Warum kauft man sich einen Bildband?
Mir zum Beispiel wollen Urlaubsphotos einfach nicht gelingen. Das mag jetzt ein prosaischer Grund sein. Aber dennoch muss ich ihn einfach mal offen aussprechen. Ich werde einem Hai nie so nahe kommen, um ihn wie hier in diesem Buch photographieren zu können. Und ich werde auch nie ein so sattes Grün erreichen wie in den diversen Landschaftsaufnahmen aus den einmaligen Naturparks dieses Landes im Süden von Afrika. Ich werde es nie schaffen, den Augenblick festzuhalten, an dem die Sonne wie in einem magischen Moment durch die Wolken stößt, um eine schöne Landschaft wie mit einem Scheinwerfer zu erleuchten. Und ich werde es auch kaum schaffen, sieben gestandene, alte Herren in einer Reihe vor einer so malerischen Hauswand zu versammeln wie hier.
Aber ein guter Bildband ist ja noch etwas mehr. Nämlich ein kleiner Ersatz für eine Reise. Denn obwohl Südafrika auch noch auf meiner Liste der Wunschreisen steht, wird es dieses Jahr nichts werden. Ich werde dahin reisen, wenn kein anderer dorthin reisen will. Und so hilft mir dann dieser Bildband weiter, wenn ich das tun will, was ich auch auf Reisen machen will, nämlich etwas über ein Land und seine Menschen erfahren. Dass Südafrika wunderschön ist, das erfährt man schon aus Reiseberichten der letzten dreihundert Jahre. Hier sieht man, dass sich trotz aller Industrialisierung und Urbanisierung die Schönheit dieses Landes bis heute erhalten hat. Man sieht aber noch mehr. Man sieht auch, wie unterschiedlich die Menschen in diesem Land leben. So wie Berge und Meer immer wieder für einen besonderen Kontrast auf den Bildern sorgen, sind es hier die Aufnahmen aus den unterschiedlichen, sozialen Umgebungen, die dieses Land kennt. Reichtum, Armut, Modernität, Verfall, all das findet sich in den Bildern dieses Buches wieder. Fällt eigentlich nur mir auf, dass die neuen Fußballstadien auf einigen der Bilder wie Fremdkörper wirken?
Photographiert hat hier nicht nur Michael Poliza, der dem Verlag teNeues bereits einige Erfolgsbücher beschert hat. Dessen Blick auf das Land wird durch eine Reihe von einheimischen Photographen ergänzt, die ihre eigenen Ansichten beigetragen haben. Zu meiner Schande muss ich jedoch gestehen, dass es mir nicht gelungen ist, hier zwischen dem mir bekannten Poliza und seinen Kollegen zu unterscheiden, ohne auf die kurzen Bildbeschreibungen mit Angabe des Urhebers auf den sechs Seiten am Schluss zu sehen. Allenfalls die wenigen Photos von Craig Fraser, der eher Menschen als Landschaften oder Tiere in Szene setzt, scheinen mir hier herauszustechen. Ergänzt wird der wie üblich mehrsprachige Band noch durch ein kleines Essay zum Land Südafrika und durch einige Informationen über die Photografen (diese allerdings nur auf Englisch).
Ein Punkt der Kritik muss aber dann doch genannt werden. Mir liegt hier das Softcover vor. Und obwohl dieses für weniger als die Hälfte des Preises für die aufwendigere Bindung des Harcovers zu haben ist, macht dies für mich doch keinen Sinn. Denn das Format des Bandes ist einfach so groß, so dass das Buch nicht stabil wirkt. Man hat eher das Gefühl, eine Zeitschrift in der Hand zu haben, die man am besten auf einer festen Unterlage liest, um die Bilder komplett sehen zu können. So sollte man das Buch auch eher zwischen zwei mindestens gleich große Bildbände im Regal stellen, damit es sich nicht biegt - wenn man es nicht gleich im Liegen lagert. Schließlich ist das ein weiterer Grund, warum man sich Bildbände leistet - großartige Bücher fassen sich gut an, sie sehen einfach in der eigenen Wohnung gut aus, manchmal riechen sie sogar gut. Als Hardcover jedenfalls.