen. Nach einem Abschnitt über Eliten folgen vier Kapitel über die Entwicklung der Arbeitsverhältnisse (Selbständige, Dienstleistungsgesellschaft, Arbeiterschichten und Arbeitslose), darauf folgt ein kurzes Kapitel über ethnische Minderheiten. Neben der soziologischen Grundausstattung über sozialer Mobilität, Bildungssystem, Demographie und Familienentwicklung ist ein Kapitel der "sozialen Ungleichheit zwischen Frauen und Männern" gewidmet. Generell differenziert Geißler zwischen den Entwicklungen zwischen den Geschlechtern sowie zwischen Ost- und Westdeutschland, wobei die geschlechterbezogene Analyse auffallend zurückhaltend ist. Das kann an der empirisch-nüchternen Analyseform Geißlers liegen, durch die bestimmte Auswirkungen von Ungleichheiten nivelliert werden. Positiv ist hier jedoch, daß die Entwicklungen in der DDR nicht unter den Teppich gekehrt werden, auch wenn desöfteren noch die zu stark westdeutsch orientierte Sicht durchscheint. Trotz des zwar didaktisch gut aufbereiteten, jedoch argumentativ etwas eintönigen Verlaufs sind besonders die ersten Kapitel zur materiellen Entwicklung sowie die Abschnitte zur Geschlechterungleichheit, Bildungssysteme und der Familienentwicklung lesenswert. Alles in allem ein brauchbares, wenn auch teilweise zu unkritisches Buch, womit sich einige Argumente empirisch untermauern lassen und zudem Neulinge mit den wichtigsten soziologischen Grundbegriffen und -modellen vertraut gemacht werden. (Dies ist eine Amazon.de an der Uni-Studentenrezension.)