Ein wirklich relevantes Album mit neuem Material hat wohl niemand mehr ernsthaft von Roderick erwartet, vor allem nicht nach den letzten fünf Studio Alben. Ausserdem wurde seine Karriere ohnehin größtenteils von Cover Versionen und Fremdkompositionen bestimmt, nur tut es halt schon ein bisschen weh, dass er in den letzten 10 Jahren mit dem songmaterial gar so auf Nummer sicher geht.
Dass er sich hier durch Soul Klassiker pflügt, ist aber durchaus legitim, denn schließlich war es neben dem Rock'n'Roll genau jene Richtung, die ihm seine größten Hits bescherte, und er hat ja auch die richtige Stimme dafür. Produziert ist das alles eigentlich sehr gut, denn im Jahr 2009 darf man ja wieder - dem soul revival der letzten Jahre sei dank - ungestraft auf den sound der 60ies und 70ies zurückgreifen, und das tut er hier auch.
In seinen besten Momenten blitzen bei diesem Alben auch wieder die Arrangements von ,unplugged and seated' kurz auf - man höre sich nur ,Tracks Of My Tears' an, das live mit ,People Get Ready' sicher ein erstklassiges Medley abgibt. Uptempo songs gibt's hier wenige, dafür aber umso mehr Herz-Autschi Lieder, die zumindest nicht vollends im Kitsch ersoffen werden, weil Gitarre Bass und Schlagzeug immer schön dominieren; allerdings hätte man auf die Bert Kämpfert Streicher und die Las Vegas Background Chöre verzichten können - den songs wäre dadurch nichts verloren gegangen, und die Platte hätte einen erdigeren sound bekommen.
Neu gedeutet wird - als Einziges - der Sam Cooke Hit ,Wonderful World' mit einem slightly funky uptempo-beat, das will aber nicht so ganz greifen. Rod's Stimme ist natürlich nicht mehr ganz so kräftig wie früher, aber in seinen besten Momenten - z. Bsp. beim opener ,It's The Same Old Song' oder auch bei ,If You Don't Know Me' legt er sich gefühlsmäßig doch noch recht ordentlich in's Zeug.
Kein Highlight in Stewart's Karriere, aber von seinen letzten 5 Alben sicherlich das Beste, und die ,Vorgabe' von Klum's Altem letztes Jahr schlägt er hier locker, und auch Michael McDonald's Motown Alben und Hall & Oates ,Our Kind Of Soul' sind nicht wirklich besser als das hier. Von der Qualität von Jimmy Barnes' 91er Album ,Soul Deep' allerdings ist das hier - weil einfach doch zu ,polished' - schon noch weit entfernt.
Trotzdem: ein nettes Weihnachtsgeschenk für Mutti - das auch Papi, wenn's dann rauf und runter gespielt wird, nicht weh tut - ist das allemal.