Aus der Amazon.de-Redaktion
Wider alle Hörgewohnheiten lautet die Devise schon beim Auftakt zu „In Chains“ mit irritierendem Kurzwellen-Gepiese und Frühzeit-Elektronik, das in eine düstere Hymne über Begehren übergeht. Thematisch bleibt das Trio also auch wieder ganz hedonistisch bei sich selbst, bei erotischen Obsessionen, seelischen Abgründen und intelligent verpackten Arroganz. Wie etwa bei „Hole To Feed“ mit einem schrägen Rockabilly-Riff, „Come Back“ dem lautstarken, effektvollen Electro-Rock, dem Glam-Rock-Knaller „Corrupt“ und „Fragile Tension“, das eine zerrige Gitarre noch ungeduldiger und rigoroses klingen läßt. Kraftwerks Philosophie der„Mensch-Maschine“ spricht aus dem romantischen Maschinen-Stückchen „Little Soul“, Samples der deutschen Elektroniker tauchen auch beim Techno-Gospel „Peace“ und dem instrumentalen Electro-Dance „Spacewalker“ auf. Sinnliche Verführung und Sündenfall als Mystik-Ballade - das ist „Jezebel“, ganz ruhig und sehr hintergründig - und sehr eindringlich. Auch mit ihrem zwölften Album haben Depeche Mode wieder mit den Regeln des Popgeschäfts gebrochen: Alles andere als gefällig, dafür aber gefällts. - Ingeborg Schober
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Diese Band schafft es nun schon seit fast 30 (!) Jahren unverwechselbar einzigartig zu sein und dabei trotzdem immer wieder auch den Puls der sich verändernden Zeiten zu treffen. Den ersten Beweis, dass das auch diesmal wieder funktioniert, haben sie mit der Singleauskopplung "Wrong" bereits angetreten.
Ins Studio lud man sich neben Produzent Ben Hillier (der übrigens auch schon für "Playing The Angel" hinter den Reglern stand), vor allem lauter e-Bay-Päckchen, bestellt von Martin und voll mit analogen Synthesizern und absurden Klangmaschinen. Auch ein Markenzeichen dieser Band, die schon früh die absurdesten Geräusche in ihre Musik webte, doch geht es im neuen Sound-Universum insgesamt wieder elektronischer zu: da knarzt, knackt, blubbert, quietscht, klappert, piept und scheppert es, wie in guten alten Zeiten. Natürlich sorgfältig eingepackt in grandiose Melodie- und Songstrukturen, mit einer ordentlichen Priese Düsterkeit versehen und mit Pop gewürzt. So werden die ebenfalls bekannten Themen von Lust, (meist trauriger) Liebe, Abhängigkeiten, Sehnsucht, Romantik und Sünde von Daves markanter Stimme in die Songformen gegossen.
Stammten bei "Playing The Angel" schon drei Songs aus Daves Feder, so war er für "Sounds Of The Universe" nicht nur maßgeblich am Songwriting beteiligt, sondern diesmal gibt es sogar einen Titel, bei dem Dave und Martin sich die Credits teilen. Auch wenn es sicher auch den ein oder anderen schwächeren Momente auf dieser Platte gibt, ist sie eine mehr als gelungene Antwort auf die Frage, wie Depeche Mode 2009 klingen könnte.
Für die Die-Hard-Fans könnte es noch interessant sein, dass es "Sound Of The Universe" in gleich drei verschiedenen Varianten zu haben gibt. Neben der ganz normalen CD, gibt es nicht nur eine Deluxe-Edition, die neben der CD noch eine DVD enthält, auf der sich das Album in DTS 5.1 surround sound, ein paar Remixe, das Video und ein Film zum Album befindet. Der Fan-Traum schlechthin soll aber mit dem Box-Set wahr werden. Hier findet sich eine komplette zweite Audio CD mit Remixen und Bonus-Tracks aus der Albumsession (unter anderem auch der die Kollaboration von Martin und Dave), sowie eine dritte Audio CD, die exklusive Demos von alten und neuen, vor allem aber unveröffentlichten Tracks enthält. Natürlich auch hier die DVD mit noch mehr Filmmaterial und dann noch zwei Fotobücher: eins mit allen Texten und bebildert mit Aufnahmen von Anton Corbijn und eins mit Fotos aus der Entstehungsgeschichte des Albums.