hätte David Lynch irgendeinen sinn für humor und special-fx geladene science-fictiontrips ... vielleicht würde er filme wie Southland Tales drehen. nach jahren des hypes um Kellys erstling Donnie Darko stand der regisseur natürlich unter enormen erwartungsdruck. fans und kritiker waren sich ja einig, ein neues regiewunderkind entdeckt zu haben. als dann 2007, nach subtilen viral-marketing-gags und einer der filmhandlung vorangestellten graphic novel-reihe der film bei kritik und festivalbesuchern durchfiel ("the most disastrous since, yes, brown bunny." ... das sagt eigentlich schon alles über das urteilsvermögen des entsprechenden kritikers), erschien er jetzt über kurz oder lang auf DVD
was soll ich sagen? mit dem nachfolger zu seinem debüt beschreitet und verfolgt Richard Kelly neue wege, abstruse wege, verwirrende wege ... labyrinthe. auf der anderen seite bleibt einiges auch beim alten: wieder werden randgefilde des raum-zeitkontinuums erkundet, augen ausgeschossen und apokalypsen heraufbeschworen, auf der soundspur brummen ambient und klassiker um die wette und die darsteller rekrutieren sich aus schauspielern der kategorie dwayne 'the rock' johnson, sarah michel gellar, christopher lambert, sean william scott und yeah: justin timberlake
wie auch schon bei Donnie Darko, ist der plot hier nicht wirklich zusammenfassbar: 2008, der 3. weltkrieg hat begonnen, die welt gehört den USA ... und die USA gehören konzernen. zwischen nachrichtenfetzen und propagandafilmchen in bester Starship Troopers-manier werden mehrere bizarre handlungstränge zusammengeführt, die ohne mit der wimper zu zucken atombombenabwürfe aus normalbürger-perspektive, musicaleinlagen mit einem blutverschmierten & besoffenen justin timberlake, kopulierenden PKWs und zeitreisenden affen kombinieren ... neomarxistische untergrundbewegung vs. konzernokratie, die apokalypse vs. amnesie, schicksal vs. selbstbestimmung ... Kelly jagt seine zugedrogten charaktere durch jede menge bizarre szenarios und lässt einen dabei als zuschauer auch hin und wieder kopfschüttelnd und grübelnd im nirgendwo stehen, ohne aber in die völlige abstraktheit eines lynch-filmes abzudriften
der film Southland Tales umfasst dabei die finalen 3 Teile IV: temptation waits, V: memory gospel & VI: wave of mutilation der reihe, die mit der graphic novel begonnen wurde. obwohl der film einem nach dem ersten durchlauf sowieso etwas ratlos zurücklässt, empfehle ich die lektüre der anderen teile I: two roads diverge, II: fingerprints & III: the mechanicals vor'm anschauen des filmes ... es könnte einige verständnisprobleme lösen und wissenslücken schließen
FAZIT: bizarrer science-fictiontrip, clever gemacht, eindruckvoll umgesetzt, geheimnisvoll verwoben und irgendwo auch mit humorvoller satire und spitzfindiger kritik beseelt ... für freunde des etwas verwirrenderen kinos, denen 150mins puzzelei nicht zuviel des guten sind