In Flames...
Keine andere Band aus nordischen Gefilden im Metalbereich war im letzten Jahrzehnt so umstritten wie sie. Während einige meinten, sie würden in den Mainstream abdriften und sich verkaufen, behaupteten andere, sie würden sich weiterentwickeln. Überzeugende Argumente sind von jeder Seite vorhanden und von objektiver Sicht aus bis zu einem gewissen Grad nachvollziehbar.
Während "Come Clarity" zum schwedischen Albums des Jahrzehnts gewählt wurde und als teilweise Rückbesinnung auf ältere Sachen bezeichnet wurde, wurden Experimente, wie auf "A Sense Of Purpose" oder gerade "The Soundtrack To Your Escape" von anderen Fans gerade zu gehasst.
Ich stehe zu keiner der beiden Seiten, kann jedoch beide nachvollziehen, da iF ihren Stil definitiv verändert haben und ältere Fans das durchaus als "Verrat" ansehen, jedoch kann man ihnen nicht den totalen Ausverkauf anhängen, da sie Musik für sich machen und sich nicht nach dem Mainstream richten, da sie ihren Sound ständig verändern und auf die Gefahr heraus laufen, dass der Allgemeinheit der neuste Stil so gar nicht gefallen kann. Ich denke also, ich kann das Album relativ objektiv bewerten, da ich ziemlig unvoreingenommen an die Sache ran gehe.
Kommen wir also zu den Songs:
1. Sounds Of A Playground Fading
Der Song wird von einem düsteren, wenn auch melodischen cleanen Gitarren-Intro eröffnet und mündet dann in einem eher schnelleren, treibendem Riff. Man darf sich das ganze ungefähr wie in Metallicas "Battery" vorstellen. Das Mainriff wechselt geschickt zwischen Melodie und Härte ab, wobei der Refrain eher poppig und weitaus mehr melodisch daher kommt. Der Gesangstil von Anders Friden ist hier noch sehr dem von "A Sense Of Purpose" entsprechend: irgendetwas zwischen Screams und cleanem Gesang. Der Song endet dann in einem moshendem Riff.
4/5
2. Deliver Us
Die Vorab-Single, die mich ein wenig enttäuscht hat. Die doppelstimmigen Leads wissen zwar zu überzeugenden, aber der Refrain ist dann doch zu poppig. Elektronische Effekte, die verstärkt im Intro auftauchen, ziehen sich den ganzen Song hindurch. Das Solo weiß jedoch zu überzeugen, hier kommen dann auch wieder doppelstimmige Sologitarren zum Vorschein, wie man sie auch aus der In Flames Frühzeit kennt.
3/5
3. All For Me
Das Intro lässt sich mit dem des Titeltracks vergleichen und erinnert eindeutig an den melodischen Mittelteil des Songs "Zombie Inc." des Albums "Colony". Die Riffs sind hauptsächlich im Midtempo gehalten und bieten teilweise eine recht gute Lead, die jedoch zu sehr in den Hintergrund rückt. Der Refrain hingegen ist mir hingegen zu unspektakulär geraten, hier hätte Anders wesentlich bessere Leistungen zeigen können. Gegen Schluss kommt dann noch ein genialer ruhigerer, fast schon melancholischer Part, der auch wieder an das eben erwähnte "Zombie Inc." erinnert, bevor dann noch einmal der Refrain einsetzt.
4/5
4. The Puzzle
Rockt! Eine Uptempo-Nummer, die passend mit Blastbeats unterlegt ist und das Tempo um einiges anzieht. Hier sind die Gesangsleistungen von Anders komplett umgekehrt, als im vorherigen Song: der Refrain ist überragend, während der Gesang in den Strophen so gar nicht passt. Die Tonlage der Stimme passt einfach nicht zu der, der Gitarren. Das Outro harmoniert auch sehr gut zum Rest des Songs, hier setzt man auf harmonische und langsame, mehrstimmige Leads. Bisher bester Song, könnte auch auf Come Clarity passen!
5/5
5. Fear Is The Weakness
Wieder einmal eine Melodie, die zu überzeugen weiß. In Flames haben nach wie vor ein Geschick für ohrwurmverursachende Melodien, die einem im Kopf bleiben. Zudem wechselt man hier zwischen eher imposanten Riffs und eher etwas ruhigeren Riffs in den Strophen. Allerdings könnten die Gesangsleistungen auch wieder besser sein, denn ich bin der Meinung, dass, wenn man schon ankündigt, weniger Growls und Screams zu verwenden, man die anderen Gesangsleistungen doch top hinbekommt!
4/5
6. Where The Dead Ship Dwells
Sehr viele elektronische Einflüsse, sehr gute, vom Bass getragene Strophen, die teilweise an industriellen Metal erinnern und endlich mal ein clean gesungener Refrain, der mitreißt! So muss Weiterentwicklung klingen! Zwar wird auch hier fast ganz auf gutturalen Gesang verzichtet, aber auch der cleane Gesang weiß zu überzeugen! Ein typisches In Flames Solo, teilweise einstimmig, teilweise zweistimmig gespielt, dass trotzdem ein wenig unspektakulär im Vergleich zum Rest des Songs wirkt. Auch die höhere Tonlage im zweiten und dritten Refrain bekommt Anders ausgezeichnet hin.
5/5
7. The Attic
Klingt nach Überbleibseln von "The Chosen Pessimist" des letzten Albums, die zu einer Art Interlude zusammengebastelt wurden. Ich glaube, dass man "The Attic" nicht als vollwertigen Song nehmen sollte, sondern eher als Interlude oder Zwischenspiel, wie es sehr wahrscheinlich gedacht war, denn wenn das ein vollwertiger Song sein soll, ist er sehr schwach.
2/5
8.Darker Times
Schlägt in dieselbe Sparte, in die auch "the Puzzle" schlägt. Schnelle Riffs, ein wenig mehr Double-Bass Attacken und eine Härte, die wieder einmal auch zum Album "Come Clarity" gepasst hätte. Auch der Rfrein ist eher schnell und regt zum mitgröhlen an. Zudem noch ein paar Uptempo Soli und kleine elektronische Spielereien mit dem Synthesizer und fertig ist ein Kontrast Song, zu den eher im Midtempo gehaltenen, melodischen Songs.
5/5
9. Ropes
Fängt vielsversprechend an, denn das anfängliche Riff klingt ziemlich episch und erinnert an "Swim" vom Album "Clayman". Leider fällt der Song danach zu sehr ab und rauscht an einem vorbei, mir auch ein wenig zu "soft", man hätte hinter die Gitarren wesentlich mehr Druck bringen können und am Härtegrad mehr variieren können, denn das eben erwähnte Riff hätte etwas Besseres verdient.
3/5
10. Enter Tragedy
Sehr schöne Geschwindigkeitswechsel zwischen den sehr schnell gehaltenen Strophen, die passend mit schnellen Blastbeats unterlegt sind und dem epischen Refrain, der meiner Meinung nach einer der besten Refrains des Albums ist! Anders legt hier im gutturalen Bereich seine Glanzleistung hin! So gut und so aggressiv hat man ihn auf dem letzten Album bei weitem nicht schreien hören und es übertrifft auch teilweise andere Alben.
4/5
11. Jester's Door
Ähnlich wie "The Attic", auch wenn hier nahezu ganz auf Instrumente verzichtet wird. Den ganzen Song über werden einige wenige Noten auf dem Keyboard (?) gespielt, während Anders irgendetwas darüber nuschelt und gegen Ende kommen dann noch ein paar elektronische Drums dazu, was die Qualität jedoch nicht anhebt. Hier kann man getrost die Skiptatse drücken und sich den Song auch einfach als Interlude behalten.
1/5
12. A New Dawn
Genialität pur! Das extrem melodische und mitreißende Riff des Intros, das mehrmals vorkommt, ist ganz klar eine Hommage an ältere Zeiten, wie die Colony-Ära! Treibende, moshende Riffs wechseln sich mit melodischeren ab, ein Refrain, der einfach nur bombastisch ist und eine gelungene Abwechslung an Screams und einem ausgezeichnetem cleanen Gesang! In der Mitte des Songs befindet sich ein ruhiger, cleaner Gitarrenpart, der mit Streichinstrumenten unterlegt ist und mich an "The Jester's Dance" erinnert! Wieder ein Song, der sich als totale Überraschung entwickelt und das an vorletzter Stelle, eine eher eigenartige Stelle für solch einen Hammersong, auch wenn er teilweise etwas poppig ist.
5/5
13. Liberation
Ich hoffe, dass dieser Song eine Ausnahme bleibt, denn hier herrscht kein Metal mehr, sondern eher Alternative Rock der schlechten Sorte. Einzig und allein das Oldschool-Solo ist hörenswert. Alte Fans werden die Band spätestens mit dem Song den Ausverkauf vorwerfen und das mal wirklich begründet. Hier herrscht kein bisschen Authentizität und Eigenständigkeit und schon gar nicht der typische In Flames Sound, der bei allen Songs vorhanden ist, auch wenn sie ruhiger und poppiger ausgefallen sind. Alles in Allem: Schlechtester In Flames Song meiner Meinung nach.
1/5
Macht alles in allem 3.9, also abgerundet 4 Sterne, wenn man die zwei Interludes weglässt und 3.5 also auch abgerundet 4 Sterne, mit den Interludes.
Fazit:
Auch nach dem Weggang des Gründers und Songwriters Jesper Strömblad haben die Schweden ihr Gespür für gutes Songwriting nicht eingebüßt! Die Texte und Themen sind, wie erwartet, anspruchsvoll und stimmig. Es ist nicht ihr bestes Album, jedoch in gewohnt hohem In Flames Standard und auch wenn das Album eventuell einige Anläufe braucht, lohnt sich die Anschaffung definitiv. Ältere Fans dürfen einen Blick hineinwagen, da doch der ein oder andere Part an die alten Zeiten erinnert, sie müssen die Anforderungen jedoch herunterschrauben. Das letzte Album, welches für mich eher schwach ausgefallen ist, wird definitiv getoppt, in Vielseitigkeit, sowie teilweise in Härte, Melodie und Authentizität. Das Album ist zwar nicht so sauber abgemischt, wie man es sonst gewohnt ist, da auch die vielen elektronischen Spuren die Sache wesentlich erschwerrt haben dürfte, jedoch hätte man die Gitarren lauter und aggressiver gestalten können und die Drums druckvoller.