Bill Evans ist nun wahrlich kein unbekannter in der Pop-Jazz Szene. Sein neuestes Album Soulgrass schreibt allerdings eine Geschichte fort, die im Rückblick auf das Schaffen des Saxophonisten immer deutlicher zu Tage tritt: Das endgültige Abdriften in musikalische Belanglosigkeit. Evans schart auf Soulgrass die populärsten Bluegrass-Musiker wie z.B. Bela Fleck und Victor Wooten um sich. Allerdings macht das noch kein gutes Album aus, denn die Band funktioniert nur so gut, wie das musikalische Material, das man sie spielen lässt. Genau hier ist der Schwachpunkt des Albums zu suchen: Sieht man von der durchaus makellosen Groovearbeit und den virtuosen Banjopassagen einmal ab und wendet sich der kompositorischen Grundidee der Titel zu bleibt nicht viel übrig. Evans` Themen sind ohne Wiedererkennungswert und unverbindlich. Auch der eher zarte Saxophon-Ton, seit jeher Evans` Markenzeichen, eignet sich zugegebenermaßen für ruhigere Stücke, wirkt bei den schnelleren Titeln des Albums aber deplaziert. Insgesamt wirkt das Album nicht wie ein Bluegrass-Projekt von Bill Evans sondern eher wie eine CD von Bela Fleck and the Flecktones, die den stilistischen Neuling Bill Evans ein bisschen mitspielen lassen. Bill Evans hat in seiner Karriere, die einst bei Miles Davis begann, so manche stilistische Nische ausprobiert. Ein Grenzgänger sagen die einen, man könnte ihn aber auch als musikalisch Heimatlosen bezeichnen. Mit der musikalischen Unverbindlichkeit von Soulgrass wird Evans zumindest dem Bluegrass Stil nicht gerecht. Schade!