Wer hat nicht schon mal im Kino mit Herzklopfen und feuchten Händen gesessen und war durch brüllende Dinosaurier oder auch gänzlich unbestimmbare Klänge beeindruckt? Die Autorin öffnet uns mit dieser Studie die Ohren für Klangeffekte aller Art und besonders dafür, dass es nicht bloß nette Effekte sind, die auf der Oberfläche der akustischen Spur eines Films schwimmen, sondern von Sounddesignern kunstvoll hergestellte "Klangobjekte". Eine besondere Rolle spielen dabei die "unidentifizierbaren Klangobjekte" (augenzwinkern UKOs genannt), die deshalb hervorgehoben sind, weil sie von der sichtbaren Klangquelle im Filmbild getrennt sind. Die UKOs (Donnergrollen, Rauschen etc.) spielen eine Schlüsselrolle beim Druck auf die richtigen Gefühlsknöpfe des Kinozuschauers, denn sie wirken durch das hohe Maß an Unbestimmtheit besonders schnell und stark auf unsere Emotionen.
Die Faktenbasis für das Buch besteht aus 94 Filmen, welche Flückiger alle nach dem Kriterium "Oscar für den besten Ton/die besten Soundeffekte" aus den letzten 80 Jahren Filmgeschichte ausgewählt hat. 1995 endet allerdings die Filmauswahl mit "Apollo 13". Insgesamt ergibt dies ca. 25.000 Stellen mit Klangobjekten oder UKOs - eine beeindruckende Fleißarbeit. Die Auszählung der Klangobjekte ist lehrreich und zeigt, dass Filme durch die Soundeffekte je nach dominierendem Klang der Geräusche einen eigenen Klangcharakter erhalten: "Das Piano" ist ein 'Wasserfilm', "Amadeus" ist ein 'Holzfilm' und "Terminator 2" ein 'Metallfilm'. Oft stellt sich bei den zahlreichen Analysen ein Aha-Erlebnis ein, als ob man den akustischen Fingerabdruck eines Films immer schon unbewusst geahnt hätte. Interessant ist aber nicht nur, was es alles an Sounds gibt, sondern das für mich Spannendste sind die umfangreichen Beispielanalysen dessen, was diese Klangobjekte denn nun für den Charakter des Films bedeuten. Unter anderem wird die Verwendung von Klangobjekten in "Das Schweigen der Lämmer" und "Jurassic Parc" erklärt. Das alles ist lehrreich und gut lesbar geschrieben. Fachleute können einige Grundlagenkapitel überspringen, aber spannend sind die immer wieder zwischendurch eingestreuten Exkurse zur Verwendung von Sounds in ausgewählten Filmen.
Insgesamt eine hervorragend gelungene filmwissenschaftliche Studie, die Fachleute und interessierte Laien gleichermaßen anspricht. Der einzige Kritikpunkt, den ich anmerken möchte, ist die Auswahl nach dem Kriterium "Oskar-Gewinner". Dabei kann es passieren, dass epochemachende Filme herrausfallen, nur weil sie keine Prämierung für die Soundeffekte erhielten. So z.B. der Western "Spiel mir das Lied vom Tod" von 1968, in dessen Eröffnungssequenz sich die UKOs und anderen Klangobjekte (wie z.B. Schritte) fast auf die Füße treten. Aber das kann man vielleicht noch in einer späteren Auflage ergänzen. Ich halte das Buch für absolut empfehlenswert!