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Sozialistisches Strandgut: Leo Kofler. Leben und Werk (1907 - 1995)
 
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Sozialistisches Strandgut: Leo Kofler. Leben und Werk (1907 - 1995) [Gebundene Ausgabe]

Christoph Jünke
5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)

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Produktinformation

  • Gebundene Ausgabe: 701 Seiten
  • Verlag: Vsa; Auflage: 1., Aufl. (April 2007)
  • Sprache: Deutsch
  • ISBN-10: 3899651979
  • ISBN-13: 978-3899651973
  • Größe und/oder Gewicht: 22,6 x 16,2 x 5,4 cm
  • Durchschnittliche Kundenbewertung: 5.0 von 5 Sternen  Alle Rezensionen anzeigen (1 Kundenrezension)
  • Amazon Bestseller-Rang: Nr. 1.472.421 in Bücher (Siehe Top 100 in Bücher)

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Christoph Jünke ist Historiker, politischer Journalist und Vorsitzender der Leo Kofler-Gesellschaft e.V.

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Von Belaew
Format:Gebundene Ausgabe
Christoph Jünke - Historiker, Journalist und Vorsitzender der Leo-Kofler-Gesellschaft e.V. - hat mit dieser Biographie Leo Koflers ein Meisterwerk verfasst.

Leo Kofler, geboren 1907 in Ostgalizien als Sohn einer jüdischen Familie, muss mehrmals in seinem Leben fliehen und durchlebt viele verschiedene Stationen, die ihn auf seinen eigenwilligen Weg zu einem anti-stalinistischen und zutiefst humanistischen Marxismus führen.
Kofler kommt als Jugendlicher in das "Rote Wien", wo er zum Austromarxisten und Schüler Max Adlers wird. Dort schon entwickelt er ein Verständnis für das Widersprüchliche (wenn auch nur als Form einer bloßen Subjekt-Dialektik) und ist aktiv in die österreichische Sozialdemokratie involviert. Mit der Faschisierung Österreichs flieht er in die Schweiz, wo er als Flüchtling Diskriminierung und Askese durchlebt. Schließlich kommt er aufgrund seiner herausragenden Schrift "Wissenschaft von der Gesellschaft" und seiner politischen Ansichten in die SBZ, um dort als Professor in Halle seinen undogmatischen Marxismus zu lehren. Im Zuge der Stalinisierung der DDR wird er jedoch wegen dieses undogmatischen Marxismus verleumdet und muss seinen Traum von einem Leben im ostdeutschen "Sozialismus" aufgeben und flieht statt dessen in die BRD. Aber auch dort wird er nur wenig akzeptiert und muss ein Außenseiterleben führen und als umherziehender Lehrer seinen Unterhalt verdienen. Trotz theoretischer Vorwegnahme der "Neuen Linken" und der 68er wird er gerade von diesen kaum beachtet. Erst in den 70er Jahren erhält er erneut eine ersehnte universitäre Anstellung. In seinem Leben meist totgeschwiegen, isoliert, ignoriert und verkannt stirbt Kofler 1995 in Köln als ein hervorragender Marxist, aus dessen Leben Linke und vor allem undogmatische Marxisten Schlüsse ziehen werden, die Vieles verständlicher und einfacher machen können.

Leben und Werk Koflers werden in 7 Kapiteln auf knapp 650 Seiten nachgezeichnet. Der Autor, selbst ein Kofler-Schüler, überzeugt mit "einer bei Kofler gelernten "Methode der verstehenden Enthüllung der historischen Wesenheit""(G. Brakelmann) bei seiner Interpretation des koflerschen Lebens und Werkes. Dabei wird herausgestellt, dass der an dem Austromarxisten Max Adler und an Georg Lukacs geschulte Kofler zu den herausragendsten Marxisten des 20. Jahrhunderts gezählt werden und in einem Atemzug mit Lukacs, Bloch, Gramsci, Adorno und Abendroth genannt werden kann. Zu Unrecht ist Leo Kofler weniger bekannt als die anderen Vertreter des "westlichen Marxismus".
Die sieben Kapitel des Buches sind chronologisch und nach Ort geordnet, die Unterkapitel behandeln einzelne Themen im Bezug auf Kofler, wobei immer die gesellschaftlichen Umstände und persönlichen Beziehungen Koflers dargestellt werden und sehr lebendig wie anschaulich machen, welche Optionen Kofler hatte und welche Entscheidungen er traf. Durch die Betrachtung und Darstellung der gesellschaftlichen Totalität um Kofler wird also sein Leben verständlich und sein Handeln nachvollziehbar. In einzelnen Abschnitten widmet der Autor Koflers größeren Werken viel Aufmerksamkeit und stellt diese wiederum in den Kontext der damaligen Verhältnisse. Dabei werden die großen Themen Koflers wie etwa Subjekt-Objekt-Dialektik, die Einheit von Arbeit und Bewusstsein, die marxistische Anthropologie, Humanismus, Ideologie- und Bürokratiekritik und die Theorie der "progressiven Elite" eingehend problematisiert und aus der dialektischen und humanistischen Sicht Jünkes kritisiert. Damit geht Jünke zugleich über seinen Lehrer Kofler hinaus, was sich besonders an seiner Kritik des koflerschen immer wieder aufscheinenden hegelianischen Fortschrittsoptimismus, an seinen reformkommunistischen Illusionen bezüglich des stalinistischen Ostblocks, an seiner Überbetonung und Verabsolutierung der Intention handelnder Menschen sowie an seiner Abgrenzung von Koflers "erziehungsdiktatorischen" Tendenzen zeigt.
Insgesamt ist das Buch angenehm zu lesen, bringt sicher die meisten Leser politisch, historisch und intellektuell weiter - erzielt also Aufklärung im besten Sinne - und sieht dabei auch noch schick aus. Christoph Jünke zeigt damit, dass er sowohl ein aufmerksamer Schüler Koflers wie ein hervorragender Historiker ist.

Kapitel 1: Eine Insel im Ozean: Kindheit in Ostgalizien
Kapitel 2: Eine etwas andere Arbeiterbewegung: Im "Roten Wien" 1915-1938
Kapitel 3: Arbeitsdienst und Wissenschaft: In Schweizer Flüchtlingslagern 1938-1947
Kapitel 4: Hoffnung in Trümmern: Im ostdeutschen Sozialismus 1947-1950
Kapitel 5: Von der Heimatlosen Linken zur Progressiven Elite: Die bundesdeutschen 1950er Jahre
Kapitel 6: Hegemoniekämpfe: Die Neue Linke der 1960er Jahre
Kapitel 7: Der Herbst des Philosophen: Bochumer Jahre
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