Interessanter, als es Raised Fist hier tun, kann man Hardcore wohl kaum gestalten. Soviel mal vorweg, wenn es an das Formulieren einer Meinung zu "Sound Of The Republic", dem neuen Album von Raised Fist, geht. Nach einer langen Pause, in der ich diese so grandiose Band doch sehr vermisst habe, hat Etwas stattgefunden. Etwas, das den 5 Schweden gezeigt hat, wie man musikalische Träume wahrwerden lässt.
Wir alle haben Raised Fist für ihre Kompromisslosigkeit und ihre anscheinend endlose Energie geliebt. Extrem straighter, treibender Hardcore erfüllt von Frontmann Alles hasserfüllten Vocals. "So muss Hardcore im neuen Jahrtausend klingen!", erinnere ich mich an eine Stimme zur "Dedication" von 2002. Als nun vor einigen Monaten bei Myspace das erste Puzzleteilchen des kommenden Albums auftauchte, war die Überraschung groß: Kein kompromissloses Geballer, sondern höchst experimentelle, teils sehr elektronische Arrangements. Uns war also klar, dass sich bei Raised Fist etwas getan hatte. Blieb die entscheidene Frage, ob diese wohl stattgefundenen Veränderungen positiver Natur seien, oder eher nicht.
April 2006. Sie sind es. Und das sogar ohne jegliche Einbußen! Anstatt irgendetwas markant zu verändern, sind sich Raised Fist ausnahmslos treu geblieben und haben lediglich etwas musikalischen Anspruch und musikalische Reife hinzugenommen.
"Sound Of The Republic" ist mein Hardcore-Sonnenaufgang dieses Jahres. Raised Fist machen ihre Fans mit gewohnter Härte und Dynamik glücklick. Doch um es nicht langweilig werden zu lassen, ist man erwachsener geworden und bietet mit interessanten Zwischeneinlagen, komplexen Melodien und tollen Songstrukturen eine musikalische Arbeit von höchstem Anspruch und mit einem wahrhaft großen Maß an Genialität.
Losgehen tut es druckvoll mit "You Ignore Them All", welches in Raised-Fist-Manier losmarschiert. Doch schon im nächsten Track "Perfectly Broken" entdeckt man sehr groovende Bassläufe und interessante Gitarrenlicks, wie wir sie von den Schweden bisher eigentlich nicht gewohnt waren. Die Höhepunkte dieses Variationsreichtums bieten meiner Meinung nach aber der Titeltrack "Sound Of The Republic" mit seinem wundervollen, clean gesungenem Refrain und das Stück "Some Of These Times", welches sogar eine Portion Funk beinhaltet.
Sound Of The Republic ist ein Album, wie es die Hardcore-Welt in dieser Zeit einfach brauchte. Neu, frisch, innovativ und irgendwie genial. Raised Fist sind wieder da - besser als je zuvor - und zeigen uns, dass auch 2006 im Hardcore-Genre noch Neues entdeckt werden kann, welches keinerlei die Wurzeln dieses Sounds vernachlässigen muss.
Arne, HighAndWasted.com