Im fruchtbaren Jahr 1990 legten die seinerzeit bereits hinlänglich etablierten Bay Area - Thrasher Testament Ihr Album "Souls Of Black" vor. Nicht unbedingt mit Lob überschüttet wurden sie in der Folge dafür, denn "Souls Of Black" stellte einen entscheidenden Einschnitt im Sound der Band dar. Eigentlich war schon der Vorgänger "Practice What You Preache" für Testament - Verhältnisse reichlich ungewohnt ausgefallen. Von den kompromisslosen Brutalo - Riffs der ersten beiden Alben kehrte man sich mittlerweile etwas ab, zugunsten eines ungemein heftigen überwiegend Midtempo - orientierten Thrash Metal - Sounds. Und wie das Leben nun mal so spielt: Das Wesen Mensch hasst größere Veränderungen und hätte es oft am liebsten, wenn sich eben nichts verändern würde. Bei Testament bin ich mir jedoch ziemlich sicher, dass die Veränderungen im Sound der Band ein Gewinn für die Szene waren. Songs wie "Face In The Sky", "Seven Days Of May", "Absence Of Light", "Malpractice" und natürlich der Titeltrack und Mega-Heavy-Giga-Knaller "Souls Of Black" waren ausgereifter, besser produziert (von Vicious Rumors - Haus und Hof - Produzent Michael Rosen) und irgendwie einfach auch ein Stück abwechslungsreicher als die Frühwerke der Band um Halbindianer Chuck Billy. Vom epischen "The Legacy" sollte ich das Schwärmen gar nicht erst anfangen, denn ich würde nur schwerlich wieder damit aufhören können. In Sachen Songwriting also schon mal ein Paradestück des Thrash - Genres. Doch auch musikalisch hatte man einiges zu bieten. Eric Peterson und Alex Skolnick, auf dieser CD zum letzten mal im Doppelpack zu hören, feuerten wahre Riffgewitter ab, die wenn sie denn unterbrochen wurden, von irrwitzigen Flitzefinger - Soli zerrissen wurden. Unglaubliche Breaks runden die Sache ab, so dass hier auch ein jeder Musiker mit der Zunge schnalzen dürfte. Keine Frage: Testament waren lange Zeit eine der besten, eine Zeit lang vielleicht sogar DIE beste, Thrash Metal Band der Szene. Leider schwächelten die harten Jungs nach "Souls Of Black" ein bisschen und veröffentlichten mit "The Ritual", "Low" und "Diabolic" drei absolute Vollmöhren, die man wirklich nicht braucht. Mit "The Gathering" schien sich das Blatt zu wenden: Ein gutes und solides Thrash - Album, eingespielt unter Mithilfe der créme de la créme der Szene, doch dann kam die schwerwiegende Krebs - Erkrankung von Frauntgaul Chuck Billy dazwischen, an der er ja nun schon einige Zeit laboriert.