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Den Großteil der aktuellen Musik hört man so nebenbei, als Beschallung beim Putzen, bei der Arbeit, im Auto usw. Für diese CD sollte man sich Zeit nehmen. Die Kompositionen sind sehr dicht und abwechslungsreich. So klingen in einigen Stücken Elemente des Progressive Rock eines in die Jahre gekommenen Alan Parsons Project durch (z.B. "Look up to the sky"), diese werden aber gekonnt mit Jazz-Variationen gespickt, so daß etwas vollkommen neues entsteht. An anderer Stelle fühlt man sich frappierend an Toto erinnert (z.B. "I lost my heart in China"). Diese Abwechslung wird nie langweilig. Hinzu kommt ein wirklich schön gestaltetes Papp-Cover mit tollem Booklet, das von der Illustration wirklich Lust auf die CD macht.
Mein Tip: Nehmt euch wirklich einen Nachmittag frei und verbringt ihn nur mit dieser CD und vielleicht einer guten Tasse Tee. Dieses Album verdient es gehört und nicht konsumiert zu werden. Pop par excellence...
Wie komme ich nur immer wieder auf LP. Liegt das an dem CD-Aufdruck ANALOG RECORDING und das LP-Design der CD?
Nun, um es vorwegzunehmen. Der Klang von "Soulmates" ist atemberaubend. Aber dazu später mehr.
Vor dem ersten Anspielen studiere ich das Booklet. 13 Songs und fast 78 Minuten Spielzeit. Alle Achtung.
Das sind fast 3 Country Neuerscheinungen, was die Länge angeht.
Und sofort fällt mir der 15-minütige Track Look Up To The Sky ins Auge. Solche Spielzeiten sind heute selten zu finden.
Ich lehne mich entspannt in meinem Sessel zurück und starte den Player. Wow, was für ein dynamischer und durchsichtiger Klang. Meine Canton Karat 70 scheinen förmlich zu lächeln. Von spitzen Höhen weit und breit keine Spur.
Nach wunderschönem Piano-Intro entwickelt sich ein herrlicher Popsong veredelt mit dem ausgezeichneten Gesang solcher Gaststars wie z.B. David Clayton-Thomas von einer meiner Lieblingsbands BLOOD, SWEAT AND TEARS oder Jack Bruce oder Chris Thompson oder oder...
Nach 10-Minuten wird es fein jazzig mit Soloeinlagen von u.a. Michael und Randy Brecker sowie Steve Lukather um zum Schluß stilistisch wieder popig zu werden.
Ein beeindruckendes Stück Musik.
A Dreamers Not A Fool ist dagegen „nur" 7 Minuten lang. Für einen Ohrwurm keine schlechte Spielzeit.
Nach anfänglichem Jethro Tull Flötenfeeling wird es hochgradig melodisch. Ian Anderson, Bobby Kimball, Jack Bruce und Leslie Mandoki treiben die Melodie mit ihrem hervorragenden Vocals voran.
Und der perfekte Klang begeistert auf's Neue. Die Staffelung der Instrumente und die saubere Auflösung der Gesangs-Arrangements sind eine wahre Pracht.
Das Piano klingt nach Piano und nicht nach DX7. Leslies Drums kommen knochentrocken aus den Membranen. Halliges Schlagzeug-Gematsche sucht man vergebens. Gitarren, Bass und Brass klingen nicht minder perfekt. Teilweise klingen die Brass-Arrangements wie aus perfekten Jazz-Aufnahmen der späten Sechziger.
Als Vergleich fällt mir spontan Herbie Hancocks Watermelon Man ins Ohr. Ich werde Hancocks perfekte Analog LP "Takin' Off" mit Dexter Gordon und Freddie Hubbard gleich hinterher auflegen.
Doch weiter mit "Soulmates". One Night A Day klingt wie eine Fusion aus CHICAGO und TOTO.
Höhepunkt des feinen, eingängigen Songs sind die Gitarrensoli von Al Di Meola und Steve Lukather. Al's akustische Gitarre klingt göttlich im Duell mit Steve's elektrischer. Leslie's einfallsreiches Schlagzeug paßt dazu hervorragend. Die harmonische Symbiose zwischen Gitarren, Bass und Drums ist eine musikalische Delikatesse.
I Lost My Heart In China führt zurück in die Anfangszeit von TOTO. Ein prächtiger Ohrwurm der durch Bobby Kimballs Stimme und Steve Lukathers Gitarrenphrasen wirklich wie ein Toto Song von den ersten beiden Alben anmutet.
Stark.
Pictures Of Life wird geprägt von Laszlo Benckers fulminantem Pianospiel und den prägnanten Bläsersätzen. Das ist Jazz-Pop-Rock in Vollendung.
Erinnerungen an Leslie Mandokis Vorgängerwerk sollen mit Room No. 8 geweckt werden.
Der Latin Jazz/Poper macht Spaß. Kommt er doch so wunderbar relaxt daher.
Obwohl die CD fast 80 Minuten dauert, wird es nie langweilig. Dazu ist das Songmaterial einfach zu gut. Ausfälle kann ich beim besten Willen nicht ausmachen.
Doch neben all dem starken Songmaterial ist auch die hervorragende Aufnahmequalität ein mitentscheidender Faktor für meine Bewertung. Machen wir es wie im Kunstturnen:
Höchstwertung 10 Punkte für Musik und Klang.
Und ein wichtiger Hinweis zum Schluß: Diese CD ist zu schade fürs Abspielen in einem mickrigen CD-Radiorekorder oder Discman.
Hört Euch "Soulmates" über die guten alten Lautsprecher an. Augen zu und einfach nur geniessen.
Und es darf auch ruhig etwas lauter sein. Bei diesem Edelklang wird es bei hohen Pegeln niemals nervig.
"Soulmates" besticht gerade durch die spannende Instrumentierung sowie wechselnde Vocal-Performances. Dass dabei "seichte" Songs herausgekommen sein sollen, kann ich nicht nachvollziehen.
Die optische Aufmachung mit interessantem Booklet und weiteren ausführlichen Informationen zum Konzept dieses Albums und zur Aufnahmetechnik sind ebenfalls noch erwähnenswert. Insgesamt jedenfalls ein sicherer Kauftipp für den Herbst 2002.
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